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von Konrad Feldschmid
USA (2007), Regie: George A. Romero, Drehbuch: George A. Romero, Kamera: Adam Swica, Musik: Norman Orenstein, Darsteller: Michelle Morgan, Joshua Close, Shawn Roberts, Amy Ciupak Lalonde Diary of the Dead heißt also der neue Zombie-Film von George A. Romero. Was der Großmeister des Horror-Genres diesmal abliefert, hat allerdings viele Schwächen; es ließe sich dem Film so manches vorwerfen, man könnte ihn sogar ohne große Schwierigkeiten verreißen. Am Ende würde man sich aber unwohl fühlen dabei – und das nicht, weil man Romero um jeden Preis schonen will; sondern weil man Diary of the Dead trotz aller Mängel schätzt. Was lässt sich beanstanden? Zum Beispiel der Pseudo-Dokumentarstil. Wie erst kürzlich Cloverfield (und andere Vertreter des Genres) so tut auch Diary of the Dead, als würde der Zuschauer mit Originalbildern einer Katastrophe konfrontiert – sprich: Einer der Protagonisten (Jason) folgt dem Geschehen mit seiner eigenen Kamera und man bekommt quasi einen Zusammenschnitt davon präsentiert. Dieses Verfahren hat zweifelsohne seinen eigenen Charme und Romero setzt es in vielen Punkten auch geschickter um als andere Filmemacher, doch wird diese Art zu drehen nicht origineller, je mehr solcher Filme erscheinen, nutzt sich sogar sehr stark ab, gerade weil die Methode so auffällig ist. Und auch wenn sich die anderen Akteure hundert Mal darüber empören, wie Jason noch ans Filmen denken könne, während um ihn herum Menschen sterben, täuscht das nicht darüber hinweg, dass Jasons Verhalten genau das ist: seltsam und nicht richtig überzeugend; man nimmt es ihm nicht ab; man nimmt es dem Film nicht ab.
Weiter kann man ankreiden: Für einen Horrorfilm ist Diary of the Dead ein bisschen lahm. Vergleicht man ihn mit aktueller Konkurrenz, muss man zugeben: So furchterregend und bedrückend wie diese ist er nicht; auch die Schockmomente halten sich in Grenzen. Nur der Ekelfaktor ist auf gewohnt hohem Niveau, kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der Film einen altbackenen Eindruck macht. Und wenn schon, könnte man sagen, Romero mag keinen überkrassen Splatter-Shocker gedreht haben, aber seine große Stärke lag schon immer darin, seinen Horror mit einer politischen Message zu verbinden. Und tatsächlich: Auch diesmal fehlt die kritische Haltung nicht; nur leider wird sie dem Zuschauer nicht gerade subtil näher gebracht. Wenn der Film Fragen stellt wie die, ob man noch sagen kann, dass ein Ereignis stattgefunden hat, wenn die Medien nicht davon berichtet haben, mag das aktuell sein – obwohl bestimmt nicht neu –, aber muss man die Protagonisten solcherlei Fragen fortwährend aufsagen und runterbeten lassen, so dass das Ganze zu einem Phrasendreschen verkommt?
Wie rettet sich der Film also? Zum Einen durch seinen Witz. Es gibt einige Szenen, bei denen es Romero ausgezeichnet versteht, Horror und Humor zu kombinieren – nicht unbedingt ein leicht verdaulicher Humor, aber gerade darin liegt auch seine Stärke. Zum Anderen punktet Diary of the Dead gerade dadurch, dass er nicht so glatt ist, wie die üblichen Vertreter des Horror-Genres, dass Romero sich alle Freiheiten nimmt, einen Film zu drehen, wie er ihm gefällt, auch wenn man sich am Ergebnis stoßen kann. Das macht den Film trotz allem glaubwürdig. Obwohl Diary of the Dead manchmal plump wirkt, hat man das Gefühl, es geht Romero wirklich um etwas, es treibt ihn etwas um und er versucht das in seinem Film auszudrücken. Diese Ehrlichkeit bleibt am Ende hängen. Text Copyright Konrad Feldschmid 2009 Bilder Copyright Artfire Film / Romero-Grundwald Production |