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Coupling

coupling von Anna-Selina Sander

Review: Auch wenn es zeitlich nicht ganz hinkommt, so könnte es sich doch durchaus so zugetragen haben: Eines Tages könnte sich ein britischer Drehbuchautor beim Anschauen von Friends und Sex and the City gesagt haben: "Och nee, ich glaub, ich kann das besser." Und er schrieb Coupling und behielt Recht. Er KANN es besser.

couplingvon Anna-Selina Sander

UK (2000-2004), Umfang: 4 Staffeln, insgesamt 28 Episoden, Autor: Steven Moffat, Produziert von: Sue Vertue, Regie: Martin Dennis, mit: Jack Davenport, Gina Bellman, Sarah Alexander, Kate Isitt, Ben Miles, Richard Coyle (Staffel 1-3), Richard Mylan (Staffel 4)

Erschienen bei: Indigo
Preis: ca. 42 € Coupling bei Amazon.de

Gäbe es sowas wie eine Entwicklungsleiter für Mittzwanziger, die von Fernsehserien dargestellt würde, dann wäre Coupling die Stufe nach Spaced. Der Mittzwanziger ist inzwischen Ende Zwanzig und lebt zum Teil noch immer in einer Wohngemeinschaft, oder hat es immerhin geschafft, sich alleine ein bis zwei Zimmer leisten zu können. Er oder sie hat es auch zu einem Job und einer festen Partnerschaft gebracht, oder sucht einfach hin und wieder nach ein bisschen Spaß. Und der eine oder die andere träumt sogar davon zu heiraten – oder versucht, den Partner oder die Partnerin gleich mit Waffengewalt in die Richtung zu mobben. Und genauso gibt es Leute, die dem ganzen Thema Liebe, und darum dreht es sich in Coupling, völlig paranoid und verwirrt gegenüberstehen.

Drei Frauen und drei Männer sind die Hauptfiguren in dieser schamlos witzigen und dabei trotzdem intelligenten Comedyserie: Steve Taylor (Jack Davenport) und Susan Walker (Saran Alexander), die gleich in der ersten Folge ein neues Pärchen werden, sowie deren Expartner Patrick Maitland (Ben Miles) und Jane Christie (Gina Bellman) und beste Freunde Jeff Murdoch (Richard Coyle) und Sally Harper (Kate Isitt). Klingt ein wenig nach einem britischen Friends-Aufguss, aber im Gegensatz zu der amerikanischen Endlos-Sitcom ist Coupling mit vier gewohnt kurzen Staffeln und dicht geschriebenem Drehbuch wesentlich prägnanter, straffer und vor allem viel lustiger.

coupling

Alle sechs Charaktere sind stark, gut ausgearbeitet und beanspruchen viel Raum, den sie auch mit Freuden einnehmen. Steve und Susan spielen eigentlich die ganze Zeit das Klischeepaar, er dürstet verzweifelt nach den letzten Bastionen männlicher Freiheit und schwingt, bevorzugt auf Dinnerparties, die grundsätzlich in einer Katastrophe enden, mitreißende Plädoyers über Schlösser an Toilettentüren oder warum Männer auf Lesbenpornos stehen. Mehr als einmal merkt man, wie sehr Steve als Sprachrohr für den Autoren konzipiert wurde. Seine Freundin Susan, blond, klein, dünn, perfekt, unglaublich zickig, sehnt sich unter ihrer pieksigen Schale eigentlich nur nach einem Heiratsantrag.

Ihre beste Freundin Sally ist die personifizierte Anti-Aging-Paranoia. Sie betreibt einen Schönheitssalon und ihre einzige Sorge sind die nicht vorhandenen Falten am Hals. Die ganze Serie über schwärmt sie mehr oder weniger heimlich für Susans Ex Patrick, jener hingegen ist ein ausgemachter Casanova, der über seine zahlreichen Eroberungen sehr genau Buch führt und mehr als einmal von seiner Vergangenheit eingeholt wird, nicht selten schmerzhaft. Sally hingegen steht komischerweise nicht auf seiner Eroberungsliste... Patrick ist auf eine ganz kuriose Weise gleichzeitig furchtbar dämlich, widerlich arrogant und sehr liebenswert – es ist schwer in Worte zu fassen, aber böse sein kann man ihm irgendwie nicht. Jane, Steves Ex für nach eigener Aussage vier bis sechs Jahre, ist im ersten Moment als völlig wahnsinnig zu betrachten, egozentrisch bis aufs Blut und unberechenbar. Dass sie eigentlich eine recht traurige Figur ist, wissen ihre Freundinnen schon lange, der Zuschauer kriegt das aber erst recht spät mit. Auch ein netter Kunstgriff, sowas.

