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Gorilla des Monats

bernie 
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The Path

pathvon Sebastian Sonntag

System: PC
Belgien (2009)

Entwickler: Tale of Tales
Erschienen bei: Tale of Tales/Valve
Preis: 9,99 $ (per Website oder Steam)

Experimentierfreudige Nutzer von Valve´s Service Steam erinnern sich sicher mit einem Lächeln an das letztjährige Nicht-Spiel Nummer 1 namens The Graveyard. Wer sich nicht entsinnen kann, dem sei hier auf die Sprünge geholfen: In The Graveyard steuert ihr eine alte Dame in stimmiger Schwarz-Weiß-Optik über einen Friedhof. Punkt. Sonst nichts. Zumindest beschreibt dies die Trial-Version ganz gut. Sie unterscheidet sich in einem einzigen Punkt von der Vollversion, die sich für den kleinen Obolus von 5 $ erwerben lässt. In dieser besteht nämlich eine geringe Chance, dass die Dame während ihres Friedhofaufenthalts dahinscheidet. Ein mehr als obskures Stück Software also, das nichtsdestotrotz – oder gerade aufgrund dessen – dem zweiköpfigen Entwicklerteam Tale of Tales den Innovation Award des Independent Games Festivals 2009 beschert hat.

Das neueste Werk der belgischen Macher von The Graveyard trägt den Namen The Path und expandiert das Spielprinzip in größere Ausmaße. In Anlehnung an das klassische Märchen von Rotkäppchen schickt euch das Spiel mit einem Korb bestückt auf einen Waldweg, um eurer Großmutter Brot und Wein zu überbringen. Dabei stellt es eine entscheidende Regel: Kommt nicht vom Weg ab. Wer sich nun aber schnurstracks gen Haus der Großmutter begibt, wird dort mit einem Levelergebnisbildschirm und der Information „FAILURE!“ konfrontiert. Schnell wird klar, dass das Spielprinzip darin besteht, die Regel zu brechen und den sicheren Weg zu verlassen. Was eure aus sechs unterschiedlichen Mädels wählbaren Spielfigur im umliegenden Wald erwartet, lässt sich nur als „interessant“ bezeichnen.

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Einmal dort angekommen, findet ihr euch inmitten einer düsteren, tristen und isolierten Umgebung wieder, eine Rückkehr zum Pfad ist ausgeschlossen. Während des Erkundungsgangs findet ihr allerlei skurrile Dinge wie einen laufenden Fernseher, ein Sofa oder eine komplette Bühne mitsamt Klavier. Oftmals kommentiert eure Spielfigur diese mit metaphergespickten Bemerkungen und interagiert per Tastendruck mit ihnen. Hiermit sind wir auch beim Kern des Spiels angelangt, denn besagte Interaktionen und Kommentare beschreiben grob den Charakter der gewählten Spielfigur und umreißen ihre Einstellung zu Leben und Tod. Jedes der sechs Mädels hat seine ganz eigenen Ansichten und Probleme, welche im Rahmen der Waldwanderung zum Vorschein kommen, sei es ein besonderer Bezug zur Kunst oder der Wunsch des Erwachsenseins. Die Kommentare gestalten sich allerdings in einem solch zurückhaltenden Maße, dass ihr nur über die jeweilige Persönlichkeit spekulieren könnt.

Im Verlauf der Waldtour stoßt ihr schließlich früher oder später mit jedem Mädchen auf einen bestimmten Ort, an dem die Skurrilität überhand nimmt und euch durch unheimliche Ereignisse in bester The-Ring-Atmosphäre das Zeitliche segnen lässt – um daraufhin wieder auf dem inzwischen verregneten Waldweg aufzuwachen.

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Dort schleppt ihr euch nun sichtbar angeschlagen (und gähnend langsam) zum Haus der Großmutter. Habt ihr es erreicht, schaltet das Spiel in die Egoperspektive um und präsentiert euch ein wirres, verzerrtes und unheimliches Gängelabyrinth, durch das ihr nur noch auf festgelegtem Weg per Mausklick oder Tastendruck schreiten könnt. Im Zimmer der Großmutter erwartet euch letzten Endes der sichere Tod in Form des Wolfes, der euch hinterrücks angreift. Im Anschluss daran könnt ihr im (um eine Person ärmeren) Charakterauswahlbildschirm eine weitere junge Dame auswählen und eine neue Erkundungstour wagen. So dezimiert ihr der Reihe nach alle Charaktere und gewinnt immer mehr Interpretationsansätze.

Ein Spiel also, das mehr darauf abzielt, euch mit seiner zurückhaltenden Erzählweise zum Nachdenken anzuregen. Wobei der Begriff „Spiel“ vielleicht etwas unpassend ist – der Spieler wird zunehmend zum Zuschauer degradiert, dessen einzige Einflussmöglichkeit die Bewegung durch den Wald ist. Da sich dieser als endlos erweist, kann die Erkundung schonmal ganz schön an den Nerven zerren – das Wiederfinden der immer selben Gegenstände und Orte ist vorprogrammiert. Eine freispielbare Karte leistet nach dem ersten Durchgang zwar Abhilfe, bis dahin seid ihr jedoch eurer eigenen Orientierungslosigkeit ausgesetzt.

Präsentationstechnisch macht The Path dabei durchweg eine gute Figur. Die Optik ist in einen Silent-Hill-ähnlichen Grieselfilter getaucht und wechselt situationsbedingt zwischen extremer Farbfülle und einer fast Schwarz-Weiß-Darstellung. Ein häufig einsetzender Weichzeichner unterstützt den surrealen Eindruck zudem bestens, ebenso lassen ständig aufblitzende Flecken und Konturen die Stimmung eines alten Filmes aufkommen. Kommt ihr in die Nähe eines Interaktionsobjektes, werdet ihr via gespenstischer Einblendung im linken Bildschirmbereich darauf hingewiesen, was oftmals sehr verstörend wirkt. Die Musik tut dabei ihr Übriges: Vereinzelte Klavier- und Flötenklänge gesellen sich zu paranoiden Soundeffekten, Atemgeräuschen und unterschwelligem Wolfsknurren. Somit entsteht eine sehr dichte Atmosphäre, die mit ihrem extrem depressivem Unterton stark auf´s Gemüt schlagen kann.

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Im Großen und Ganzen lässt sich The Path am ehesten mit den Werken von David Lynch vergleichen, denn der Spieler/Zuschauer wird auf ähnliche Art und Weise mit einer fast grauenhaften Ruhe den Geschehnissen ausgesetzt, ohne genau zu wissen, wohin es ihn führt und welchen Sinn und Zweck die Reise hat. Das „Spiel“ setzt seinen Fokus deutlich darauf eine dichte und unheimliche Atmosphäre zu erzeugen und zum Nachdenken anzuregen – was es unweigerlich schafft. Die eingeschränkte Aktionsfreiheit ist nicht jedermanns Sache und vor allem der bereits angesprochene Weg zur Tür des großmütterlichen Hauses erweist sich als echte Geduldsprobe, aber dennoch sollte jeder, der sich für Obskures und Neues begeistern lässt, einen Blick in den Wald wagen. Ihr werdet es nicht bereuen. 

 

Text Copyright Sebastian Sonntag 2009
Bilder Copyright Tale of Tales

 
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