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Ganes – Rai de Sorëdl

ganes von Michael Steber

Review: Wenn man die drei Musikerinnen von Ganes und ihr Album Rai de Sorëdl zum ersten Mal hört, könnte man meinen, sie kämen direkt von der Copacabana. Nicht nur die leichte Musik und die scheinbar gehauchten Texte klingen brasilianisch, sondern auch die zungensprecherische Sprache der Lieder scheint dem Portugiesischen zumindest ähnlich. Allerdings könnte man bei mit dieser Einschätzung nicht falscher liegen...

ganesvon Michael Steber

Plattenfirma: LAWINE (Sony BMG)
Tracks: 14
Erscheinungsdatum:
28. Mai 2010
ASIN: B003DKCK2U
Preis: ca. 17,99 € Rai de Soredl bei Amazon.de

Wenn man die drei Musikerinnen von Ganes und ihr Album Rai de Sorëdl zum ersten Mal hört, könnte man meinen, sie kämen direkt von der Copacabana. Nicht nur die leichte Musik und die scheinbar gehauchten Texte klingen brasilianisch, sondern auch die zungensprecherische Sprache der Lieder scheint dem Portugiesischen zumindest ähnlich. Allerdings könnte man bei mit dieser Einschätzung nicht falscher liegen, denn Ganes kommen aus dem schönen Südtirol und singen auf Ladinisch.

Angesichts dieser Herkunft verwundert es schon weniger, dass Ganes zuvor als Hintergrundsängerinnen beim Alpenrocker Hubert von Goisern gewirkt und sich nun entschlossenen haben, ein eigenes Album in ihrer Muttersprache aufzunehmen. Der Name Ganes stammt aus der Mythologie Südtirols und bezeichnet Feen oder Wassernixen, die in der Nähe von Gewässern in Erscheinung treten, alle Altersformen annehmen können und den Menschen manchmal reich beschenken, ihm aber auch gefährlich werden können. Der Musik der Ganes, die hier mit Rai de Soredl ihr Debütalbum vorlegen, haftet zwar viel Geheimnisvolles und Bezauberndes, allerdings nichts Bedrohliches an.

Vielmehr hält sich die von den Stimmen der drei Sängerinnen getragene Musik dezent im Hintergrund und bewegt sich mit ihrer Gitarrenlastigkeit und ihren Ethnoeinflüssen irgendwo zwischen klassischem Songwriting, Soul und Bossa Nova, womit man wiederum doch zumindest teilweise bei brasilianischen Einflüssen angekommen wäre. Die Instrumente werden bisweilen ohne Verstärker gespielt und wirken nie aufdringlich, viele Lieder präsentieren sich gemächlich und erzählen von Sorglosigkeit und Sommer. Dennoch finden sich auf Rai de Sorëdl auch einige etwas kraftvollere Lieder wie Jora, die sich aber nahtlos in die entspannte Grundstimmung des Albums einfügen. Als weitere Anspieltips seien an der dieser Stelle das besonders sommerlich klingende Tristëza È und das melancholische Da Sóra genannt.

Was Ganes zusätzlich zu ihrer Musik zu einer ganz besonderen Gruppe macht, ist die Tatsache, dass sämtliche Texte auf Ladinisch gesungen werden, einer romanischen Minderheitensprache aus dem Norden Italiens, die nur 30000 Sprecher zählt. Die im Booklet teilweise in verschiedene europäische Sprachen übersetzten Texte gewinnen mit ihrer Liebesthematik zwar wahrscheinlich keinen Preis für Originalität, allerdings wirkt allein die Tatsache, dass sich Ganes für ladinische Texte entscheiden haben mehr als erfrischend. In einer gerade im Mediengeschäft von peinlichen Anglizismen dominierten Zeit zeugt eine solche Entscheidung entgegen aller Markttauglichkeit von Mut und einem bewundernswerten Bewusstsein für die eigene Kultur. So sorgen Ganes nicht nur für Ohrenschmaus in den eigenen vier Wänden des Hörers, sondern tragen ganz nebenbei auf ihre Weise zum Erhalt einer europäischen Minderheitensprache bei, die in Italien aus politischen Gründen immer wieder mit mangelnder Akzeptanz zu kämpfen hat.

Wer also ein Herz für Minderheitensprachen hat oder ganz einfach auf der Suche nach einem entspannten Sommeralbum abseits der gängigen Klischees ist, der sollte den Wassernixen aus Südtirol folgen, denn mit Rai de Sorëdl ist Ganes eine rundum empfehlenswerte Platte gelungen. Und wer weiß, vielleicht ist das Album wirklich ein Schritt, der zumindest ein klein wenig zum Erhalt und Interesse an der ladinischen Sprache beiträgt. Auf jeden Fall aber wird das heimische Musikregal um einen außergewöhnlichen und äußerst hörenswerten Silberling bereichert.

Text Copyright Michael Steber 2010
Cover Copyright 
Central Control International (ALIVE)

 
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