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von Alexander Lachwitz
Quasi-Interview: Felix Görman hat mit seinen Comics inzwischen längst nicht nur in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Auch in Spanien, Frankreich und sogar Korea werden seine Bücher inzwischen veröffentlicht. Obgleich man meinen könnte schon alles über ihn zu wissen; immerhin gibt’s zwei seiner Tagebuchbände und mehrere seiner Comics mit starken autobiographischen Zügen schon lange zu kaufen, haben wir uns die Gelegenheit zu einem direkten Gespräch nicht entgehen lassen. Zeit für Klartext!
von Alexander Lachwitz
Felix Görman hat mit seinen Comics inzwischen längst nicht nur in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Auch in Spanien, Frankreich und sogar Korea werden seine Bücher inzwischen veröffentlicht. Dazu kommen Veröffentlichungen in der FAZ, dem Berliner Tagesspiegel und anderen. Obgleich man meinen könnte schon alles über ihn zu wissen; immerhin gibt’s zwei seiner Tagebuchbände und mehrere seiner Comics mit starken autobiographischen Zügen schon lange zu kaufen, haben wir uns die Gelegenheit zu einem direkten Gespräch nicht entgehen lassen. Zeit für Klartext! Dass wir Flix nicht im O-Ton zu Wort kommen lassen, hat nichts mit Gerüchten über eine unveröffentlichenbare Ausdrucksweise zu tun, sondern ist nur eine kleine Geschichte von Technik, Technikkenntnis (wohl eher dem Mangel derselben – Anm. d. Red.) und anderen Details die niemanden interessieren wird *räusper* -Der Name Felix Görmann ist hinter dem Alter Ego Flix schon nahezu verschwunden. Doch wie geht man damit um wenn man immer mehr als eigene Comicfigur wahrgenommen wird, und wie kontrolliert man überhaupt was diese Comicfigur so den lieben langen Tag über einen erzählt?- Am Anfang gab es noch nicht viele Leser, das ganze Comictagebuch war erstmal auch nur eine Methode um täglich etwas zu zeichnen zu haben und um auch das Zeichnen sowie Erzählen zu üben. Vor den ersten Veröffentlichungen im Internet zeichnete Flix schon fast 3 Jahre lang regelmäßig sein Tagebuch.. Mit der Zunahme der Leser und den damit verbundenen Diskussionen der Leser wurde er dann auch vorsichtiger, damit nicht jede Aussage von Flix bzw. seinem Comic-Alter-Ego auf die Goldwaage gelegt wurde. Zu Beginn hatte er sich noch nicht viel dabei gedacht Personen und Gegebenheiten so ziemlich 1:1 wiederzugeben. Immerhin war es nur eine Fingerübung und auch was er über andere sagte war nie diskriminierend oder verletzend diesen Personen gegenüber. Inzwischen ist er dennoch zurückhaltender damit geworden, vor allem um die Diskussionen weg von seinen Freunde und Verwandte, zurück zum eigentlichen Thema des Tagebuchs zu lenken, ihm selbst. So wird das Tagebuch inzwischen weniger von direkten Tageserzählungen gefüllt, es würde ja auch schnell langweilig werden nur den einfachen Tagesablauf zu schildern. Statt dessen gibt es mehr pointierte Erlebnisse und Beobachtungen, gemixt mit eigenen Überlegungen die sich dank dem Comic gut darstellen lassen. Quasi eine kleine Spiel- und Experimentierwiese für den kreativen Geist. -Auch wenn man als Comiczeichner nun nicht unbedingt reich wird, so gibt es doch diverse andere Vorteile, als da wäre zum Beispiel der Ruhm. Comic-Kollege Jojo und Sarah Burrini pointieren gerne schonmal den Ruhm von Flix . Fast könnte man meinen in der deutschen Comiclandschaft verkauft sich der Begriff „Flix“ schon besser als „Sex“.- Unter Comiczeichnern ist Ruhm ja leider etwas relativ. In Deutschland gibt es derzeit ca. 20.000 aktive Comicleser, die man ohne große Mühe erreichen kann, da sie sich für den Markt interessieren und von sich aus gerne und viel lesen. Doch wie kommt man an den ganzen Rest heran? Das ist für Flix die eigentliche Herausforderung, und diesbezüglich ist das mit dem Ruhm schon gleich wieder relativ hinfällig. Und besser als Sex... davon ist man gerne begeistert.  „Mehr Forschungsgelder für Affentaugliche Reporterkits bitte...“
