Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Archiv arrow Archiv arrow Musik arrow CD-Reviews 
ALL  |0-9  | A  | B  | C  | D  | E  | F  | G  | H  | I  | J  | K  | L  | M  | N  | O  | P  | Q  | R  | S  | T  | U  | V  | W  | X  | Y  | Z

Archiv arrow Musik arrow CD-Reviews

Keane - Under the Iron Sea

ironsea von Cordelia von Teichman

Album-Review: Über Keanes zweites Album Under The Iron Sea hatte man vor seiner Veröffentlichung schon einiges gehört - die Band selbst kündigte im britischen NME an, ein "Rock'n'Roll-Biest" erschaffen zu haben, und auch um einiges düsterer sollte es sein, gar Radiohead-ähnliche Züge haben. 

coverKeane: Under The Iron Sea  (UK, 2006)
Erscheinungsdatum: 9. Juni 2006
Label: Island (Universal)
ASIN: B000FBHT1C 
Tracks: 11

Über Keanes zweites Album Under The Iron Sea hatte man vor seiner Veröffentlichung schon einiges gehört - die Band selbst kündigte im britischen NME an, ein "Rock'n'Roll-Biest" erschaffen zu haben, und auch um einiges düsterer sollte es sein, gar Radiohead-ähnliche Züge haben.
Letzterem durchaus gerecht wird der Opener 'Atlantic', dem es gelingt, durch seine bedrohlich wirkende Melodie und das leicht versetzte Drumming in dem knapp eine Minute dauernden Instrumentalteil zu Anfang sofort eine außergewöhnliche, leicht beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Zeilen wie "I don't wanna be old and feel afraid", von Tom Chaplin mit einer sehr kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme gesungen, intensivieren diese verzweifelte Stimmung noch mehr. Ein wahnsinnig schöner Song, der durchaus anders klingt als das alte Keane-Material, aber trotzdem die elementare Stärke der Band beweist: Gefühle eindringlich darzustellen.

Auch das so vielzitierte Rock'n'Roll-Biest kann man mit etwas Wohlwollen im zweiten Track auf dem Album, der Single 'Is It Any Wonder?' erkennen, der mit U2-ähnlichen Gitarrenriffen, die keine sind (denn Keane sind schließlich nach wie vor eine gitarrenfreie Band), einer flotten Melodie und wütendem Gesang aufwartet. Leider bleiben nicht alle Songs auf diesem von den ersten beiden Tracks vorgegebenem hohen Niveau. Auch ist der Richtungswechsel nun doch nicht so stark, wie man nach diesem Anfang annehmen könnte, was vielleicht den ein oder anderen enttäuschen mag. An die verzweifelte, düstere Atmosphäre von 'Atlantic 'kommt nur noch der futuristisch-unheimliche Instrumentaltrack 'The Iron Sea' heran, welcher einen großen Kontrast zu dem vorangehenden 'Put It Behind You' darstellt. Dieses ist mit seiner fröhlichenden, packenden Melodie und der aufmunternden Botschaft, seinen Liebeskummer endlich zu vergessen, vielleicht sogar der aufbauendste Song des ganzen Albums.

Auch wenn man sich musikalisch nicht völlig verändert hat, merkt man durchaus, dass Keane sich weiterentwickelt haben: Dies zeigt schon die Experimentierfreudigkeit mit den Keyboard-Sounds, und auch das Schlagzeug ist im Vergleich zu Hopes and Fears, auf dem einige Songs schon fast elektropop-ähnlich wirkten, stärker zu hören. Eine weitere Auffälligkeit ist die größere musikalische Dichte der Songs. Diese zeichnet sich vor allem durch die stärkere Verwendung von Harmonien, an denen alle Bandmitglieder beteiligt sind, aus; besonders deutlich zu hören in 'Leaving So Soon?', einem fröhlich und poppig klingendem Song, der allerdings in einem recht wütenden Text das Gefühl, beurteilt und ausgegrenzt zu werden, verarbeitet.

keane

Songs wie der wunderschöne 'Hamburg Song' dokumentieren auf eine fast Abba-hafte Weise die Spannungen in der Band nach dem überraschenden Erfolg von Hopes and Fears, etwa wenn Songschreiber Tim Rice-Oxley Sänger Tom Chaplin "I don't wanna be adored/Don't wanna be first in line/Or make myself heard" singen lässt. Nicht nur vor den wahren Hintergründen ein ergreifender Song über den Kampf um eine Freundschaft. Auch das langsame 'A Bad Dream' überzeugt durch seine Emotionalität und stellt in alter Keane-Manier Angst, Einsamkeit und Kraftlosigkeit dar.
Was enttäuscht also an Under The Iron Sea? Zum einen die zufälligerweise hintereinander positionierten Songs 'Crystal Ball' und 'Try Again', die für mich die schlechtesten Songs des Albums sind. Der Refrain des poppigen 'Crystal Ball' ist ein wenig zu eingängig und nervt schon beim ersten Hören, der Text "Oh, crystal ball, crystal ball/Save us all, tell me life is beautiful/Mirror, mirror on the wall" macht es leider auch nicht mehr besser. 'Try Again' hingegen ist mir zu langweilig und nichtssagend, vor allem der jammerige Unterton gefällt mir nicht besonders. Auch hier kann der Text nicht viel rausreissen, Zeilen wie "But I was made the way I am/I'm not a stone; I'm just a man" müssen einfach nicht sein. Diese beiden Songs verleiten einen fast dazu, zu denken, dass nun wohl nichts mehr kommen würde, was ein großer Fehler ist. Das darauf folgende jazzig angehauchte 'Broken Toy' ist mit über sechs Minuten nicht nur der längste, sonder auch einer der interessantesten und besten Tracks des Albums. Auch der letzte Song, 'The Frog Prince', schreckt vielleicht erst durch den merkwürdigen Titel ab, ist aber ein gut gemachter Song über Veränderungen, der das Märchen-Motiv auf eine clevere Art und Weise benutzt.

Allerdings zeigt sich besonders auch in 'The Frog Prince' mein zweiter Kritikpunkt: Viele Songs haben alten Keane-Songs gleiche oder sehr ähnliche Melodien/Muster. So beginnt 'The Frog Prince' wie 'To The End of The Earth', eine alte B-Seite, der Klavierteil gegen Ende von 'Try Again' ist nahezu identisch mit dem am Ende von 'Untitled 1' (auf Hopes and Fears) und es gibt noch einige weitere Beispiele. Das ist ärgerlich und schade, da es aufgrund der Vielfalt an neuen Ideen so unnötig erscheint.
Trotz der Kritikpunkte ist Under The Iron Sea ein gelungenes zweites Album. Keane bleiben ihrem Stil treu und schaffen es trotzdem, sich weiterzuentwickeln. Ihre Gegner werden sie so nicht für sich gewinnen können, und als harte Rock'n'Roll-Band werden sie wohl auch nie in die Geschichte eingehen, aber das müssen sie auch gar nicht. Keane haben andere Qualitäten und gerade Songs wie 'Broken Toy' oder 'Atlantic' lassen darauf hoffen, dass in der Band noch einiges an Potential zu finden ist.

 
Text Copyright 2006 Cordelia von Teichman
Cover, Promo-Shot Copyright Keane / Island

 

 
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.