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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

scott von Alexander Lachwitz

Review: Ein kleiner Kanadier macht sich dran die Welt im Sturm zu nehmen. Gut, vielleicht erstmal nur die Welt der Nerds und Videospielliebhaber. Aber was nicht ist kann ja noch werden, und der Film macht diesbezüglich schon eine sehr gute Figur. Wir Gorilla-Autoren müssen uns schuldig bekennen bisher viel zu wenig über den sympathischen Loser-Kanadier Scott und seine Clique berichtet zu haben. Aber damit hat es nun ein Ende.

scottvon Alexander Lachwitz

USA (2010)

Regie: Edgar Wright, Drehbuch: Edgar Wright, Michael Bacall, Bryan Lee O'Malley, Kamera: Bill Pope, Musik: Nigel Godrich, Darsteller: Michael Cera, Mary Elizabeth Winstead, Kieran Culkin, Alison Pill, Mark, Webber, Johnny Simmons, Anna Kendrick, Chris Evans, Brandon Routh, Mae Whitman, Ellen Wong, Satya Bhabha, Shota Saito, Keita Saito, Jason Schwartzman, Brie Larson, Erik Knudsen, Aubrey Plaza, Tennessee Thomas, Jean Yoon

Erschienen bei: Universal

Unser Gewinnspiel zu Scott Pilgrim findet ihr hier.

Das Universal-Logo in verpixelten 8-Bit, schranziger Indierock der das Prädikat „excellent“ noch nicht wirklich verdient; die Scott-Pilgrim-Verfilmung macht von Anfang an keinen Hehl um ihre Herkunft sowie ihre Ambitionen sich dem Werk verpflichtet zu fühlen, und weniger dem Mainstreamgeschmack. Das ist lobenswert und besonders mit der Eröffnungsmusik bei Erscheinen des Titels auch als mutig zu bezeichnen. Unbewusst schielt man zur Seite ob der eine oder andere nicht doch irritiert den Saal verlassen will...

Der Mitzwanziger Scott Pilgrim ist mit 'Loser' noch nett umschrieben. Anstatt einfach nur ein Abziehbild eines 0815-Genre-Charakters zu sein, erlebt man bei Scott dass er wahrhaftig ein Loser ist. Das ist am Anfang etwas ungewohnt (vielen Dank an Jahre von Standard-RomCom-Konsum...), gewinnt aber sehr schnell einen eigenständigen und sehr authentischen Charme. Schließlich kann kaum einer von uns behaupten nicht irgendwelche Beziehungsleichen im Keller zu haben. Gut wenn man sich diesen nicht mehr stellen muss, aber was wenn doch?

Davon hat Scott zu Beginn erstmal keine Ahnung. Videospiele, Rumgammeln und die Proben mit der Band Sex-Bob-Omb reichen aus um sein Leben zu füllen. Der engagierte Band-Leader und Sänger Stephen Stills, die misantrophe Kim Pine, der schüchterne Young Neil sowie Scotts schwuler Mitbewohner und sein quasi-Finanzierer Wallace Wells halten es trotz Scotts (Un)-Fähigkeiten mit ihm aus und stärken ihm im Zweifelsfall auch schon mal den Rücken, auch wenn sie das nicht immer zeigen. Echte Freunde eben...

scott

Obwohl Scott mit der zweifelhaften Beziehung zu der Schülerin Knives Chau (nominiert für den Mitleidspreis als am stärksten geprügelter Sidekick) nach eigener Aussage sehr zufrieden ist, trifft er kurze Zeit später das Mädchen seiner Träume (im wahrsten Wortsinn; lohnt sich aber nicht zu erklären da Hyperraumautobahnen in Deutschland nie zugelassen werden...). Ohne besondere Bedenken macht er sich an die mysteriöse Ramona Flowers heran, und schafft es tatsächlich sie zu ersten Dates zu überreden. So weit so gut. Auch die erste Runde im örtlichen Battle of the Bands läuft gar nicht mal so übel.

Wäre da nicht dieser seltsame Typ der einmal durch die Mauer bricht und Scott zu einem handfesten Duell herausfordert. Mitten auf der Bühne explodieren kurz darauf die Pixel und Scott weiß gar nicht was überhaupt los ist. Dass der Unbekannte einen Bollywood-Tanz bester Güte hinlegt, fliegen kann sowie über eine Schar fliegender Hipster-Chicks verfügt ist eigentlich nur noch eine Randnotiz wert. Viel wichtiger ist dass er mit Scott um Ramona kämpft. Hey! Er hat immerhin eine Mail vorausgeschickt um die Umstände zu klären...

Kurzum, will Scott wirklich mit Ramona zusammen sein, muss er erstmal ihre 7 Ex-Lover besiegen. Aber wer schon die Zelda-Rätsel ohne Cheatcodes löst, den schrecken ein paar Kämpfe nicht weiter.

