Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Archiv arrow Archiv arrow Comics arrow Comics 1 
ALL  |0-9  | A  | B  | C  | D  | E  | F  | G  | H  | I  | J  | K  | L  | M  | N  | O  | P  | Q  | R  | S  | T  | U  | V  | W  | X  | Y  | Z

Archiv arrow Comics arrow Comics 1

Als die Zombies die Welt auffraßen

Als Die Zombies die Welt Auffrassen von Thomas Nickel

Review: Zombies! Möchtegern-Cowboys! Ein Belgier! Und natürlich Guy Davis, einer der besten Comiczeichner der Welt - all das gibt es in Crosscults beeindruckendem Monster-Band Als die Zombies die Welt auffraßen. Und eine ordentliche Portion schwarzen Humor und Verunsicherung gibt´s noch obendrauf. Wenn das mal nichts ist...

Als Die Zombies die Welt AuffrassenAutor: Jerry Frissen, Zeichnungen: Guy Davis, Farben: Charlie Kirchoff, Übersetzung: Christian Langhagen

Originaltitel: The Zombies that Ate the World

Erschienen bei: Crosscult
Preis:  24 € Als die Zombies die Welt Auffraßen bei Amazon.de

Deutschland ist kein sonderlich Zombie-freundliches Land. Vor ein paar Jahren waren die müffelnden, schlurfenden Untoten noch die großen Verderber der Jugend, wurden verboten und unterdrückt, wo es nur ging, und in manipulativen Dokumentationen im öffentlich rechtlichen Fernsehen klar diskriminiert. Heute hat sich die Lage etwas gebessert, die Position des gemeinen lebenden Toten ist zumindest im Kino mit Filmen wie dem Remake von Romeros Dawn of the Dead oder Simon Peggs und Edgar Wrights wunderbarer Parodie/Liebeserklärung Shaun of the Dead entspannter geworden. Lässt dagegen aber eine Spieleschmiede wie Capcom die Toten in einem Xbox360-Einkaufszentrum auferstehen, greifen sich konservative Verbieteriche immer noch entrüstet an die Brust und packen die große Beschlagnahmungskeule aus - und das alles im Namen der Bigotterie - Verzeihung, wir meinen natürlich des Jugendschutzes, frei nach dem Motto "kann denn nicht einmal jemand an die Kinder denken?? ".

Kaum auszudenken, wenn all die radikalen Zombie-Hasser wüssten, was im Jahr 2064 passiert... Denn nach etlichen Spannungen mit den lebenden Toten hat die US-Regierung endlich ein längst überfälliges Edikt erlassen: Die Lebenden haben mit den Toten auszukommen. Und zwar friedlich. Tja, schwere Zeiten für heutige Jugendschützer. Aber nicht nur für die, auch für so manch anderen bringt das neue Mensch-Zombie-Verhältnis echte Komplikationen mit sich. Wo früher die Fronten eindeutig waren - der Zombie will das Gehirn des Lebenden fressen, der wehrt sich mit Kettensäge, Schrotflinte und Baseballschläger - herrscht jetzt eine gewisse Unsicherheit. Nehmen wir das Beispiel von Seth McKenna. Der brave Geschichtsprofessor hat nämlich ein Problem: Seit der Vater seiner Frau Susan in zugegebenermaßen etwas angemoderter Form aus dem Grab zurückkehrte, hängt der häusliche Segen schief. Während Kinder und Frau sich mit dem neuen alten Mitbewohner durchaus arrangieren können, sieht Seth nicht nur den geplanten Hawaii-Urlaub, sondern auch die eigene Libido schwinden. Aber es gibt - zugegeben, nicht ganz legale - Abhilfe: Karl Neard und seine Schwester Maggie bieten in solchen Fällen ihre Dienste an - gemeinsam mit dem famosen Belgier Freddy Merckx arbeiten sie als professionelle Untoten-Entsorger. 