-Stichwort Kollegen, Flix ist natürlich längst nicht der einzige Comiczeichner im Web, auch wenn die Stile von Zeichner zu Zeichner sehr verschieden sind. Beispielsweise die eher Toon-artigen Zeichner wie Joscha Sauer und Ralph Ruthe (www.dieFruehreifen.de), oder auch jene, die wie Flix viel autobiographisches Zeichnen, wie die schon erwähnte Sarah oder Jojo. Kann man sagen dass Webcomics in ihrer heutigen Form eine Entwicklung sind die aus dem Boom um das sogenannte Mitmach-Web entstanden sind?- Den Ralph hat Flix schon anno 98' kennengelernt und schon damals war hatte Ralph einen beeindruckenden Output. Seitdem wird immer wieder zusammen gearbeitet. Für eine aktuelle Serie liefert Flix oft erstmal nur grobe Ideen, die auch mal einfach in den Raum geworfen werden können. Doch das reicht Ralph meist schon um wenige Tage später ein fast vollständig ausgearbeitetes Skript abzuliefern, so dass sich Flix direkt ans Illustrieren machen kann. Allerdings hat jeder natürlich auch seine eigenen Projekte am laufen, so dass man längst nicht so oft an den gemeinsamen Projekten arbeiten kann, wie man es gerne wollte. Dennoch gehört Ralph wohl eindeutig zu den Zeichnern mit dem größten Output und einer enormen Menge an kreativer Energie. Das Web hat für die Zeichner den immensen Vorteil, dass man vom Leser ein direktes Feedback erhalten kann. Wer traditionel veröffentlicht, muss erstmal einen Verlag finden, dieser muss das Werk dann drucken, und bis das dann veröffentlicht ist, vergehen insgesamt oft Wochen oder Monate. Wenn dann noch einer der Leser ein Feedback gibt, ist das zwar toll für den Zeichner, passiert aber leider nicht so oft und wenn eben sehr zeitverzögert. So was ist für den Künstler natürlich auch ein wenig enttäuschend, da er dann meist schon an ganz anderen Sachen arbeitet und das Feedback nur ansatzweise nutzen kann. Durch das Internet kriegt man teils innerhalb von Minuten massenweise direktes Feedback, was für den Arbeits- und Lernprozess äußerst wertvoll ist. Im Gegenzug verdient man natürlich an den Webgeschichten erstmal nichts. Doch die Vorteile im Lernprozess sind für alle Comiczeichner sehr wichtig. -Auf einigen Bänden von Flix hat der Carlsen-Verlag das Label „Graphic Novel“ aufgedruckt. Aber schon Alan Moore sagte, man soll sich nicht anstellen und seine Bücher einfach Comics nennen. Ist Graphic Novell nur ein hochgestochenes Wort um Comics elitärer erscheinen zu lassen, oder macht eine genauere Unterteilung der Genres doch Sinn?- Das Gehabe um den Begriff „Graphic Novel“ gefällt Flix überhaupt nicht. Allerdings hat man beispielsweise bei Carlsen bemerkt, dass sich Comics besser verkaufen wenn sie als Graphic Novell gekennzeichnet sind. In so fern hilft der Begriff diejenigen an Comics heranzuführen die beim Begriff „Comics“ sonst meist nur an Fix&Foxi oder bestenfalls noch Werner denken. Inzwischen sollen selbst etablierte Buchverlage Überlegungen anstellen einen Bereich für Graphic Novells einzurichten. Von daher also eine Bewegung die Flix sehr begrüßt, vor allem da man so etwas besser die oben schon erwähnten restlichen Nicht-Comicleser erreichen kann.