Bryan Lee O’Malley hat mit seiner Scott Pilgrim, seiner nach Lost at Sea zweiten Graphic Novel, einer ganzen Generation von Videospielern ein detailiertes, satirisches und nostalgisches Denkmal gesetzt. Noch ehe die 6-Bändige Reihe vollendet war, entwickelte sich in der Comicszene (die traditionel eng mit der Szene der Videospieler verbandelt ist) ein regelrechter Hype um Scotts epischen Kampf gegen Ramonas Liga teuflischer Ex-Lover. Angefeuert wurde dies zusätzlich von der anstehenden Verfilmung. Mit Edgar Wright hat man sich einen Regisseur ins Boot geholt der sich zum einen mit Hot Fuzz, sowie Shaun of the Dead auch international einen Namen gemacht hat, aber der schon mit seiner frühen Serie Spaced gezeigt hat, dass auch er eigentlich nur ein begeisterter Nerd ist. Damit konnte man sicher sein dass er den schwierigen Spagat meistern würde, die Comicreihe auf die große Leinwand zu bringen ohne den Geist der Reihe zu verändern, noch dass sich Nicht-Kenner der Vorlage irritiert abwenden würden.



Ein paar Opfer wollen dabei gebracht werden. Zwar sind die sechs Bände nicht allzu umfangreich, dennoch wäre es zu ermüdend geworden jede Nebenhandlung auf die Leinwand zu bringen. Wright hat gut daran getan sich primär auf Scott selbst zu konzentrieren und die Geschichten seiner Freunde erstmal nur auf das nötigste zu kürzen. Scotts Entwicklung zwischen den Kämpfen bildet den roten Faden der alles zusammenhält. Dass man für eine Beziehung wirklich arbeiten muss, besonders an sich, ist im gehobenen RomCom-Genre nicht neu, wird aber auch hier gekonnt gezeigt und bildet eine gute Abrundung zu den Kämpfen und den unzähligen Referenzen auf Filme, Spiele und Musik.
So sind es am Ende besonders Knives und Ramona deren Geschichten am prägendsten sind für Scotts Entwicklung. Entsprechend kürzer treten müssen dafür natürlich die anderen Figuren. Über zu kurze Auftritte von Kim, Stephen und all den anderen kann man sich aber kaum beschweren. Es muss immerhin nicht jedesmal ein über zweistündiger Film entstehen.

Und für den Fall dass es wider erwarten Fans der Vorlage gibt die keines der früheren Wright-Werke kennen: Ja er hat sich wirklich um eine gute Umsetzung bemüht. Ach was sag ich bemüht? Klar, bei der Menge an Figuren kann nicht jede Umsetzung glänzen. Aber selbst Kim die im Trailer noch eher unscheinbar wirkte, stellt sich nicht als schlechteste Besetzung heraus. Und im Gegenzug erhält man einen hervorragend umgesetzten Stephen Stills, Wallace Wells wie er leibt und lebt sowie einen überzeugenden Michael Cera in der Titelrolle. Ein etwas unbekannteres Gesicht wäre wünschenswert gewesen, aber entsprechend der Vorlage macht er seinen Job sehr ordentlich. Mary Elizabeth Winstead schafft den schwierigen Part Ramona Interessant und geheimnisvoll, aber gleichzeitig als erfahren und verletzlich zugleich darzustellen.

Ja klar, die Songs sind mindestens so wichtig wie die Besetzung der Figuren. Godrich und Beck (letzterer verantwortlich für alle Sex-Bob-omb-Songs) haben ein kleines Kunststück geschafft nicht nur jeder Band einen eigenen Stil zu geben, sondern auch die Entwicklung von Scotts Band selbst deutlich hörbar zu machen. Man kann über den einen oder anderen Song streiten, aber es gibt vermutlich nicht viele Soundtracks mit derartig vielen starken einzelnen Songs. Natürlich sollte man dem Indie-Rock nicht ganz abgeneigt sein...
Metric's 'Black Sheep', welcher im Film der Band 'The Clash at Demonhead' in die Seiten gelegt wird, ist natürlich nicht nur wegen dem fantastischen Auftritt von Envy Adams unser heimlicher Liebling. Nein, die 8-Bit Variante von 'Treshold' ist auch ein ganz ganz heißer Tip.

scott

Der internationale Erfolg des Films ist bisher noch nicht sehr überragend. Das ist Schade, da Wrights frühere Werke verdiente Erfolge feierten. Wir hoffen dass die Fans der Comicvorlage dem Film die Treue halten (er hats wirklich verdient). Viel mehr hoffen wir aber dass es viele neue Fans geben wird die sich in dem Stoff irgendwo wiedererkennen. In jedem Gorilla-Leser steckt irgendwo ein kleiner Scott Pilgrim...

Wenn ihr also das Glück habt den Film im Lichtspielhaus eurer Wahl im Angebot zu finden, nutzt es gefälligst!

Wollt ihr mehr über das extrem feine Videospiel zum Film wissen, dann schaut mal hier rein!

Text Copyright Alexander Lachwitz 2010

Bilder Copyright  Universal
 
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
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