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Frightened Rabbit: The Midnight Organ Fight (UK 2008) Plattenfirma: Fat Cat Records Tracks: 14
Erscheinungsdatum: 15.4.2008 ASIN: B000ZOSMXI Preis: ca. 16,95€ The Midnight Organ Fight bei Amazon.de In einem Jahr wie 2008 in dem die meisten Kritiker der alternativen Musikszene hin und her gerissen wurden zwischen dem perfekten Gesang der Fleet Foxes und den nicht minder perfekten elektronischen Klängen von M83 und Cut Copy geht eine Band wie Frightend Rabbit gerne mal unter. Und obwohl ihr Album zunächst begeistert aufgenommen wurde, kam The Midnight Organ Fight (zumindest bei Pitchfork.de) nur auf einen mageren Platz 33 der finalen Top 50. 2008 wirkte ihr rauer und dreckiger Klang wohl unzeitgemäß. Das ist schade, es ist jedoch abzusehen, dass sie es spätestens mit ihrem nächsten Album „schaffen“ werden. Den Kern der Rabbits bilden die Brüder Scott und Grant Hutchison, mit Scott als Sänger und Songwriter und Grant als Schlagzeuger. Sie stammen aus Glasgow, was man auch deutlich an ihrem Akzent erkennen kann. Ihr erstes Album heißt Sing the Greys und rechtfertigt nicht unbedingt eine ausführliche Besprechung, aber ihr zweites, The Midnight Organ Fight ist für mich die beste CD des letzten Jahres. Midnight Organ Fight hat leise und laute Nummern, schnelle und langsame und altmodische und neuartige. Es ist nicht unbedingt eine tanzbare Platte, und dass man sich meist nicht animiert fühlt, Dinge zerschlagend durch den Raum zu tanzen, liegt an der Melancholie die sich durch die Texte zieht. Der Eröffnungssong The Modern Leper ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Der Song wird flott gespielt, man singt sich die Seele aus dem Leib, aus den Gitarren wird das letzte heraus geholt, während sich der Sänger als einen Aussätzigen bezeichnet, einen emotionalen Krüppel, der sich langsam auflöst und dementsprechend verstört feststellen muss, dass sich ein anderes menschliches Wesen dennoch für ihn interessiert. Der Refrain ist eine Hymne und könnte von betrunkenen Massen gegrölt werden, aber wer möchte so etwas schon triumphal schreien: „Well, is that you in front of me? Coming back for even more of exactly the same You must be a masochist to love a modern leper On his last leg.“
Dies ist das wichtigste Thema des ganzen Albums. Wie die meisten guten Popsongs handeln die Lieder von der Liebe oder ihrer Abwesenheit. Leider war das lyrische Ich nur scheinbar nicht so richtig in seine Partnerin verliebt. Doch trotzdem kommt sie immer wieder zu ihm zurück und ganz aufgeben möchte er sie auch nicht. Ihren Höhepunkt findet diese Thematik in dem Lied Poke das Scott bei Liveauftritten alleine mit der Akustikgitarre als Zugabe spielt und das dank seiner hervorragenden Lyrics Gänsehaut auslöst. „Why won't our love keel over as it chokes on a bone? We can mourn its passing and then bury it in snow. Or should we kick its cunt in and watch as it dies from bleeding. If you don't want to be with me just say and I will go.“
Zugegebenermaßen, die recht raue Sprache ist für den empfindlichen Hörer natürlich eine Belastung, aber die Band ist der Meinung, dass diese zu ihrem schottischen Hintergrund gehörten und sie eher ein paar Radioplätze aufgeben würden, als die Würzung mit Kraftausdrücken. Ansonsten handeln die Lieder von Sex (Keep Yourself Warm), Nostalgie (Old Old Fashioned) und vorsichtigem Optimismus (Floating in the Forth). Doch nicht nur die Texte sind brillant, auch die Liebhaber gut gespielter Gitarrenmusik kommen auf ihre Kosten. Grant trommelt die Lieder voran ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen und bei Liveauftritten ist es eine wahre Freude zu sehen wie er sich verausgabt. Die Gitarren schwanken zwischen solider Untermalung und genialen kleinen Spielereien, zum Beispiel bei „Keep Yourself Warm“ in denen der zerbrechende Klang perfekt auf den Inhalt des Liedes abgestimmt ist. Trotz des zunehmenden Erfolgs kann sich die Band noch keine großen Sprünge leisten. Auf Tour leben sie in einem Van oder schlafen auf dem Flur ihres Managers. Scott musste zu seinen Eltern zurückziehen, nachdem er seinen „normalen“ Job hin geschmissen hatte. Auch finden ihre Shows nur in kleinen Bars statt (Diese sind dann jedoch proppenvoll und das Publikum singt jeden Song mit). Doch das ändert sich. Nun tourten sie als Vorband von Death Cab for Cutie und Good Arms vs Bad Arms wurde in Greys Anatomy gespielt und damit einem gigantischen Publikum bekannt gemacht. Der Durchbruch droht also und wer unter der klassischen Indiekrankheit leidet und eine Band unbedingt schon vorher gekannt haben will, sollte sich „The Midnight Organ Fight“ jetzt kaufen. Text Copyright Frederik Wilhelmi 2009 Bilder Copyright Fat Cat Records |