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von Thomas Nickel
Review: Daniel hat Angst: Die Welt um ihn herum ist voll schlechter Musik und unbefriedigendem Design. Olegs Ding ist mehr so Köpfchen Rauchen und dann schön Stealth-Ninja auf Playse. Daniel und Oleg sind eine WG.
Von: René Roggmann und Oli FerreiraErschienen bei: Zwerchfell Verlag Preis: 10 € Daniel & Oleg bei Amazon.de
Warum lang um den heißen Brei herumreden, wenn es doch auf der Cover-Rückseite perfekt beschrieben ist... ich zitiere: "Daniel hat Angst: Die Welt um ihn herum ist voll schlechter Musik und unbefriedigendem Design. Olegs Ding ist mehr so Köpfchen Rauchen und dann schön Stealth-Ninja auf Playse. Daniel und Oleg sind eine WG." Erwähnt werden sollte dabei freilich noch, dass diese WG sich im Hamburger Schanzenviertel befindet. Kennt ihr nicht? Kein Problem. Ich zitiere eine direkte, allerdings Wert auf Anonymität legende Anwohnerin Hamburgs: "Hmm...das ist so das Szene-Viertel, ehemals war es eher so ne abgewrackte Gegend mit superlinken Leuten, aber seit einigen jahren ist es schicker geworden. Mit Portugiesencafés und kleinen coolen Läden, in denen es stylishe, teure Sachen gibt und so. Und überhaupt lauter abgefahrenen Läden, die vielleicht in einer Innenstadt keine Chance hätten. Und dieses Politikding ist auch noch ein bisschen da. Und jeder will da wohnen." Alles klar? Wir haben also zwei Typen - einer ist der eher in-sich-ruhende, Buddha-mäßige, der andere will um jeden Preis der Geilste sein. Perfektes Outfit, perfekte Frisur, Plattensammlung mit spex-Gütesiegel. Und um den Alltag dieser beiden widersprüchlichen, sich aber dennoch ungemein gut ergänzenden Typen geht es in den zahlreichen kurzen Strips. Im Zentrum stehen dabei meist Daniels zahlreiche Probleme mit Komplexen, Selbstbild und natürlich dem anderen Geschlecht die meist durch spitz-treffende Bemerkungen des eigentlich so harmlos wirkenden Oleg noch dramatisch verstärkt werden. Und der Humor liegt dabei zum einen in den exzellenten Texten die in ihrer wunderbaren Authentizität durchaus von den den echten Daniels und Olegs stammen könnten und von den Autoren nur noch zu Papier gebracht wurden: "Letzten Sommer, da gab es genau zwei Fraun mit fett voll so den Bonanzarädern hier in der Schanze. Da konnten die anderne Görls hier im Schulterblatt noch so auf The Donnas meet Hello Kitty machen. Keine Chance: Die einzigen interessanten Frauen blieben verdammt noch mal die auf den Bonanzas. Und wer wohl waren letzen Sommer die beiden coolsten Typen ever hier im Revier? Hä? Die von allen anderen Jungs gehasst und von allen geilen Frauen angebaggert wurden? Na? Wer wohl? Natürlich die beiden Typen, die mit den beiden Bonanzaradfahrerinnen zusammen waren!!" Solche wunderbaren Dialoge und Monologe haben wir hier das letzte mal bei einem anderen Deutschen Autoren und Zeichner gelesen - Levin Kurio in seinen Koma-Comix. Und das ist durch eine ganze Weile her. Zugegeben, das Milieu war dort ein *wenig* anders, das Rezept dagegen das gleiche. 
Neben den Dialogen ist die zweite große Stärke von Daniel und Oleg die hervorragende Beobachtung. Jeder kennt diese Typen. Oder zumindest Typen wie sie. René Roggmann und Oli Ferreira kennen sich in der ganzen spex-Indie-Szene bestens aus und halten ihr einen wunderbar, oft nur leicht überzogenen Spiegel vor. Und wer auch nur entfernt mit dieser ganzen Szene in Kontakt gekommen ist, der wird bei vielen der kurzen Strips aus dem Lachen nicht mehr herauskommen, aber auch selbst komplette Szene-Abstinenzler kommen hier auf ihre Kosten - Daniel, Oleg und ihr seltsamer Bekanntenkreis mit dem ebenso ungepflegten wie antriebslosen Millbrandt und dem "affektinkontinenten Aggro-Stresser" Stefan mögen in einem ganz spezifiellen Umfeld aktiv sein, die köstlichen Absurditäten erschließen sich dennoch allen. Das Daniel und Oleg von Beobachtung und Texten leben ist offensichtlich - die schwarz-weißen Zeichnungen zeigen genau das, was man sehen muss - Figuren und Mimik, Hintergründe und großartige Details sind hier völlig überflüssig, die ausgeprägte Körpersprache der Protagonisten unterstreicht ihren Artikulationsschwall dafür ausgezeichnet. Wir habens schon geschrieben - ihr müsst weder angesagte Musikzeitschriften lesen, noch im geilsten In-Viertel von gant Überall wohnen um euch mit bzw. über Daniel und Oleg zu amüsieren - wenn ihr für Gag-Strips auch nur annähernd etwas übrig habt solltet ihr die 10 Euro definitiv mal investieren. Lest ihr dagegen spex, pflegt die Plattensammlung oder teilt Olegs Buddha-Mentalität und seinen Hang zu nicht ganz legalisiertem Rauchwerk, dann gibt es keinen Grund, warum die beiden nicht schon längst Einzug in euer Comic-Regal gehalten haben! Artikel Copyright 2008 Thomas Nickel Bilder Copyright René Roggmann und Oli Ferreira |