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erschienen bei: Carlsen Verlag ISBN: 978-3-551-58193-8 Preis: € 12,90 Schimmer bei Amazon.de
Die Mitglieder der Familie Beaumont waren schon immer etwas anders als andere Menschen. Mibs, die Heldin, feiert ihren dreizehnten Geburtstag, und an diesem Tag erhalten alle Beaumonts ihren Schimmer. Das ist eine ganz besondere Fähigkeit, von der keiner weiß, ob sie gefährlich oder nützlich sein kann, und die sie vor allem erst zu kontrollieren lernen müssen. Mibs größter Bruder Rocket verteilt elektrische Schläge und lässt den Strom ausfallen, wenn er sich aufregt. Mibs zweitgrößter Bruder Fish beschwört Unwetter herauf, wenn er sich nicht wohlfühlt. Ihr Opa kann Berge versetzen, ihre verstorbene Oma fing Radiowellen ein und sammelte so jede Menge Musik in Einmachgläsern. Und Mibs' Mutter ist vollkommen, ihr gelingt alles, was sie anpackt. Dass die Familie etwas seltsam ist, wissen nicht nur die Beaumonts selbst. Wegen Fishs Unwettern leben die Beaumonts so weit wie möglich im Landesinneren, genau auf der Grenze zwischen Nebraska und Kansas. Mibs hat in der Schule einiges zu ertragen und kann es nicht abwarten, endlich ihren Schimmer zu entdecken (sie hofft dabei auf sowas wie Fliegen oder Laserstrahlen aus ihren Augen schießen) und fortan zuhause von ihrer Mutter unterrichtet zu werden – man weiß ja nie, ob und wann sie ihre Fähigkeit zu kontrollieren lernt. Das Sorgenkind in diesem Buch ist allerdings Mibs' Vater, der kurz vor ihrem großen Tag in einem Verkehrsunfall fern von zuhause schwer verletzt wird und ins Koma fällt. Mibs' Mutter bricht gemeinsam mit Rocket ins 150 Meilen entfernte Salina auf, um ihm beizustehen, und lässt ihre Kinder in der Obhut der Pfarrersfrau Miss Rosemary und ihrer beiden Kinder Bobbi und Will junior. Und um ein bisschen Freude zu verbreiten, beschließt Miss Rosemary auch gleich, für Mibs eine riesige Geburtstagsparty mit sämtlichen Bewohnern der kleinen Stadt Hebron zu feiern, die „Kansaska-Nebransas“ am nächsten liegt. Keine gute Idee, schließlich weiß keiner, wie Mibs' Schimmer aussehen wird! Wer weiß, ob die Stadt am Ende des Tages überhaupt noch steht! Es passieren tatsächlich mehrere merkwürdige Dinge an Mibs' Geburtstag. Sie entdeckt ihren Schimmer schon relativ früh am Tag – glaubt sie zumindest. Mit ihrer neugewonnenen Fähigkeit will sie sofort nach Salina aufbrechen, denn nur sie und ihr Schimmer, so ist sie sich sicher, können ihren Vater aus dem Koma aufwecken. Da kann sie von Glück sagen, dass ausgerechnet heute ein Bibellieferant aus Salina die Kirche von Hebron beliefert – flugs schwingt sie sich als blinde Passagierin an Bord des rosafarbenen Lieferbusses, zusammen mit ihrem Bruder Fish. Dass Bobbi und Will junior zufällig auch dazukommen, war nie ihre Absicht. Und Mibs' kleinsten Bruder Samson entdecken sie erst im Kofferraum, als der Bus schon längst auf dem Weg ist, allerdings zum Schrecken aller nicht nach Salina... Diese Geschichte ist so eine Freude zu lesen. Es beginnt ein Roadtrip durch mehrere Städte, natürlich werden die Kinder von dem traurigen Weichei Lester entdeckt, der den Bus fährt, und der mit seinem Leben eigentlich völlig unglücklich ist. Wie erklärt man jetzt jemandem, dass man auf den Weg zu seinem Vater ist, weil man ihn aus dem Koma aufwecken will, ohne sein Geheimnis von seiner besonderen Fähigkeit zu verraten? Oder, dass man zufällig noch vier weitere Leute dabeihat, die irgendwie auch in den Bus gestiegen sind? Als rettendes Bindeglied gabeln Lester und die Kinder schließlich die Kellnerin Lill auf, und die bringt die ganze Geschichte erst richtig in Fahrt. Ganz, ganz wundervoll wird hier mit dem Superheldenthema gespielt. Fish und Mibs, beide noch zu unerfahren und ohne Kontrolle über ihren Schimmer, sehen sich mit vier Leuten auf engstem Raum konfrontiert (erwähnte ich, dass der Bibel-Lieferbus rosa ist?), vor denen sie ihre geheimen Fähigkeiten verbergen müssen, und dass das nicht gelingen kann, ist klar. Aber genauso lernt jeder auf dieser Reise etwas dazu, hauptsächlich natürlich über Dinge wie Freundschaft, Verlässlichkeit und Vertrauen. In all seiner Unschuld und gleichzeitigen Abgefahrenheit ist dieses unglaublich liebevoll geschriebene Buch sozusagen ein eigener Schimmer. Die Geschichte ist kraftvoll und temporeich, handwerklich sehr gut erzählt, die Figuren mit wenigen treffenden Worten überzeugend ausgearbeitet, keine Seite wurde verschwendet – was durchaus Erwähnung verdient, das können heutzutage wirklich die wenigsten Autoren! Die deutsche Übersetzung ist, wie von Carlsen nicht anders zu erwarten, mehr als gelungen und kann bedenkenlos gekauft werden. Schimmer ist völlig unverdorben, vielleicht auch etwas kitschig und durch eine rosarote Brille betrachtet. Was aber bei einem Jugendbuch nicht schlimm ist! Es ist nicht verklärt und verfälscht, sondern hat einfach einen ganz eigenen Schwerpunkt, und das macht die Geschichte auch so herrlich rund und farbenfroh. Tatsächlich fühlt man sich bei manchen Szenen an einen Comic erinnert, das Kopfkino verwandelt sich in Panels mit Sprechblasen und Speedlines, die zum Teil sehr karikierten Figuren tun ihr übrigens dazu. Für einen Film ist Schimmer ebenfalls wie geschaffen, ich glaube auch nicht, dass das lange dauern wird, bis Lester, Lill und die Kinder mit ihrem rosa Bus über die Leinwände brettern. Bis dahin kann man das Buch einfach immer wieder und wieder lesen. Text Copyright Anna-Selina Sander 2009 Cover Copyright Carlsen Verlag |