 „Wer braucht schon Recht und Gerechtigkeit solange kein guter Kaffee serviert wird? Vorhang auf für Coffeeman!“
-Kultur in Form von Büchern oder auch Musik hat in Flix Comics immer einen sehr hohen Stellenwert gehabt, doch in all den Jahren „Heldentage“ gab es wohl nur einen einzigen Eintrag zum Thema Videospiele.- Vielleicht ist dies überraschend, doch Flix ist nicht der Spielertyp. Ganz ehrlich kann er nicht recht verstehen wenn jemand sagt „Ich spiel jetzt erstmal WoW“, oder wie man Stunden mit Videospielen verbringen kann. Super Mario hat er zwar auch mal gespielt, und sich vor einiger Zeit noch einen GameBoy flott gemacht um Tetris zu zocken, doch ansonsten hat ihn nie eine nennenswerte Spielebegeisterung gepackt. Und gleichzeitig ist Flix der lebende Beweis dass man kein Spielenerd sein muss um von Scott Pilgrim hochbegeistert war. Erster Skepsis den Comics gegenüber „Ist doch nur ein Manga“, folgte nach und nach Begeisterung. „Plötzlich kämpfen die, dann tanzen sie auf einmal. Große Klasse!“ -Nein, der Scott Pilgrim-Verweis war nicht zur Werbung, sondern nur der Überleiter zum Thema Verfilmung. Obiger Film ist nur das aktuellste Beispiel dass Comicverfilmungen längst keine Strumpfhosenfime mehr sind.- Und tatsächlich hat Flix erst vor einigen Tagen in Köln mit zwei Produzenten über Faust gesprochen. Sehr gerne würde er einen Trickfilm oder Realfilm nach seinen Figuren umgesetzt erleben. Und immer wieder hörte er auch, dass man so etwas gerne machen würde. Leider heißt in Deutschland „Würde man gern...“ in 98% der Fälle dass man zwar will, aber nicht kann. Das Geld ist zweifellos da, doch was damit gemacht wird ist manchmal erschreckend. So war Flix, ein großer Tatort-Gucker, von der letzten Folge äußerst enttäuscht. Hier also mal ein klarer Aufruf von Flix an die Produzenten: „Ehe das nächste mal 10 Millionen € an Steuergeldern versenkt werden, gebt Ralph, Joscha und mir bitte 1 € und wir machen euch 90 Minuten Unterhaltung. Aber richtig gute 90 Minuten!“ „Die aktuelle Reihe von Flix. Ein Ende ist wie oft bei ihm noch nicht absehbar.“ -Wir Gorillas unterstützen diesen Aufruf und verweisen jeden Skeptiker an die Youtube-Kanäle der drei Leute.- Gute Unterhaltung muss keine horrend teuren Animationen auf Disney-Niveau haben, sondern in aller erster Linie Herz, Charme und Wärme. Kein Wunder also dass Flix seinen Faust gerne als Trickfilm umsetzen würde. Doch auch ein Realfilm würde ihn freuen, solange er endlich mal Gelegenheit erhält selbst ein Drehbuch schreiben zu können. Außerdem könnte man mit Flix auch gleich die Kosten für einen Storyboardzeichner sparen, wenn das jetzt mal kein Angebot ist... -Zum Abschluss, und damit wir unseren Bildungsauftrag gegenüber unseren Lesern erfüllen, haben wir Flix mal die Pistole aufgesetzt und ihn aufgefordert uns seine Top-3 Kultur-Empfehlungen zu nennen. Also, bitte:- Platz 1: Ganz klar Six Feet Under – Gestorben wird immer, ein fantastisches 60-Stündiges Familienepos in 5 Staffeln. Hierzulande leider längst nicht so bekannt wie beispielsweise „Die Sopranos“ und gerade deswegen eine ganz große Empfehlung. Platz 2:Johann Sebastian Bach's Wohltemperiertes Klavier, eingespielt von Glenn Gould in zwei Fassungen. Einmal Buch 1 welches Gould 1971 in knapp 40 Minuten spielte. Und dann Buch 2, eingespielt 1993, diesmal mit über 60 Minuten Spieldauer. Neben dem für Gould typischen Mitsummen ist hier vor allem das extrem unterschiedliche Tempo (das Stück ist für eine Spieldauer von ca. 60 Minuten komponiert worden) mitsamt der entsprechenden klanglichen Interpretation beeindruckend. Anhören! Platz 3: Der alltägliche Kampf des Franzosen Manu Larcenet. In vier Bänden zeichnet er das tägliche Leben und den Kampf mit selbigen, des Photojournalisten Marco (welcher nicht umsonst an den Zeichner selbst erinnert). Alle 4 Bände gibt es bei Reprodukt als günstige Taschenbücher. -Und wir wissen sehr genau dass unsere Leser mindestens ein Buchregal, einen CD-Player und einen DVD-Player haben; also mindestens eins davon. Hier schleicht sich keiner aus seiner Verantwortung... Vielen Dank an Flix für das ausführliche Gespräch. - Text Copyright Alexander Lachwitz 2010 Bilder Copright Flix, Foto Copyright Gunter Gluecklich
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