Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Archiv arrow Archiv arrow Games arrow Games 
ALL  |0-9  | A  | B  | C  | D  | E  | F  | G  | H  | I  | J  | K  | L  | M  | N  | O  | P  | Q  | R  | S  | T  | U  | V  | W  | X  | Y  | Z

Archiv arrow Games arrow Games

Jake Hunter: Detective Chronicles

Jake Hunter von Peter Clausen

Review: Konkurrenz für Phoenix Wright? Seit kurzem nimmt ein neuer Held die virtuelle Unterwelt des Nintendo DS aufs Korn. Sein Name: Jake Hunter. Seine Mission: Abfallbeseitigung. Sein Erfolg bei den Kritikern: Eher mäßig. Wir ermitteln, ob dem Schnüffler zu Unrecht falsche Erwartungen in die Schuhe geschoben wurden.

Jake HunterSystem: Nintendo DS
Japan (2008)

Entwickler: Arc Systems
Erschienen bei: Aksys Games
Preis: ca. 15 € (US-Import)

In Japan ist die Jinguuji-Saburo-Serie schon seit NES-Zeiten ein kriminalistischer Evergreen. Für sein amerikanisches DS-Debüt ist der fernöstliche Noir-Detektiv trotzdem erst mal zur Typberater marschiert und hat zugunsten der neuen Zielgruppe den Namen und die Identität gewechselt. Aber wie behauptet sich das alte Schlachtross im Angesicht der modernen Konkurrenz?

Keine Frage – im Gegensatz zu seinen Anwaltskollegen Wright und Justice hat der Privatdetektiv mit der Turmfrisur die Herzen der amerikanischen Spielepresse nicht gerade im Sturm erobert. Mehr als ein gelangweiltes Schulterzucken konnte der knallharte Ermittler selbst bei passionierten Adventurefans nicht auslösen. Aber gerade da liegt das Problem, denn im Gegensatz zu den Ace Attourney Spielen, die ihrem narrativen Fokus zum Trotz wirklich ordentliches Gameplay bieten, ist Jake Hunter nichts weiter als eine altmodische Visual Novel. Und das ist der Knackpunkt, denn während sich dieses Genre in Japan seit etlichen Jahren großer Beliebtheit erfreut, fassen reinrassige Vertreter der Gattung, die ein breites Spektrum, von der Datingsimulation bis hin zum beinharten Krimi abdeckt, in unseren Breitengraden eigentlich nie Fuß.

jake jake

Spiele wie Snatcher, Phoenix Wright oder auch Life Signs haben zwar ihren Ursprung im Bereich der Visual Novel, erweitern das Konzept jedoch durch zusätzliche Gameplay-Elemente, die eher an westliche Point and Click-Adventures erinnern. Aber Jake Hunter ist eine reinrassiger Vertreter der Form. Das Interface, der Look und die episodische Erzählstruktur erinnern zwar zunächst noch frappierend an Capcoms Juristereien, aber damit hat sich’s auch. Das Gameplay ist dermaßen linear, dass man es kaum als solches bezeichnen kann, und ein spielerische Herausforderung existiert eigentlich nicht. Die Macher von Jake Hunter wollen einfach nur ihre Geschichte erzählen und führen den Spieler von der ersten bis zur letzten Minute eines Falles wie an der Leine durch die verschiedenen Handlungsschauplätze.

Würden wir Jake Hunter als Adventure beurteilen, gäbe es wohl kaum etwas Positives zu sagen. Wenn man sich jedoch die Intention der Entwickler vor Augen führt, sieht das Gesamtbild schon deutlich versöhnlicher aus. Zugegeben, die drei vorliegenden Fälle im Spiel sind mit ca. 2 Stunden pro Story dermaßen kurz geraten, dass unser Held seinen Namen eigentlich schon zu "Cliff Note" ändern sollte, aber zumindest kommt so auch nie Langeweile auf. Wie vom wilden Affen gebissen eilt der Protagonist von einem Tatort zum Anderen, sammelt Beweise, quetscht Zeugen aus und stellt lichtscheuem Gesindel nach. Und wenn der Meisterdetektiv mal nicht weiter weiß, gönnt er sich einfach eine entspannende Zigarettenpause. Tatsächlich handelt es sich bei Jake Hunter wohl um den ersten Kettenraucher der Spielegeschichte. Egal was passiert, der griesgrämige Schnüffler beendet jeden Ermittlungstag mit einer Kippe. Im Tabakdunst findet er immer genug Entspannung, um seine Gedanken mithilfe eines Multiple-Choice-Tests in die richtige Reihenfolge zu rücken. Und als wäre das nicht genug, kann Hunter sich auch während der Ermittlungen jederzeit eine seiner geliebten Marlboros anzünden, um den Kopf freizukriegen und den Spieler, wenn nötig, mit ein paar heißen Tipps zu versorgen. Gelegentlich wird der routinierte Entwickleralltag sogar mal von einem dramatischen Ereignis, wie zum Beispiel einer Verfolgungsjagd oder einem Faustkampf unterbrochen. Eine nette Abwechslung ist das allemal, aber selbst diese Momente laufen über das gewohnte Point and Click-Interface ab. Spielerische Revolutionen sollte man also auch hier nicht erwarten.



Aber wenn das Hauptaugenmerk der Entwickler schon bei der Handlung liegt, stellt sich natürlich die Frage nach der Qualität des Storytellings. Und jenes ist zum Glück absolut solide. Nein, großartige Plot-Twists, Charakterentwicklung oder pointierten Humor kann man auch hier nicht erwarten, aber für ein paar solide Whodunnits reicht es allemal. Lassen wir also mal außer Acht, dass uns US-Publisher Aksys hier nur drei der sechs Episoden aus der japanischen Fassung präsentiert und dass die englische Übersetzung mit ihren zahlreichen Rechtschreibfehlern und willkürlichen Tempora oft böse Erinnerungen an 16-Bit-Zeiten weckt. Stattdessen fragen wir uns, ob Jake Hunter im Kontext der Visual Novel funktioniert. Und die Antwort lautet: ja. Als Spiel geben die Abenteuer des Noir-Detektivs mit der eisernen Teerlunge nicht viel her, aber als interaktiver Groschenroman sind sie, gerade für den Schleuderpreis von 20 US-Doller (ca. 15 Euro) auf jeden Fall einen Blick wert. Wer eine leicht verdauliche Krimi-Anthologie für die nächste Bahnfahrt sucht, findet hier die passende Zerstreuung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Text Copyright Peter Clausen 2008
Bilder Copyright Aksys Games, Arc Systems

 
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.