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von Sebastian Sonntag
Review: Träumen Roboter von elektrischen Schafen? fragte Philip K. Dick einst in seinem gleichnamigen Roman, der als Vorlage für Blade Runner diente. Leider kann uns das neue Werk der Samorost-Schöpfer diese Frage nicht beantworten. Wohl gibt es uns aber Einblicke in die Gedankenwelt der Maschinen und lässt uns mit einem kleinen Abenteuer an ihrer Alltagswelt teilhaben.
von Sebastian Sonntag
System: PC, Mac Tschechien (2009), Design & Direction: Jakub Dvorský, Animation: Václav Blín, Graphic Art: Adolf Lachman, Composer: Tomás Dvorák Entwickler: Amanita Design Erschienen bei: Daedelic, Steam Preis: ca. 30€ Machinarium bei Amazon.de Die Zukunft der Menschheit sieht trist aus – graue Industriekomplexe inmitten vergifteter Ödländer bieten Behausungen für den kläglichen Rest der Bevölkerung. Ein Endzeit-Szenario, wie man es aus jedem beliebigen Sci-Fi-Film oder – Spiel kennt. Schön, dass es in Machinarium ausnahmsweise mal nicht gerade darum geht. Zwar existiert die Stadt im Ödland, von der Menscheit fehlt jedoch jede Spur. Wie der Titel bereits vermuten lässt, dreht sich in Machinarium alles um das Leben der Maschinen, und so schlüpft ihr in die Rolle eines kleinen, namenlosen Roboters, der zu Beginn des Point-and-click-Adventure auf einer Müllhalde ausgesetzt wird. Dort angekommen, werdet ihr gleich mit den grundlegenden Steuerelementen vertraut gemacht. Neben der üblichen Bewegung und Interaktion mit umliegenden Objekten verfügt unser kleiner Freund nämlich über die Fähigkeit, seinen Körper zu strecken und zusammenzuziehen, um so an besonders hohe oder niedrige Objekte heranzukommen. Habt ihr durch Einsatz dieser Fähigkeit zunächst eure fehlenden Gliedmaßen wiedererlangt, führt euch das Abenteuer alsbald in die nahegelegene Stadt. Dort angekommen stolpert ihr von einem Problem ins nächste: unsympatische Zeitgenossen machen euch das mechanische Leben schwer. Immer wieder begegnet ihr zwei besonders unfreundlichen Exemplaren, die gar planen, ein wichtiges Gebäude in die Luft zu sprengen. Im Zuge eurer Erkundungstour schreitet ihr nicht nur weiter in der amüsanten Geschichte fort, sondern erfahrt über diverse Erinnerungssequenzen unseres friedliebenden Helden den Grund seiner Reise, denn er wurde durch besagte Fieslinge von seiner Herzensdame getrennt. Um eurem Ziel der Rettung näher zu kommen, absolviert ihr fortan allerlei knifflige Denkaufgaben, die mitunter ganz schön happig daherkommen und eure grauen Zellen ordentlich ins Schwitzen bringen.
Besonderen Wert hat das tschechische Entwicklerteam, das eigentlich einer Werbeagentur entstammt, auf die Präsentation gelegt: Das komplett in Flash erstellte Point-And-Click-Adventure fährt sämtliche gestalterischen Geschütze auf und demonstriert uns eine wahrhaft malerische und vor allem lebhafte Roboterwelt. Sämtliche Umgebungen sind komplett handgezeichnet und vermitteln einen fantasievollen, skizzenhaften Charakter, der durch seine Optik zu überzeugen weiß. Die Zeichner sind mit großer Detailverliebtheit ans Werk gegangen, was besonders an den liebevoll gestalteten Animation sichtbar ist. Selten wiederholt sich ein Bewegungsschema mehrmals im Spielverlauf, selbst genretypische Idle-Animationen überraschen immer wieder mit neuem Witz. Überhaupt ist sehr viel Humor im Spiel verpackt worden, wenngleich auch die spaßigen Situationen eher zum Schmunzeln als zum laut Loslachen anregen. Eine unterschwellige Ernsthaftigkeit ist nicht zu verkennen – so zieht durchgängig eine gewisse Schwermütigkeit ein, in der sich alle Charaktere wiederfinden. Fast jeder, den ihr im Spiel trefft, ist in irgendeiner Weise von mehr oder weniger einschlägigen Problemen geplagt. Einen sehr starken Anteil zur Stimmung trägt die musikalische Untermalung bei. Der hervorragend komponierte Soundtrack aus der Feder von Tomás Dvorák erzeugt eine stets zur Bildwelt passende, gedrückte Atmosphäre und begleitet das Geschehen mit sphärischen Soundcollagen wie Klavier- und Gitarrenklängen. Bemerkenswert ist übrigens, dass der gesamte Spielverlauf bis auf eine kurze, englische Eingangserklärung nahezu vollkommen ohne die Verwendung von Text auskommt. Sämtliche wichtigen Informationen werden anhand von Symbolen und Bildhinweisen vermittelt, Unterhaltungen mit anderen Robotern sind mittels reiner Bildsprache in eingeblendeten Gedankenblasen auf Anhieb verständlich.  Insgesamt wird uns hier ein rundum solides Adventure aufgetischt, das absolut alles richtig macht und für einige vergnügliche Stunden an den Rechner fesselt. Erhältlich ist das gute Stück übrigens gleich auf mehreren Wegen: Eilige greifen zum Download via Steam oder der spieleigenen Website, während Sammlernaturen sich über eine mit 30 Euro verhältnismäßig günstige und angenehm hochwertige Ladenverkaufsvariante freuen, die mitsamt Soundtrack-CD, dem inoffiziellen Vorgänger Samorost 2 sowie weiteren Extras keinesfalls zu verachten ist. Zögert nicht lange und greift zu – hier wird erstklassige Unterhaltung geboten.
Text Copyright Sebastian Sonntag Bilder Copyright Amanita Design, Daedelic Entertainment |