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R-Type Dimensions

rtype von Peter Clausen

Review: Das Bydo-Imperium ist ein Haufen verlogener Schufte. Und galaktischer Eroberer. Aber hauptsächlich verlogener Schufte, denn nach dem vielsagend betitelten R-Type Final hätte man doch wirklich davon ausgehen dürfen, dass die nimmermüden Invasoren endlich ihre Lektion gelernt hätten. Aber Pustekuchen! Auf dem Xbox Live Marketplace hat sich die Armada im großartigen R-Type Dimensions neu formiert. Und darüber könnten wir nicht glücklicher sein!

rtypeSystem: Xbox 360
USA
(2009)

Entwickler: Tozai Games/Irem
Erschienen bei: Southend Interactive

Inzwischen steht es fest: Hochglanzpolierte Remakes alter 8 und 16-Bit-Klassiker sind auf den Downloadportalen der aktuellen Konsolengeneration der letzte Schrei. Kein Wunder also, dass nach Bionic Commando, Street Fighter 2 und Castlevania: Symphony of the Night nicht nur einer, sondern gleich zwei unsterbliche Klassiker aus der Sparte Horizontalshooter ihr wohlverdientes Comeback feiern.

Die Rede ist natürlich von R-Type I und II, einem Duo unglaublich harter aber auch motivierender Ballereien, das inzwischen seit gut 20 Jahren zu den absoluten Referenztiteln seines Genres gehört. Jeder der auch nur ansatzweise etwas mit Old-School-Spielen am Hut hat, wurde irgendwann mal mit dieser Serie konfrontiert. Das windschnittige Kampfschiff R9, die vielseitigen Dronen, die entweder als Schutzschild ans Schiff gekoppelt werden oder in freier Wildbahn ganze Feindgeschwader erledigen, der eklige Ameisenboss, das „Rad“ und das elende Riesenraumschiff ... das sind nur einige von vielen Elementen, die diese Serie unsterblich gemacht haben.

Aber so schön das alles auch sein mag, kommt man um eine Frage nicht herum: Brauchen wir wirklich ein Remake von R-Type? Mal ganz abgesehen davon, dass das Spiel zu seiner Zeit auf quasi jeder erdenklichen Hardware erhältlich war, gibt es inzwischen auch die hervorragende PC-Engine-Variante (allerdings nicht die tolle CD-Version mit dem grandiosen Soundtrack) auf der Virtual Console zum Download. Und hält das anachronistische Spielkonzept, dass sich nur mit einer Mischung aus Geduld und Auswendiglernen knacken lässt, im Jahr 2008 wirklich noch Stand?

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Die Antwort lautet: Ja, ja und ja. Und, wo wir schon dabei sind, nochmal ja! Sicher, das Gameplay könnte kaum altmodischer sein, aber im Zeitalter von Bullet-Hell-Shootern ist es mehr als angenehm mal wieder eine Ballerei auf dem Bildschirm zu haben, die auf andere Tugenden setzt. Das Leveldesign ist heute ebenso erstklassig wie vor zwei Jahrzehnten und obwohl die meisten Stages am Anfang mit jeder Menge Frust aufwarten, wird man doppelt und dreifach belohnt, sobald der Abschnitt verinnerlicht ist. Dann nämlich kann man fast schon grazil durch seine Umgebung fliegen und den verhassten Bydos so richtig die Leviten lesen. Zumindest so lange man die Aufmerksamkeit wahrt, denn wer auch nur für den Bruchteil einer Sekunde die Konzentration verliert, endet schnell als Kanonenfutter. Im Positiven wie im Negativen hat sich am knochenharten Schwierigkeitsgrad nichts geändert. Aber anders würden wir es auch nicht wollen.

Wo sich hingegen eine Menge geändert hat, ist in der Präsentation. Die Entwickler aus dem Hause Tozai Games sind hier weit übers Ziel hinausgeschossen und haben die Grafik der R-Types einer beispiellosen Generalüberholung unterzogen. In hoch aufgelösten, farbenfrohen 2,5D-Levels voller Details fliegt ihr mit eurer R9 durch atemberaubend schöne Neuauflagen der klassischen Levels. Und falls ihr auf den modernen Firlefanz keine Lust habt, kein Problem. Mit einem simplen Knopfdruck kann man im fliegenden Wechsel, ohne Ladezeiten oder Stoppen des Spielablaufs, zwischen der modernen Polygonoptik und klassisch pixeligen Sprites hin- und herspringen. Selbst ein Perspektivenwechsel ist möglich. Wer die Levels schon immer mal schräg von hinten betrachten und ganz neue Details entdecken wollte, kann auch dies mit einer einzigen Taste bewerkstelligen. Dieser Paper-Mario-Effekt bereichert das Gameplay zwar nicht im Geringsten aber, hey, es ist doch zumindest schön, die Option zu haben. Und als wäre das nicht genug, kann man sogar einen pixeligen Retrofilter in bester 8-Bit-Manier über die polygonale Welt legen. Egal welche Vorliebe ihr habt, R-Type Dimensions bietet für jeden Geschmack den passenden Look.

rtype

Spielerisch ist hingegen fast alles beim Alten. Neu dazugekommen sind lediglich ein spaßiger Online-Coop-Modus für zwei Spieler und eine Levelanwahl, die es erlaubt, bei einem Neuanfang in jedem beliebigen, freigespielten Abschnitt zu beginnen. Einigen Hardcorefans wird das vielleicht übel aufstoßen, aber ganz ehrlich? Eine bessere Entscheidung hätten die Entwickler wirklich nicht treffen können. R-Type I und II sind gnadenlos harte Spiele. Das ist gut so. Deswegen mögen wir sie. Aber während die meisten von uns in ihrer Kindheit noch etliche Stunden in den Kampf gegen die Bydo-Brut investieren konnten, sieht es im Erwachsenenleben nun mal anders aus. Wer hat schon Lust, nach einem harten Arbeitstag am letzten Endgegner zu scheitern, um am nächsten Abend die Odyssee erneut durchzumachen? Die Levelanwahl garantiert, dass selbst gestresste Naturen die Zeit finden können, um die nostalgische Action-Orgie bis zum Ende zu erleben. Und das ist, unserer Meinung nach, eine famose Entscheidung!

Nun gut, einige werden sich jetzt über den stolzen Preis von 1200-MS-Punkten beschweren, aber dafür gibt es unterm Strich auch zwei erstklassige Spiele die ebenso toll aussehen, wie sie sich spielen. Wer an altmodischen Shootern nichts findet, wird seine Meinung auch durch eine HD-Version der Klassiker nicht ändern. Allen Anderen können wir aber wirklich nur zum Download der Duologie raten. R-Type hat noch nie besser ausgesehen!

Text Copyright Peter Clausen 2009
Bilder Copyright Tozai Games/Southend Interactive

 
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