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von Cordelia von Teichman Konzert-Bericht: Vor einiger Zeit wurde bekannt gegeben, dass Keane kurz vor dem Erscheinen ihres zweiten Albums Under The Iron Sea eine kleine Clubtour in Europa spielen würden. Neben Berlin, Paris und Oslo befand sich auch Amsterdam auf der Liste, was günstig auf einem Freitag lag.
Vor einiger Zeit wurde bekannt gegeben, dass Keane kurz vor dem Erscheinen ihres zweiten Albums Under The Iron Sea eine kleine Clubtour in Europa spielen würden. Neben Berlin, Paris und Oslo befand sich auch Amsterdam auf der Liste, was günstig auf einem Freitag lag.
Das Paradiso, angeblich eine alte Kirche, erwies sich als eine stimmungsvolle Location, wenn auch leider die bunten Glasfenster hinter der Bühne von einer Stoffwand verdeckt wurden. Sehr nett war auch die Tatsache, dass die zwei mit Sitzplätzen bestückten Emporen nicht nur für besondere Gäste oder Mitarbeiter reserviert waren, wie so häufig auf Konzerten, sondern für jeden frei zugänglich war, der keine Lust hatte, zu stehen oder einfach den besseren Überblick haben wollte. Das Konzert begann relativ pünktlich und ohne Vorband, indem Tim Rice-Oxley die Bühne betrat und begann, auf dem Keybord das Instrumentalstück 'The Iron Sea' zu spielen, welches tatsächlich die im Vorfeld vielzitierte düstere Stimmung des zweiten Albums erschuf. Gerade auch die Beleuchtung, die Rice-Oxley fast nur als Schatten an seinem Klavier arbeitend zeigte, erzeugte eine geradezu imposante Atmosphäre. Diese wurde auch beibehalten, als der Rest der Band die Bühne betrat und nahtlos mit 'Atlantic' weitermachte, einem Song des neuen Albums, der schon als Download-Video-Single beindruckte und auch live wirklich ergreifend wirkte. Dass nicht alle neuen Songs düster und melancholisch sind, zeigten sie anschließend mit 'Put It Behind You', der das Publikum mit seinem Motown-ähnlichen Vibe sofort mitriss.   Und keine der düsteren Prognosen, die ich mir aufgrund der Berichte von anderen Europa-Konzerten gemacht hatte, hat sich bewahrheitet. Distanz zum Publikum? Distanziertheit innerhalb der Band? Kaum Ansagen zwischen den Songs? Von wegen.Tom Chaplin war besser drauf als ich je erwartet hätte, scherzte über das Amsterdamer Nachtleben, kniete sich immer wieder zum Publikum, sang zur Empore (auch wenn sich die Meinungen teilen, ob das an der besonderen Begeisterung des sich dort befindlichen Publikums lag oder an der Tatsache, dass sich da besonders viele hübsche Mädchen aufhielten) und erzählte immer wieder kleine Geschichten zu den neuen Songs. Auch harmonisierten die Bandmitglieder sehr und schienen wirklich Freude an dem zu haben, was sie taten; man konnte weder spüren, dass es noch vor kurzem eine starke Krise in der Band gegeben hatte, noch, dass Rice-Oxley gerade von der Beerdigung seines Großvaters kam. Auch musikalisch waren die drei viel stärker miteinander verknüpft als zur Hopes and Fears-Zeit: So gab es nicht nur einige Songs, allen voran das grandiose 'Leaving So Soon', bei denen auch Tim Rice-Oxley und Drummer Richard Hughes in den Hintergrundgesang einbezogen wurden, sondern auch einige (allen voran der herzergreifende 'Hamburg Song'), bei denen auch Tom Chaplin an einem zweiten Klavier seine Fingerfertigkeit zur Schau stellen konnte. Natürlich wurden nicht nur neue Songs gespielt, welche das Publikum mit großem Enthusiasmus aufnahm, sondern auch alle alten Singles in das Programm mit einbezogen, welche natürlich mit noch größerer Begeisterung empfangen wurden. Gerade bei 'Somewhere Only We Know' wurde so laut mitgesungen, dass Chaplin für einige Zeit das Mikrofon in die Menge hielt und das Publikum alleine singen ließ. Selbst wenn er dies vermutlich auf allen Europakonzerten gemacht hat, hat es trotzdem für ein Gefühl gesorgt, dass man gerade Teil von etwas Besonderem ist. Das furiose Finale vor der Zugabe war 'Is It Any Wonder?', die erste Single aus Under The Iron Sea, bei der mitgeklatscht, -gesungen und -gesprungen wurde, was das Zeug hielt, und zu der niedlicherweise einige Fans auch Tulpen auf die Bühne warfen.

Die Zugabe bestand recht umfangreich aus vier Songs, unter anderem dem grandiosen 'Bedshaped'. Es war wirklich rührend, um sich zu schauen und nicht wenige Männer um die 30 zu sehen, die überwältigt und voller Inbrunst jede Zeile mitschmetterten. Da soll nochmal einer sagen, Keane wäre Musik für Frauen. Etwas enttäuschend war dann leider 'Crystal Ball', von Chaplin als Publikumsliebling und einer der besten Songs auf dem neuen Album angekündigt, empfand ich ihn sowohl vom Text als auch von der Melodie als wenig inspiriert, aber vielleicht war ich mit dieser Meinung auch relativ allein. Trotzdem konnte das das Konzerterlebnis nicht trüben: Keane sind wieder da, vielleicht düsterer, vielleicht poppiger, vielleicht mit mehr Gitarrensound, obwohl sie immer noch keine Gitarre haben, und definitiv besser, größer und stärker als je zuvor! Setlist: - The Iron Sea
- Atlantic
- Put It Behind You
- Everybody's Changing
- Bend And Break
- The Frog Prince
- Nothing In My Way
- A Bad Dream
- This Is The Last Time
- Hamburg Song
- Somewhere Only We Know
- Is It Any Wonder?
--- - Try Again
- Leaving So Soon?
- Bedshaped
Text Copyright 2006 Cordelia von Teichman Fotos Copyright Corina Sluyter, Shiranti Kulatilake, Susan Spencer |