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Gorilla des Monats

bernie 
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Asphalt-Dschungel
Asphalt-CoverUSA (1950), Regie: John Huston, mit: Sterling Hayden, Louis Calhern, Marilyn Monroe u.a., Kamera: Harold Rosson, Buch: Ben Maddow & John Huston
 
Erschienen bei: Warner Brothers

 
Der beste Moment von John Hustons Asphalt-Dschungel (The Asphalt Jungle, 1950) ereignet sich gegen Ende des Films: Vier Vollprofis haben einen Juwelenraub durchgezogen – aber wie uns der Polizeichef in einer Pressekonferenz mitteilt, sind alle Verantwortlichen bis auf einen schon aus dem Verkehr gezogen. Die Rede des Commissioners hätte auch Marcus Antonius aus Shakespeares Julius Caesar zu Ehren gereicht, so dramaturgisch ambivalent ist sie. Plötzlich sollen die kriminellen Protagonisten des Films Abschaum sein, verachtenswert, eiskalte Killer – wie kann das sein, wo wir doch eben noch ihre Verhaftung als unvermeidlich, aber auch sehr traurig empfunden haben? Man kann das heuchlerische Pathos des Polizeichefs interpretieren wie man möchte – vielleicht am ehesten als das Ergebnis von Studio- oder Produzentendruck. Was zählt, ist aber, was Huston daraus macht: Er schneidet die Pauschalverurteilung gegen mit dem letzten flüchtigen Gangster (Sterling Hayden), der mit seiner Freundin auf dem Weg zur Farm seiner Eltern ist. Er verblutet, die Polizei ist ihm auf den Fersen. Irgendwie ahnt man, dass er elend verrecken wird. Ihm gehört unsere ganze Sympathie.

 Asphalt
Asphalt 2


Nicht, dass mit dieser Beschreibung dem Film schon jeder Clou genommen wäre: In Asphalt-Dschungel ist schon nach den ersten schwülen, schwitzigen, verzeifelt-zynischen Szenen klar, dass die Angelegenheit böse enden muss. Huston interessiert sich allein für das wie, das den Kern jeder guten Tragödie ausmacht. Dass der Protagonist / die Protagonisten am Ende sterben müssen, ist sowieso unvermeidlich. Dieses wie puzzelt Huston meisterhaft zusammen: Nach und nach macht er das Netz der Beziehungen, Verpflichtungen, fatalen Schwächen seiner Figuren sichtbar. Da ist zum Beispiel die schöne, naive, schuldlose junge Frau (sehr ordentlich gespielt von einer damals noch völlig unbekannten Marilyn Monroe), die als Geliebte des Geldgebers der Aktion genauso für seinen moralischen und finanziellen Bankrott wie der heist selbst steht. Sein krimineller zweiter Frühling wird zum grandiosen Debakel. Oder eben Sterling Haydens nie ganz ausgesprochener Wunsch, die Rolle des mordenden Schlägers abzulegen, als bekäme man an der Stadtgrenze die eigene Unschuld wie einen Mantel nach der Theatervorstellung zurückgereicht. Hustons tiefe Sympathie für diese zwangsläufig morallosen Hallodris hilft dabei, ohne spürbare Reibungsverluste Klischees oder hohles Melodrama zu umschiffen. Dabei kann er sich auf ein Ensemble von hervorragenden Schauspielern stützen, keiner von ihnen ein Star, die sichtlich Vergnügen an ihren saftigen, verschlagenen, zärtlichen Parts haben.

Asphalt 3Asphalt 4

 Man braucht kaum hinzufügen, dass Hustons modernistische, überaus präzise Kameraarbeit, ausgeführt vom routinierten Kameramann Harold Rosson, den Film in nicht zu unterschätzendem Maße prägt. Huston und Rosson ignorieren alles andere als zaghaft fast alle Regeln, die das klassische Hollywood entwickelt hat, verkanten die Bilder, lassen Gänge in tiefer Dunkelheit versinken, stilisieren Straßenzüge zu romantischen, expressionistischen Traumbildern und halten nur selten etwas von der in den 50ern noch durchaus üblichen unsichtbaren „vierten Wand“.

Asphalt-Dschungel ist bei Warner Brothers erschienen. Das, wie auf der Verpackung ausdrücklich vermerkt, „nicht restaurierte Bild“ ist über weite Strecken erstaunlich gut und zeigt eine bessere Wiedergabe von Hustons tiefenscharfen Bildern als manch anderer digital bearbeiteter Klassiker. In diesem Sinne lassen sich Kratzer, zeitweiliges Flackern und ein etwas unruhiges Bild problemlos entschuldigen. Schade nur, dass der Audiokommentar der amerikanischen DVD begründungslos gestrichen wurde – diese Aufwertung hätte einer der besten amerikanischen Filme der 50er Jahre sicher verdient. Bleibt nur zu hoffen, dass Warner auch den Rest seines reichhaltigen Film noir-Schatzes zu uns bringt – vor allem Jacques Tourneurs überaus begehrenswerten, weil famosen Out of the Past.

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Text Copyright 2006 Jochen Ecke 
Film, Verpackungsartwork, Screenshots Copyright MGM
 
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