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von Anna-Selina Sander
Review: Neue Bücher von Lieblingsautoren sind immer toll, und in meinem Fall treten sie in diesem Frühjahr gehäuft auf und machen mich sehr glücklich. Einer, von dem ich lange nichts mehr gehört hab, ist Jakob Arjouni. Wieder mal klein, kurz, knackig und absolut großartig.
erschienen bei: Diogenes Verlag ISBN: 978-3-257-86181-5 Preis: € 18,90 Der heilige Eddy bei Amazon.de
Der heilige Eddy ist eine fiese kleine Gesellschaftskritik, die keine Seite verschwendet. Der titelgebende Eddy ist eigentlich nur ein liebenswerter Berliner Großstadtgauner, der liebevoll seine Opfer aussucht und vollendet austrickst. Offiziell arbeitet er als Berufsmusiker, also ist seine Zweitbeschäftigung eigentlich kein Wunder. Als er eines Tages von der Arbeit mit prall gefüllter Brieftasche nach Hause kommt, gerät er im Hausflur wirklich nur durch eine Verkettung unglücklicher Umstände mit dem meistgehassten Menschen in Berlin aneinander: Horst König, unternehmerischer Selfmademan, der gerade für den Verlust von einer stattlichen Anzahl Arbeitsplätze verantwortlich gemacht wird. Bei diesem Scharmützel kommt König leider ums Leben und Eddy hat einen ganze Menge Ärger an den Hacken. Unten im Hof warten die Leibwächter auf ihren Boss, und Eddy fasst einen halsbrecherischen Plan, um die Leiche loszuwerden. Dummerweise wird letztere natürlich dann doch relativ schnell gefunden, und nun überschlagen sich die Stimmen des Volkes. Vom Helden der Nation (weil er Horst König umgebracht hat) zum „miesen Faschoschwein“ (weil er Horst König umgebracht hat) wird der angebliche unbekannte Missetäter mit allen nur erdenklichen Beurteilungen überzogen, doch keiner weiß, was wirklich geschehen ist.
Wohl am meisten, um mit sich selbst etwas ins Reine zu kommen, und selbstbewusst, wie man als versierter Trickbetrüger und Taschendieb ist, freundet er sich mit Königs Tochter Romy an, und sieht sich alsbald einer Beziehung mit ihr gegenüber (natürlich ohne ihr gestanden zu haben, was hinter dem Tod ihres Vaters steckt). Durch sie erfährt er natürlich alles, was tatsächlich sowohl innerhalb von Königs Familie als auch in seinem Unternehmen geschehen ist und was wirklich hinter dem großen Coup steckte, der König so der Hetze seiner Mitbrüger ausgesetzt hat. Eddy sieht nur eine Möglichkeit, um das ganze wieder geradezubiegen, etwas, das von vorn herein zum Scheitern verurteilt ist, aber todesmutig von ihm durchgezogen wird. Wie soll das bloß alles enden? Sicherlich nicht in der Rolle als heiliger Eddy.
Ich glaub, das Buch muss man mehrmals lesen, um alles nachzuvollziehen. Man frisst das relativ schnell auf, das ganze ist eher wie eine 245 Seiten lange Kurzgeschichte, sehr gut aufgebaut, wie man das von Arjouni kennt, schnörkellos erzählt, mit einem kleinen Kreis von simpel skizzierten, aber überzeugenden Charakteren. Deswegen möchte ich Euch auch wirklich ans Herz legen, die Diogenes-typischen achtzehn neunzig für das Büchlein auszugeben. Die Anschaffung eines Arjouni-Buches lohnt sich eigentlich immer, bei diesem hier tatsächlich noch ein wenig mehr als sonst. Text Copyright Anna-Selina Sander 2009 Cover Copyright Diogenes Verlag |