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Gorilla des Monats

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Am kürzeren Ende der Sonnenallee

cover Autor: Thomas Brussig

Erschienen bei: Fischer
Preis: € 7,95
ISBN 3-596-14847-2

„Glückliche Menschen haben ein schlechtes Gedächtnis und reiche Erinnerungen“, so der markige Klappentext des kleinen Buches, das nicht zuletzt durch die gelungene Filmumsetzung von Leander Haußmann bekannt ist.  Und so wenig dieses Sätzchen auch auszusagen scheint, spricht es doch die Wahrheit – auch, wenn man das erst versteht, wenn man das Buch zuende gelesen hat. Was nicht so ganz logisch ist, denn ein Klappentext soll ja eigentlich zum Lesen animieren und den Leser nicht hinterher bestätigen. Aber ich schweife ab.

Herr Brussig ist der Experte für Ostwestgeschichten, nach Sonnenallee folgten die Werke Helden wie wir oder, erst kürzlich in der Taschenbuchausgabe erschienen, Wie es leuchtet. Protagonist der Geschichte ist Michael Kuppisch. Er selbst nennt sich Micha, seine Mutter besteht auf „Mischa“ - schließlich soll er mal in Moskau studieren und da kann man nicht früh genug mit der Sowjetophilie anfangen. Micha lebt mit seiner Familie in einer viel zu engen Wohnung am kürzeren Ende der Sonnenallee. Die Straße ist nämlich zweigeteilt, das kürzere Ende liegt in Ostberlin, das längere im Westen, und Familie Kuppisch wohnt direkt am Grenzübergang. Das zieht im Laufe der Geschichte so einiges an Problemen nach sich (die für den Leser natürlich zum Totlachen sind). Angefangen beim ABV, der im Grenzgebiet patrouilliert und von dem Micha aus reiner Schikane jedes Mal nach dem Ausweis gefragt wird.

Dann fliegt auch noch Michas einziger jemals erhaltener Liebesbrief in den Todesstreifen. Dessen Wiederbeschaffung wird für ihn zu einer Art Lebensaufgabe, die mindestens einmal auch lebensgefährlich wird. Die „Einquartierung“ (das Beherbergen von Gästen aus dem Rest der DDR) zum Jugendfestival, zwei sächsische Herren, die die Anwesenheit der Mauer sehr verwirrt und zu sehr seltsamen Aktionen hinreißt, endet für die Kuppischs in der kurzzeitigen Verhaftung. Und dann ist da auch noch ***Miriam***, das wundervollste weibliche Geschöpf auf der Erde, die ebenfalls in der Sonnenallee wohnt und, und da sind Micha und seine Freunde sich einig, die man viel lieber einfach anhimmelt als als Freundin hat (übrigens nur eine Ausrede, wenn man mich fragt). Nicht zu vergessen ist da noch Heinz, der „Westonkel“, der ständig Kekse und Anzüge und andere verwegene Dinge über die Grenze schmuggelt, obwohl er das eigentlich ganz legal mitbringen dürfte. Und so reiht sich in der Sonnenallee eine Ost-Anekdote an die andere.

Es ist keine durchgehende Geschichte auszumachen, das Buch ist ohnehin vorbei, als man beginnt, einen Hintergrund bei den Charakteren auszumachen. Aber trotzdem verbringt man die zwei Stunden mit „Sonnenallee“ im Dauerschmunzeln. Eine schöne kleine Lektüre für zwischendurch, die sich durch den Film dazu sehr schön ergänzt (auch wenn nicht alles wie im Buch ist, aber dafür sind Filme ja da). Locker-flockig geschrieben, eine Prise Erwachsenwerden, erste Liebe und verbotene Musik dazu, gewürzt mit schrullig-liebenswerten Nebenfiguren (erwähnt sei da nur Helene Rumpel), und schon haben wir sie, die reichen Erinnerungen aus der Sonnenallee. Macht Spaß! Ich geh mir jetzt Wie es leuchtet kaufen. Will noch jemand?

Text Copyright 2006 Anna-Selina Sander
Cover Copyright: Fischer

 
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