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Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht

tmvon Anna-Selina Sander

Autor: Jay Asher
Erschienen bei: cbt HC
ISBN: 3570160203
Preis: ab 14,95 € Tote Mädchen lügen nicht bei Amazon.de

Zwei Wochen ist es her, dass Hannah Baker, Clays Mitschülerin, sich umgebracht hat. Und nun erhält der vermutlich um die 17-jährige Clay ein Paket ohne Absender, darin sieben Kassetten, die Hannah einen Tag vor ihrem Selbstmord besprochen hat. Dreizehn Menschen aus ihrer Schule haben sie durch ihr Verhalten in den Tod getrieben, jedem von ihnen ist eine Seite einer Kassette gewidmet. Und genau diese dreizehn Leute sollen ihre letzten Worte hören, indem jeder Empfänger sie an den nächsten, der auf den Bändern sein Fett wegkriegt, weiterschickt. Und Clay ist einer von ihnen.

Dabei kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen, was er Hannah angetan haben soll. Eine Knutscherei in einer Partynacht und ein paar Monate gemeinsame Arbeit im städtischen Kino, das ist alles, was ihn mit ihr verbunden hat. Dabei hätte er sie so gern näher gekannt und war ein bisschen verliebt in sie. Eine ganze Nacht lang hört er sich Hannahs Aufzeichnungen an, fährt an die Orte, an denen die Geschichten spielen, die sie mit den anderen zwölf Leuten erlebt hat. Es waren viele kleine Dinge, die ihr das Leben nach und nach zur Hölle gemacht haben, von „Hot or not“-Listen und deren Konsequenzen, über einen Mitschüler, der sie heimlich beobachtet hat, zerbrochene Freundschaften, Verrat der heimlichsten Gedanken - ein Vertrauensbruch jagt den nächsten, so dass Hannah sich am Ende nirgendwo mehr sicher gefühlt hat.

Clay zerreißt es das Herz, all diese Geschichten zu hören, umso mehr, weil er als einziger zu ihr gehalten hätte und für sie dagewesen wäre – hätte sie es zugelassen. Hinterher ist man immer schlauer.
Auch dem Leser rennen Schauer über den Rücken angesichts dieser Geschichte. Da wird ein Mensch vermutlich nichtmal systematisch oder gewollt nach und nach durch viele Kleinigkeiten zugrundegerichtet, und keinem aus dem Umfeld fällt es auf. Im Gegenteil, in einer der Episoden, einer von einigen, in der Hannah hätte gerettet werden können, wird ihre Verzweiflung sogar noch als Wichtigtuerei heruntergespielt.

Nach der letzten Buchseite bleibt eine selten erlebte Bitterkeit zurück, und hoffentlich lässt es den einen oder die andere darüber nachdenken, wie er oder sie andere Menschen behandelt und was das eventuell für Konsequenzen haben könnte. Es gab hier schließlich keinen großen Auslöser, das ganze hat sich vielmehr nach und nach eingeschlichen, bis letztendlich alles kaputt war. Umso schauriger ist das ganze, wenn man den Zeitpunkt der Aufzeichnung und den der Erzählung betrachtet, nämlich einen Tag vor ihrem Tod, an dem sie genau ankündigt, was sie am nächsten Tag tun wird, bzw. zwei Wochen danach, wenn nichts mehr zu retten ist und quasi die Stimme aus dem Grab spricht. Das hat ein bisschen was von Edgar Allan Poe, nur eben in einem modernen Umfeld.

Der Autor war bis zu der Veröffentlichung von Tote Mädchen lügen nicht unbekannt auf dem Buchmarkt. Dennoch kann der Mann spannend und fesselnd schreiben, ihm unterlaufen nur wenig Fehler (die aber auch durch die Übersetzung eingeschleppt sein könnten) und ich hoffe, dass er sich für das nächste Buch viel Zeit nimmt und wieder genau so ein bombiges Ding abliefert. Beide Daumen hoch, der Titel ist wirklich lesenswert!

Text Copyright Anna-Selina Sander 2009

Cover Copyright cbt HC

 

 
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