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von Konrad Feldschmid
USA/Frankreich (2005), Regie: Jim Jarmusch, Drehbuch: Jim Jarmusch, Kamera: Frederick Elmes, Musik: Mulatu Astatke, Darsteller: Bill Murray, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Jessica Lange, Tilda Swinton Erschienen bei: Ufa Preis: ca. 11€ Broken Flowers bei Amazon.de In meiner Kindheit kannte ich Bill Murray nur aus den Ghostbusters-Filmen. Zweifelsfrei haben diese Filme mich damals köstlich unterhalten, als ich aber älter wurde, hielt ich es für unheimlich erwachsen, mich von den Helden meiner Kindheit zu distanzieren und möglichst heftig auf ihnen herum zu trampeln. So war denn auch Bill Murray abgestempelt: Früher mal ganz nett, doch ohne den nötigen Ernst, um in die Liga der außergewöhnlichen Schauspieler aufgenommen zu werden; darf man getrost vergessen. Entsprechend verwundert war ich, als ich von Lost in Translation hörte; nur widerwillig habe ich mir den Film angesehen, weil ich dachte: Bill Murray in so einem Film – das kann doch nicht passen. Ein Irrtum, der mir kein zweites Mal widerfahren sollte. Entsprechend gespannt war ich auf Broken Flowers: Jim Jarmusch meets Bill Murray – ob die Kombi was taugt? Broken Flowers dreht sich um den gealterten Frauenhelden Don Johnston, gespielt von Bill Murray. Zu Beginn des Films muss Don gleich zwei Tiefschläge verkraften: Zum Einen wird er von seiner Geliebten Sherry verlassen, deren Ansicht nach die Beziehung zwischen ihr und Don eher einer Affäre glich als einer festen Partnerschaft; zum Anderen erhält Don einen mysteriösen rosafarbenen Brief, in dem steht: Don habe einen inzwischen erwachsenen Sohn, der gerade auf der Suche nach ihm sei. Absenderin ist angeblich die Mutter – ihren Namen verrät sie aber nicht.  Don zeigt den Brief seinem Freund Winston; dieser kann sich sofort für die Geschichte begeistern und fängt an, zu recherchieren: Welche Geliebten von Don kommen als Mütter in Frage? Wo wohnen sie heute? Don hilft Winston nur widerwillig, lässt sich schließlich aber doch überreden, bei dessen Plan mit zu machen: Don soll die potentiellen Mütter besuchen und heraus finden, welche von ihnen den Brief geschrieben hat und ob ein Sohn tatsächlich existiert. Damit beginnt die Reise in eine absonderliche Welt. Jim Jarmuschs Inszenierung und Bill Murrays Darstellung passen dabei wunderbar zusammen. Jarmusch filmt seine Geschichte schlicht und kantig: Sitzen sich beispielsweise zwei Personen am Tisch gegenüber, hält die Kamera oft starr von der Seite drauf, anstatt durch ein Überfülle von Großaufnahmen der Gesichter künstlich Nähe zu schaffen. Dazu sind die Einstellung zum Teil sehr lang und in vielen Szenen passiert nur wenig – das Wenige passiert dafür umso eindringlicher.  Zu verdanken ist das vor allem Bill Murray; er beweist sich als Spezialist für ruhige Mimik und dezente Gesten: Allein wie er oft da hockt, völlig verlassen und reglos, aber mit einem mürrisch-traurigen Blick, den ihm keiner nachmachen kann; dann wieder kaut er so missmutig auf dem Essen herum, das eine der ehemaligen Geliebten ihm zubereitet hat, dass man nicht anders kann, als auf zu lachen – wenn es auch ein Lachen mit bitterem Beigeschmack bleibt. Broken Flowers ist komisch und traurig zugleich. Man erlebt viel Abstruses und Absurdes – doch wirken all die sonderbaren Ereignisse nie wie aufgesetzte Gags, nie gezwungen oder gekünstelt; immer mischt sich ein Ernst bei, der einem das Gefühl gibt, dass man Ähnliches an schlechten Tagen selbst erleben könnte. Und auch das Ende schafft es, nicht in sentimentalen Kitsch zu verfallen. Übrigens übernimmt Bill Murray auch im neuen Jim Jarmusch Film wieder eine Rolle; und auch der dritte Teil von Ghostbusters soll bereits in Planung sein. Text Copyright Konrad Feldschmid 2009 Bilder Copyright Ufa |