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von Alexander Lachwitz
Review: Jeder, der gerne liest, kennt das sicher: Einige Bücher verschlingt man am Stück, andere liest man in Ruhe, und wieder andere ziehen sich aus verschiedensten Gründen in die Länge. Letzteres muss manchmal gar nicht unbedingt am Buch liegen. Ariadne von Schirach's Der Tanz um die Lust fällt bei mir in letztere Kategorie. Aufmerksam geworden durch ein Essay im Spiegel habe ich mir das Buch bei der nächsten Shoppingtour spontan zugelegt.
erschienen bei: Goldmann ISBN: 3442155029 Preis: 8,95€ Der Tanz um die Lust bei Amazon.de 
Jeder, der gerne liest, kennt das sicher: Einige Bücher verschlingt man am Stück, andere liest man in Ruhe, und wieder andere ziehen sich aus verschiedensten Gründen in die Länge. Letzteres muss manchmal gar nicht unbedingt am Buch liegen. Ariadne von Schirach's Der Tanz um die Lust fällt bei mir in letztere Kategorie. Aufmerksam geworden durch ein Essay im Spiegel habe ich mir das Buch bei der nächsten Shoppingtour spontan zugelegt. Auf 381 Seiten schildert die Autorin ihre Theorien und Erfahrungen über Liebe und Lust in unserer heutigen Gesellschaft. Müssen wir wirklich sexy sein? Und wer bestimmt was sexy ist? Abgesehen davon, wird es nicht langsam abtörnend überall den angeblichen Idealkörper, meist kaum bis wenig bekleidet, zu sehen? Die Autorin weiß, wovon sie redet. Zitate aus verschiedenen Klassikern werden reflektiert und ihre Gültigkeit in der heutigen Gesellschaft überprüft. Dabei ist es ihr gelungen, das Wesentliche auch für Nicht-Kenner der Originale verständlich zu machen. Daneben kommen aber auch modernere Zeitgenossen zu Wort. Sex sells hat ja nie seine Gültigkeit verloren und so gibt es zu dem Thema natürlich eine nahezu unüberschaubare Masse an Büchern. Als Laie erhält man so einen interessanten und zugegeben subjektiven Überblick, während der Kenner der Materie hier wohl eher wenig Neues erfahren mag. Nun oute ich mich, dass ich zu der eher wenig belesenen Gruppe gehöre, jedenfalls was die "Klassiker" angeht. Als solcher waren mir zwar die Namen der bekannten Autoren und teilweise auch die Buchtitel bekannt, aber gelesen hatte ich davon bisher selbst nichts. Die Geschichte der O, die Werke de Sade's und Brechts sind nur ein Teil dessen was nach und nach abgerissen wird. Obgleich ich von Brecht zumindest ein paar andere Kurzgeschichten schon kannte... Von Schirach baut aus ihren eigenen Theorien so zusammen mit diesen Verweisen Gerüste, auf denen sie sich dann nach und nach von Thema zu Thema hangelt. Abgerundet wird das ganze von erzählenden Episoden der fiktiven Protagonistin die oft genug als Beispiel herhalten muss. Man schwankt dabei zwischen Amüsement und Mitleid, muss sie doch im Laufe des Buches einige bittere Erkenntnisse einstecken. Zugegeben, ab und an hat man das Gefühl die diversen Episoden verwässerten das an sich interessante Thema zu sehr. Daran kann man sich stören, muss man aber nicht. Ich fühlte mich stark an Bridget Jones erinnert, nur mit weniger peinlichen Zwischenfällen... Warum hat das Buch bei mir nach etwa 150 Seiten eine fast ein Jahr dauernde Lesepause erfahren? Vermutlich lag es an falschen Erwartungen von meiner Seite aus. Das Essay im Spiegel und der Anfang des Buches hatten bei mir den Eindruck erweckt, neben Überlegungen und Beobachtungen auch handfeste Ergebnisse und Schlussfolgerungen zu finden. Doch obgleich sehr umfassende und auch äußerst interessante Überlegungen breit ausgewalzt wurden, ein richtiges Fazit oder Konsequenzen, die man daraus ziehen sollte, sucht man vergeblich. Nach besagter Pause hat das Buch dann aber doch seine Chance bei mir bekommen und die hatte es sich mehr als verdient. Ich suchte nicht mehr nach einer konkreten Lösung, sondern folgte erst mal in Ruhe den Beobachtungen und Folgerungen der Autorin. Und auf einmal funktionierte das Buch deutlich besser. Gut; zu wissen wie man ein Buch lesen sollte, gehört eigentlich zu den Grundlagen jedes Lesens. Ich gelobe hoch und heilig Besserung beim nächsten Buch. Versprochen! Also ist das Buch gut oder haben die mittelmäßigen Amazon-Kritiken recht? Wer sich für Gedankenspiele und Überlegungen über unsere Gesellschaft wenig begeistert (ja, dazu gehört auch das Aufwärmen schon bekannter Theorien), wird von dem Buch wohl enttäuscht sein. Jene, die sich intensiver mit Soziologie, Philosophie und der Art wie wir miteinander leben und lieben befassen, werden den Stoff wohl als zu dünn oder "verwässert" betrachten. Wer aber, wie ich, eher ein Laie auf diesem Gebiet ist, findet hier einen sehr unterhaltsam geschriebenen Überblick über unsere Gesellschaft und dazu eine gute Übersicht über schon vorhandene Werke zu diesem Thema, respektive einzelnen Aspekten davon. Folgebestellungen um sich tiefer mit der Materie zu befassen sind nicht auszuschließen. Vorhalten kann man der Autorin, neben der schon oben erwähnten "Verwässerung" höchstens noch die Art wie sie ihre Protagonistin zeichnet. Man wird das Gefühl nicht los, dass sie diese, je nach deren Alkoholpegel gern auch mal ihre eigenen Überlegungen dementieren lässt und sie frei nach Lust und Laune lebt. Vielleicht will sie damit auch nur augenzwinkernd vermitteln, dass man das Alles im schlimmsten Fall bloß nicht zu ernst nehmen soll. Schließlich geht´s ums Aufleben, ums Genießen und verdammt noch mal ums Vögeln!!! Sicher ist es keins der großen Werke, dafür ist es zu kurzweilig. Sowohl der sachliche Part, als auch die Episoden der Protagonistin können für sich allein nur bedingt überzeugen. Aber zusammen ergeben sie ein durchaus brauchbares und gar nicht mal unattraktives Gefährt mit dem man gern mal eine Spazierfahrt unternimmt. Text Copyright Alexander Lachwitz 2009 Cover Copyright Goldmann |