Bleibt Steves bester Freund Jeff, der unbestritten als das Highlight der Serie bezeichnet werden kann. Richard Coyle ist ein brillanter Schauspieler, und einen solchen braucht es auch, um diese abgefahrene Figur zu spielen. Jeff ist Paranoia und Allwissen in einer Person. Nur er kennt die Geheimnisse von „sock gap“ und „giggle loop“, und den bedrohlichen „Melty Man“, der schon jedem Mann (außer Patrick, aber auch den kriegt er noch) nicht nur schlaflose Nächte bereitet hat. Jeff kennt alle fiesen Tricks der Frauen, weiß im Prinzip genau, was welche Äußerung zu bedeuten hat und redet es sich zur Not auch gerne ein – aber wie das bei solchen Figuren immer so ist, er selbst kann sein Wissen nicht anwenden. Im Gespräch mit einer Frau schrumpft sein Hirn auf Erbsengröße und er erzählt einen Blödsinn, den man sonst eher Dreizehnjährigen zutraut. Er erfindet amputierte Beine, behauptet, er würde Frauenohren in Eimern sammeln und missversteht Einladungen zu Geburtstagsfeiern (seiner eigenen, um genau zu sein), als Verführungstechnik.

Und dabei ist er so großartig, dass man zwischen Kaputtlachen und Nicht-hinsehen-können alles durchmacht. Wenn Sally Paranoia ist, ist Jeff Fremdschämen. Leider, leider, leider wurde er in der vierten Staffel durch Oliver Morris (Richard Mylan) ersetzt, der ihm natürlich nicht gerecht wird. Es ist auch ein undankbarer Job für seinen Nachfolger. Zwar versuchen die Autoren, Oliver ein eigenes Gesicht zu geben (nerdiger Besitzer einer Fantasy-Buchhandlung, von seiner Freundin entnervt verlassen, seit einem halben Jahr untervögelt), aber es gibt doch zu viele Parallelen zu Jeff, die immer wieder zu Vergleichen verführen.

coupling

Was Coupling so unglaublich gut macht, ist nicht nur die Kürze und das unschlagbar gut geschriebene Drehbuch, das tatsächlich an Serien wie Spaced heranreicht. Man muss genau hinhören und hinschauen, um zum Beispiel Pointen zu verstehen, die sich auf Nebensätze vom Anfang der Folge beziehen – und der Effekt ist jedes Mal Gold wert.

Darüber hinaus ist die Serie freizügig, ungezogen und schamlos, und das hauptsächlich durch Worte und geschicktes Filmen. Dass das viel effektiver ist als reißerische Sexszenen und affektiertes Kichern hinter vorgehaltener Hand bzw. kreischende Ungläubigkeit, zeigte vor einigen Jahren der Vergleich mit Sex and the City, das damals vor Coupling im deutschen Fernsehen lief. Hier wird das gleiche gesagt und diskutiert, aber um Längen besser und vor allem witziger. Sympathieträger dabei sind, zumindest in meinen Augen, eindeutig die Männer. Die Frauen würde ich nicht auf fünf Meter an mich ranlassen, teilweise machen die mir wirklich Angst – erstaunlicherweise ist Jane noch die harmloseste. Auf der anderen Seite, treue Gorillaleser wissen es, bin ich ja allgemein eher ein Freund von Männergeschichten, insofern muss man da jetzt nichts drauf geben.

Coupling ist derzeit in einer Gesamtedition in deutscher Sprache erhältlich, allerdings möchte ich hier wärmstens für den englischen Originalton oder, besser noch, die britische Box plädieren. Nicht nur, dass die ganze Serie in ihrer Originalsprache besser rüberkommt (Jeff hat einen walisischen Akzent, sage ich nur), sie ist ob ihres Alters auch noch viel, viel günstiger als die deutsche. Versüßt euch den Sommer damit!

Text Copyright Anna-Selina Sander

Bilder Copyright BBC

 
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