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The Fighter

fighter von Michael Steber

Review: Boxen im Kino, das funktioniert spätestens seit Rocky nur mit immer wiederkehrenden Inhalten und Codes. Vielmehr als nur eine Sportart, fungiert Boxen als die größte Metapher von allen, deren Inhalt nicht weniger als der Kampf des Lebens an sich ist. Umso mehr bieten sich als Protagonisten dieser filmischen Kraftakte Leute von ganz unten an...

fightervon Michael Steber

USA (2011), Regie: David O. Russell, Drehbuch: Scott Silver, Paul Tamasy, Eric Johnson, Kamera: Hoyt Van Hoytema, Musik: Michael Brook, Darsteller: Mark Wahlberg, Christian Bale, Amy Adams, Melissa Leo, Mickey O'Keefe,

Vertrieb: Senator Film

Boxen im Kino, das funktioniert spätestens seit Rocky nur mit immer wiederkehrenden Inhalten und Codes. Vielmehr als nur eine Sportart, fungiert Boxen als die größte Metapher von allen, deren Inhalt nicht weniger als der Kampf des Lebens an sich ist. Umso mehr bieten sich als Protagonisten dieser filmischen Kraftakte Leute von ganz unten an, die zuallererst nur der eigene Wille aus dem Sumpf ihres Alltags retten kann. Platziert in einer Welt voll Widrigkeiten, nehmen die Protagonisten den Zuschauer mit auf ihren Leidensweg und lassen ihn letztendlich auch an ihrer Katharsis teilhaben. Was so unzählige Male funktioniert hat, nimmt auch David O. Russell in seiner Verfilmung des Lebens von Micky Ward auf, verleiht dem Genre aber doch eine eigene Note.

Da The Fighter auf dem Leben und der Karriere von Micky Ward basiert, sind ihm viele der typischen Pfeiler des Boxfilms von Beginn an gegeben. Als Handlungsort fungiert die Arbeiterstadt Lowell in Massachusetts und Micky Ward wird gespielt von Mark Wahlberg, der ebenfalls aus den unteren Gesellschaftsschichten des eigentlich eher für Ivy-League-Pomp bekannten amerikanischen Nordostens stammt. Micky ist ein mäßig erfolgreicher Boxer, der von seiner Mutter gemanagt und von seinem Bruder Dicky trainiert wird. Auch Dicky war einst ein lokal bekannter Boxer, dem es sogar gelang, in einem live übertragenen Kampf Sugar Ray Leonard kurzzeitig auf die Bretter zu schicken. Obwohl Dicky den Kampf nach Punkten verlor, blieb er für die Leute moralischer Sieger und avancierte zum Stolz von Lowell.

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Außer letzten Resten seines verblichenen Ruhmes ist davon jedoch nichts mehr übrig, Dicky ist drogensüchtig, hat sein Leben nicht mehr im Griff und kommt dem gemeinsamen Training mit Micky immer weniger nach. Trotz allem fühlt sich Micky seinem Bruder, seiner Mutter und seinen vielen Schwestern verpflichtet. Er steht zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und Karriere und der Verpflichtung zur Loyalität gegenüber seiner selbstzerstörerischen Familie. Dieser Zwiespalt verstärkt sich noch, als Micky Charlene kennen- und lieben lernt, die ihm klarmacht, dass seine Familie ihm im Wege steht. Die Situation eskaliert, Dicky wird verhaftet und Micky zerwirft sich mit seiner Familie, um sich auf seine Boxkarriere konzentrieren zu können. Was folgt, ist ein für alle Seiten langwieriger Läuterungsprozess mit nur einem Ziel: Micky soll die Chance gegeben werden, die sein Bruder nie hatte. Er will Weltmeister werden.



Obwohl The Fighter auf den ersten Blick auf die bewährten Klischees des Boxfilms zurückgreift, gibt sich der Film bei näherer Betrachtung unkonventionell. Im Mittelpunkt stehen hier nicht etwa nicht etwa die Boxkämpfe und die körperliche und geistige Entwicklung der Hauptfigur, sondern vielmehr die Entwicklung des Personengeflechts als Ganzes basierend auf der Entwicklung aller beteiligten Figuren. Nicht umsonst gewannen Christian Bale und Melissa Leo einen Oskar für die Darstellung ihrer Rollen. Der gesamte Film fällt und steht mit Bales Verkörperung von Dicky, der in seiner betäubten Lockerheit zunächst lustig wirkt, dann aber immer wieder und letztlich endgültig ins Tragische kippt. Seine Läuterung geht einher mit der von Micky selbst, der schließlich doch zurück zu seiner Familie findet und der seiner Mutter, die über ihren Schatten springt und Mickys Freundin Charlene akzeptiert.

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The Fighter handelt gerade nicht von einem einsamen Kämpfer, sondern von einem komplexen Beziehungsgeflecht, das durch eine gemeinsame Aufgabe zusammenwachsen muss. Natürlich hat man das auch schon in anderen Boxfilmen gesehen, hier allerdings erreicht diese Struktur eine ganz andere Authentizität. Das Gleiche gilt auch für die Kämpfe selbst. Obwohl sie nur sehr spärlich gezeigt werden und auf jeglichen Pathos verzichten, bilden sie den emotionalen Zielpunkt des Films. Erfrischend unspektakulär in der Darstellung, zeigen sie in körnigen Aufnahmen die stumpfe Brutalität, die Micky auf sich nimmt, um endlich Erfolg in seinem Leben zu erfahren.

Insgesamt schöpft The Fighter als vor allem aus seiner hochkarätigen Besetzung und stellt die Beziehungen der Protagonisten in den Mittelpunkt, ohne dabei auf die klassischen Elemente des Boxfilms zu verzichten und verhilft ihnen so zu neuer Kraft. Hier wird eindrucksvoll bewiesen, dass Kino noch immer vor allem von seinen Schauspielern lebt und den Zuschauer in eine Welt eintauchen lassen und ihre Bewohner abbilden lassen kann, ohne dabei auf reißerische Effekte und übertriebenen Pathos zurückzugreifen.

Text Copyright Michael Steber 2011

Bilder, Video Copyright Senator Film

 
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