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von Thomas Nickel
Autor: Peter Wiechmann, Zeichner: Josep Gual, Juan Sarompas
Erschienen bei: Crosscult ISBN: 3941248278 Preis: 26 € Thomas der Trommler bei Amazon.de Kinder der 80er erinnern sich im Zusammenhang mit dem Comic-Magazin Yps in erster Linie an Urzeitkrebse, Solar-Zeppeline und anderen Firlefanz der in der Regalauslage noch unfassbar verlockend aussah, aber zu Hause nach spätestens drei Tagen vergessen war. An die Comics an sich, die ja immerhin den Großteil des Heft-Inhalts ausmachten erinnern sich meist nur beinharte Nostalgiker. Ein trauriger Zustand, der allerdings beim Crosscult-Verlag niemanden daran gehindert hat, eine der hochwertigsten Serien die jemals in Yps abgedruckt wurde einer ganz neuen Generation von Lesern zu präsentieren. Denn in Yps gab es nicht nur die sogenannten Funnies, sondern auch überraschend ernste Kost. Und das perfekte Beispiel dafür ist Peter Wiechmanns (unter Anderem Autor von Andrax) Thomas der Trommler, eine Abenteuerreihe mit historischem Setting, mit wunderbar detailliertem Schwarz-Weiß-Artwork illustriert von den talentierten Spaniern Josep Gual und Juan Sarompas. Und in der neuen, großformatigen Hardcover-Aufmachung profitiert die alte Serie ganz enorm und führt den Leser nicht nur gekonnt zurück in die Zeit des dreißigjährigen Krieges, sondern auch in eine Zeit, in der in Deutschland noch ernsthafte Comics geschrieben wurden, die den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz nicht zu scheuen brauchten.   Als Feldherr Tilly einen kleinen Gutshof in Hessen plündert wird der Grafensohn Thomas zum Waisen. Sein Überleben verdankt er einem rauen Landsknecht, der sich des Jungen annimmt. Dank seines wachen Verstandes und seines taktischen Geschicks wird er bald zum Anführer einer kleinen, handverlesenen Einheit und damit zu einem der wichtigsten Protagonisten des schier endlosen Konflikts. Im Gegensatz zu manch anderem ist Thomas aber nicht nur ein ausgezeichneter Stratege, er stellt auch niemals Gewissen und Menschlichkeit hintenan, was ihn beim Volk bald zu einem echten Helden werden lässt. Der Comic selbst präsentiert sich als chronologische Sammlung mehrerer kurzer Abenteuer. Nach etwas Exposition gilt es für Thomas und seine bunteTruppe meist, eine knifflige Mission zu erfüllen. Daneben erfahren wir immer wieder mehr über den aktuellen Verlauf des Krieges und die politischen Hintergründe, die Schicksale der gebeutelten Bauern und über Ereignisse, die zur Plünderung und Zerstörund mancher Stadt geführt haben. Aber neben dem sorgfältig recherchierten historischen Hintergrund werden auch die Schicksale der verschiedenen Protagonisten beleuchtet - Thomas´ Truppe ist ein exotischer Haufen von Spezialisten die alle nicht nur mit dem Feind, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit kämpfen.
Diese Kämpfe sind natürlich nicht unbedingt frei von Gewalt, die Zeichner verzichten aber - sicherlich im Hinblick auf die junge Leserschaft damals - auf die Darstellung blutiger Details oder grausamer Praktiken der rauen Landsknechte. Die werden dafür umso deutlicher in den zahlreichen historischen Einschüben über Krieg, Rechtssprechung und Landsknecht-Leben in zeitgenössischen Illustrationen präsentiert. Dem Artwork der spanischen Zeichner konnte der Zahn der Zeit nichts anhaben. Crosscult benutzte für die Neuaflage Original-Druckvorlagen, das Ergebnis spricht für sich - die Reproduktion des Artworks aus den späten 70er und frühen 80er Jahren ist großartig gelungen, auch wenn das Papier in diesem 160 Seiten starken Band etwas rauer ist, als man es von Crosscult gewohnt ist. Thomas der Trommler ist nicht nur für anspruchsvolle Comicfreunde ein echter Glücksfall. Hier wurde nicht einfach nur eine klassische Serie aus Nostalgie-Gründen nochmal neu aufgelegt, hier ein wichtiger Teil deutscher Comic-Geschichte angemessen gewürdigt und liebevoll um zahllose Hintergründe und Informationen erweitert. Und wenn man das alles beiseite lässt bleibt immer noch eins: Ein verdammt schicker, unterhaltsamer Comic dessen Lektüre einfach Spaß macht.
Text Copyright Thomas Nickel 2009 Bilder Copyright Crosscult |