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Lock' s Quest - Hüter der Welt

lock von Thomas Nickel

Review: Lock's Quest ist ein Spiel dem man von der ersten Sekunde an anmerkt, dass die Entwickler hier nicht nur Dienst nach Vorschrift geleistet haben, sondern an ihr Projekt geglaubt und sich richtig reingehängt haben. Das Ergebnis zeigt, dass selbst im ausgetretenen Strategie-Genre noch Platz für neue Impulse ist. Und jetzt liegt es an euch, das zu würdigen.

lockSystem: Nintendo DS

USA (2008)

Entwickler: 5TH Cell
Erschienen bei: THQ
Preis: ca.40€  Lock' s Quest - Hüter der Welt bei Amazon.de

Strategiespiele stagnieren. Und zwar spätestens seit Final Fantasy Tactics auf der PSone. Das scheint mitte der 90er Jahre einen derartigen Präzedenzfall geschaffen zu haben, dass seitdem das ganze Genre sich an dem Epos des ehemaligen Quest-Teams orientiert. Unzählige, meist schon abnorm ähnliche Nachahmer auf PSone, PS2, GameBoy Advance oder DS haben Spielprinzip und Look auf's Dreisteste abgekupfert und keine Firma hat das so exzessiv betrieben wie Nippon Ichi. Und seit die mit Disgaea eine Art Goldader entdeckt haben, werden sogar die Europäer mit Taktik-Klonen zugeschüttet. Aber jetzt, im Jahre 10 nach FFT, regt sich wieder was im Taktik-Land. Im großen Stil probt Sega den Aufstand mit Valkyria Chronicles, im Kleinen schreibt aber schon jetzt das Team 5TH Cell die Regeln auf dem DS neu. 

Aber leider, so fürchten wir, wird das kaum jemand mitkriegen. Denn Lock's Quest wird gerade im unglaublich konservativen Deutschland untergehen. Als neuer Titel der quasi aus dem Nichts auftaucht, hat es Lock's Quest tatsächlich ziemlich schwer. Das eher durchschnittliche, animoide Artwork auf dem Cover lässt es kaum aus der gewaltigen Flut von billigen "ich auch"-Titeln die seit Monaten die DS-Regale belagern herausstechen. Und daher ist es Gorilla-Pflicht, Euch nochmal gezielt auf diese Perle hinzuweisen und Euch den Kauf dringend an's Herz zu legen - zum einen, weil Ihr mit Lock's Quest ein angenehm frisches und enorm spaßiges Spielerlebnis bekommt, zum anderen um den Beweis anzutreten, dass sich Qualität auch 2008 noch durchsetzen kann. Auch wenn zu befürchten steht, dass das durchwachsene (und gefühlt zwanzigste) Remake von Final Fantasy IV trotzdem mehr Exemplare verkaufen wird...

locklock

In den USA wird das Genre als "Tower Defense" angegeben. Hmm, nie davon gehört. Der Oldie Rampart ist wohl sowas. Aber ist ja im Grunde auch egal, man muss ohnehin nicht alles fein, säuberlich in Schubladen einordnen. Spielerisch teilen sich die Schlachten (die natürlich den Hauptteil von Lock's Quest ausmachen) jedenfalls in zwei Phasen: zunächst sorgt Held Lock als Archineur (dem ist nichts zu schwör) für die richtige Verteidigung. Mit begrenzten Ressourcen baut er Wälle, Tore und vor allem verschiedene Abwehrgeschütze. Dafür hat er nur begrenzt Zeit. Ist die abgelaufen, erfolgt der Angriff der mechanischen Uhrwerk-Armee. Die lässt sich mit den richtigen Geschützen schon recht gut zurückschlagen. Aber steter Tropfen hölt den Stein und irgendwann beginnen die Gegner doch direkt an euren Anlagen zu kratzen. Da kommt dann Lock selbst ins Spiel: per Stylus lasst Ihr ihn entweder die Gegner mit einem eingängigen Kombo-System angreifen oder er wetzt von Mauer zu Mauer, um diese zu reparieren. Nach einer gewissen Zeit ist die Angriffsphase vorbei und Ihr könnt wieder eine Runde bauen, verstärken, ersetzen... ein eingängiges, schnell verstandenes Prinzip, das für jede Menge Laune sorgt.

lockDas liegt zum einen am wirklich gelungenen Leveldesign, aber auch an der sehr stimmigen Präsentation. Sehr hübsche Iso-Szenarien und nett gezeichnete Sprites gefallen einfach - tatsächlich sehen die direkt so gut aus, dass sie sich auch nicht von der hochgezüchteten Final Fantasy Tactics A2-Konkurrenz aus dem Hause Square nicht verstecken müssen - nicht schlecht für den Genre-Erstling eines eher kleinen West-Entwicklers und ein deutliches Zeichen, dass 5TH Cell hier mit Überzeugung bei der Sache war und nicht einfach nur lustlose Auftragsarbeit abliefert. 

Das einzige, was dabei ein wenig aus dem Rahmen fällt, sind die Figurenportraits. In einem leider nur halbwegs stimmigen, etwas an die Jak-Reihe (ihr wisst, schon - Jak & Daxter auf PS2) erinnernden US-Anime-Stil gezeichnet, sehen die Figuren in den Portraits den Sprites auf dem untren Bildschirm oft nur leidlich ähnlich - ist denn niemandem aufgefallen, dass der Sprite-Lock eine völlig andere Frisur als sein Portrait-Ebenbild hat? Seltsam, seltsam. Aber natürlich auch alles andere als ein Beinbruch, denn damit erschöpfen sich die negativen Aspekte von Lock's Quest auch bereits. 

Und so ist Lock's Quest mal wieder einer dieser Geheimtipps, bei denen alles stimmt, die aber eine gehörige Portion Glück brauchen, um auch von der breiten Spielermasse wahrgenommen zu werden. Tja, und jetzt liegt es an Euch - die Entwickler haben ihr möglichstes getan, um Lock zu einem gutem Start zu verhelfen. Wird Lock's Quest ein Erfolg der vielleicht einen noch besseren Nachfolger nach sich zieht und auch andere Publisher wieder einmal ermutigt, die ausgetretenen Pfade zu verlassen? Oder wird Lock's Quest ein weiteres Scurge Hive oder ein weiteres Shantae - ein exzellentes Spiel mit einem kleinen Kreis an Fans, aber ohne großen finanziellen Erfolg und damit praktisch keine Chancen auf ein verdientes Sequel? Das entscheidet Ihr mit eurem Geldbeutel!

Text Copyright Thomas Nickel 2008
Bilder Copyright 5TH Cell / THQ

 
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