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von Bettina Herbig
DVD-Review: Stanislaw Lems Sterntagebücher gehören eigentlich zu der Sorte Kultbuch, bei denen man auf eine Verfilmung wetten kann. Wurden ja auch verfilmt. Aber nicht von Hollywood. Na, schon gespannt wie Katze vor Loch?
Deutschland (2007) Regie: Randa Chahoud, Oliver Jahn, Dennis Jacobsen, Drehbuch: Oliver Jahn, Kamera: Randa Chahoud, Musik: Eike Groenewold, mit: Oliver Jahn, Nora Tschirner, Peter Princz Erschienen bei: Euro Video
Preis: ca. 10 € Ijon Tichy: Raumpilot bei Amazon.de Vor einiger Zeit habe ich euch ja schon die Sterntagebücher aus der Feder von Stanislaw Lem näher bringen wollen. Heute ist also die Verfilmung des Kultbuches dran. Und daran war Hollywood mit keinem einzigen Cent beteiligt. Sondern der brave deutsche GEZ-Zahler. Richtig kombiniert. Die Sterntagebücher – oder Ijon Tichy: Raumpilot wie die Miniserie heißt, ist eine Kleinstproduktion des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, nämlich des ZDFs und wurde zuerst im März 2007 ausgestrahlt. Falls ihr euch daran nicht mehr erinnern könnt, hier ein kleiner Trost: Es war im Nachtprogramm. Die Serie von Dennis Jacobsen, Randa Chahoud und Oliver Jahn, der auch die Titelrolle spielt, basiert auf einzelnen Kapiteln oder losen Ideen aus den Sterntagebüchern und umfasst sechs Episoden à 15 Minuten.   Ijon Tichy (Oliver Jahn), Raumpilot, Entdecker, nach eigenen Angaben größter Geniekopf, wo gibt, und Held von Kosmos, reist in seiner gemütlichen Drei-Zimmer-Rakete, die von innen verdächtig nach einer Berliner Altbauwohnung und von außen wie ein Kaffeebereiter aussieht, durch das All und erlebt so manch skurriles Abenteuer. Begleitet wird er in der Serie von der analogen Halluzinellen (Nora Tschirner), einem Hologramm, das Ijon kurzerhand erfand, damit ihm nicht ständig das Omelett anbrennt, wenn er gleichzeitig die Rakete steuern soll und kochen will. Leider ist die Halluzinelle mindestens so eigensinnig wie Ijon selbst und so führt schon ihr erster Auftrag – aufpassen, dass der Rakete nichts entgegenkommt, während Chef Tichy schläft und ihn im Fall sofort wecken – dazu, dass der Hubregulator eingebüßt wird. Klar, dass das an Ijons Nerven zerrt. Bald entwickelt sich aus ihm und seinem Geschöpf eine Beziehung, die stark an ein altes Ehepaar erinnert. Sie führt Ijons Anweisungen gelegentlich mit einer schier Eulenspiegel-haften Genauigkeit aus und ist auch im Stande, aus gekränktem Stolz Ijons Teilnahme am Roboter-Wettbewerb zu sabotieren. Ijon hingegen empfindet sie als geradezu bemutternd und erinnert sie nur zu gerne daran, wer eigentlich der Herr in der Rakete ist. 
Musikalisch wird das ganze von einer Weltraum-Jazz-Orgel begleitet, bei der selbst die Besatzung von Raumpatrouille Orion mit den Ohren geschlackert hätte. Heimlicher Star der Serie ist zweifelsohne die Ausstattung. Außerirdische und die Einrichtung der Rakete bestehen aus einigen wenigen Computereffekten und „was halt grad da war“. Und dabei sind die Außerirdischen und die komplette Technik mit einem liebevollen Reichtum an Ideen versehen, wie man sie in manch „richtiger“ Serie selten zu sehen bekommt. Somit sieht Ijon Tichy: Raumpilot eher nach einem Fanfilm als nach einer Low-low-Budget-Produktion eines Fernsehsenders aus. Als Statist wurde meist auch genommen, wer am Set gerade nichts zu tun hatte. Apropos Set: mich beschleicht der starke Verdacht, dass es sich bei Ijons Drei-Zimmer-Rakete tatsächlich um die Wohnung eines der Macher handelt. Und wer genau hinschaut, der findet darin und in der Serie mehr als nur eine Erinnerung an die Jugendzeit. Man weiß eben nicht, ob Ijon diese Abenteuer tatsächlich erlebt oder ob er nur am Schreibtisch seiner Wohnung sitzt, Omelett auf Toast isst und sich den ganzen Aberwitz nur ausdenkt. Wie sagt er doch selbst am Ende jeder Folge? „Leute haben erzählt, hätte ich mir Geschichte nur ausgedacht. Böse Leute haben erzählt, hätte ich Schwäche für Alkohol, die ich auf Erde heimlich mache, wenn aber auf lange Raumfahrt, dann hemmungslos. Gott weiß, was gibt für Gerüchte. Aber so sind Menschen. Glauben lieber größtes Blödsinn, als wahre Tatsache.“ 
Übrigens: Wer noch nicht genug hat, dem empfehle ich einen Blick auf die Homepage des ZDFs. Wer genau hinschaut, der findet hier nicht nur die Raumschiffausstattung in Ijons Kosmisches Enzyklopädie, sonder auch – und viel wichtiger – ein Omelett-Kochbuch. Copyright Text Bettina Herbig 2008 Bilder Copyright Euro Video |