Als Die Zombies die Welt AuffrassenAls Die Zombies die Welt Auffrassen

Wenn es einen Comic-Preis für reine Skurrilität gäbe, das neue Werk von Jerry Frissen und B.U.A.P.-Zeichner Guy Davis wäre der heißeste Anwärter auf die begehrte Trophäe. Die herrlich alberne Grundprämisse, der tiefschwarze Humor und die oft provokativ zu Schau gestellte Geschmacklosigkeit, die den Leser immer wieder gezielt verunsichert, machen Crosscults neues Zombie-Spektakel zur unverzichtbaren Pflichtlektüre für Untoten-Afficionados. Dabei schaffen Frissen und Davis eínen gewagten Spagat zwischen Ekel (auch hier wird das ein oder andere Gehirn gefressen), Humor (ein Zombie erklärt seinen Kumpels, wie man sich als Zombie richtig zu verhalten hat: "Wir müssen es so machen... mit ausgestreckten Armen... und viel Ssstöhnen...") und eigentlich ernsten Themen. Denn sind wir mal ehrlich - viele der Episoden sind unter der ironischen Fassade eigentlich ganz schön schlimm und ziemlich traurig.

Und gerade wer mit Begeisterung bereits Crosscults The Walking Dead verschlungen hat, der muss sich erst einmal umstellen. Als die Zombies die Welt auffraßen bietet keine durchgehende Narrative, sondern eine ordentliche Menge an Kurzgeschichten um die Toten, die Lebenden und die selbsternannten Zombie-Jäger um Karl Neard und seine kaputten Helfer. Dabei gibt es zwar Kontinuität, aber keinen durchgehenden roten Faden oder einen komplett durchgeplante Plot wie bei Robert Kirkman und Charlie Adlard. Das ist natürlich keine Kritik, sondern lediglich eine Feststellung - wo The Walking Dead auf Charakterzeichung und Drama setzt (und die Zombies mehr und mehr in eine Nebenrolle gedrückt werden), setzen die Frissen-Davis-Untoten eben auf schwarzen Humor - beides Ansätze, die wir sehr zu schätzen wissen.  

Als Die Zombies die Welt AuffrassenAls Die Zombies die Welt Auffrassen

Was wir aber noch viel mehr zu schätzen wissen, das sind die Zeichnungen von Guy Davis. Ich lehne mich hier gerne weit aus dem Fenster und bezeichne Davis als einen absoluten Zeichner-Gott. Was er hier zu Papier bringt, ist einfach zu gut, um es mit Worten zu beschreiben. Er pflegt einen ganz eigenen Stil, der oft weniger amerikanisch als europäisch wirkt - gerade natürlich im hier vorliegenden, eher humorig angelegten und passenderweise auch zuerst in Frankreich erschienden Werk. Die Farben von Charlie Kirchoff unterstützen den Eindruck dabei aufs Famoseste, können letzten Endes allerdings nicht ganz mit der fulminanten B.U.A.P.-Colorierung von Dave Stewart mithalten. Dafür ist das übergroße Format des deutschen Bandes eine wahre Wohltat - wie alle Crosscult-Veröffentlichen strahlt auch Als die Zombies die Welt auffraßen eine unheimliche Wertigkeit aus. Dabei kostet der Band mit 24 Euro nur unwesentlich mehr als ein normaler Marvel/DC-Release aus dem Hause Panini - und die kommen in normalen Format und ohne Hardcover daher. 

Natürlich solltet ihr für den vollen Genuss des Prachtbandes eine gewisse Affinität zu Zombies, skurrilen (und Karl und seine Truppe sind sehr, sehr skurril und ziemlich kaputt) Figuren und schwarzem, tiefschwarzem Humor mitbringen - wem der Gedanken an die Kopulation zwischen Mensch und Zombie einen flauen Magen beschert, der sollte den Kauf lieber erst noch einmal überdenken und die eigene Zombie-Toleranz vielleicht zunächst mit dem klassischeren The Walking Dead etwas steigern. Wer dagegen seit jeher Romero, seine durchgeknallten italienischen Kollegen und den Untoten im Allgemeinen schätzt, der findet hier eine weitere Bestätigung, dass der Zombie heute auch in Deutschland einfach dazugehört - er schlurft, stinkt und frisst gerne Gehirne, aber er ist ein nicht wegzudenkender Teil der Popkultur und eignet sich seit jeher bestens dafür, brisante Themen an den Mann und die Frau zu bringen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich auch die humorigen Untoten hier nicht von ihren sozialkritischen Kollegen aus dem Romero-Einkaufszentrum. Und letzten Endes macht Als die Zombies die Welt auffraßen vor allem eines deutlich: 

Zombies sind waren auch nur Menschen. 

Text Copyright 2008 Thomas Nickel
Bilder Copyright Crosscult

 
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.