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von Sebastian Sonntag Plattenfirma: Interscope/Universal Tracks: 16 bzw. 22 Erscheinungsdatum: 22.5.2009 ASIN: B0026DNK9W Preis: 15,95 € (Normal) bzw. 19,95€ (Limited Edition) bei Amazon.de Brian Warner, seines Zeichens Frontmann von Marilyn Manson, hat ein Leben voller Höhen und Tiefen hinter sich – von seiner Entdeckung durch Trent Reznor über einen skandalösen Kampf mit sämtlichen Behörden und religiösen Vereinigungen der Welt bis zu seiner in Scherben liegenden Ehe mit Stripperin Dita von Teese (die nicht zuletzt dadurch eine hohe Medienpräsenz genießt). Quer durch seinen Lebenslauf zeichnen sich die entsprechenden Phasen deutlich merkbar in seinem musikalischen Schaffen ab, sei es die Aggressivität von Antichrist Superstar oder die Zerbrechlichkeit von Mechanical Animals. Dabei ist er nach wie vor erfolgreich und präsent, sei es als Musiker, Maler oder irgendwann mal auch als Regisseur (die Produktion seines lange angekündigten Films Phantasmagoria: The Visions Of Lewis Caroll wurde bislang zugunsten von Albumproduktionen verschoben). Sein letztes Album Eat Me, Drink Me wird trotz vieler wirklich guter Songs von vielen Fans als musikalischer Tiefpunkt angesehen. Zu depressiv sagen die Einen, die Anderen stört die allgemeine Zugänglichkeit und der Pop-Einschlag (z.B. in Heart-Shaped Glasses). Fest steht: Stile entwickeln sich und vollziehen einen natürlichen Wandel unabhängig vom Verlangen der Masse. So auch im Falle seines neuesten Machwerks, das sich trotz „altem“ neuen Bassisten Twiggy Ramirez, der eine Pause einlegte und seine Zeit bei A Perfect Circle und Nine Inch Nails verbrachte, erstaunlich nah am Vorgänger orientiert. Es erwartet den Hörer eine Ansammlung von 15 Songs plus alternativer Versionen auf einer optionalen Bonus-CD, die allesamt im Mid-Tempo angesiedelt sind und in ihrer Gesamtheit eine sehr gedrückte Stimmung vermitteln. Die Mischung erweist sich als erstaunlich ruhig und erinnert zuweilen sogar an´s 1996er Debutalbum. Dabei greift man soundtechnisch vor allem auf viele, viele Akustikgitarren zurück, einige Songs (z.B. Four Rusted Horses) tragen dabei gar leichte Country-Einschläge, während stellenweise auch Billy-Idol-ähnliche Klänge zum Tragen kommen. Alles in allem sehr zugänglich, jedoch liegt hier auch der Knackpunkt: Allgemein wirken die Lieder sehr schnell monoton, der vor allem in den Akustik-begleiteten Stücken vorherrschende Depressionsgrad treibt oft zum Überspringen derselben an.
Was mir persönlich besonders fehlt sind die Manson-typischen Kracher, von denen normalerweise mindestens drei auf einem Album vorhanden sind. Das bereits aus den Medien bekannte We´re From America stellt leider den einzigen Up-Tempo-Kämpfer auf weiter Flur dar und kann mit früheren Hits wie The Beautiful People oder Irresponsible Hate Anthem bei weitem nicht mithalten. Generell macht sich etwas der Eindruck breit, alle Lieder seien im Nachhinein nochmal ordentlich mit Weichspüler versehen worden – teilweise erreichen einige Nummern wirklich schon Schnulzen-Niveau. Das soll natürlich nicht pauschal als schlecht gelten, stößt aber nach dem fünften Song in dieser Machart allmählich ermüdend auf und zeugt nicht gerade vom eingangs erwähnten Feuer. Der limitierten Version des Albums liegt eine bereits angesprochene Bonus-CD dabei, die Alternativfassungen von sieben Stücken des Albums enthält. Allerdings nimmt hier die depressive Stimmung in Form von Akustiksongs bis auf einen ganz guten Remix überhand, was nach dem Verzehr der ersten CD wirklich nicht sein muss.
The High End of Low stellt einen weiteren unerwarteten Schritt dar und hinterlässt einen sehr durchwachsenen Eindruck. Die Platte besticht zwar durch den typisch satten Sound, so richtig will der Funke bis jetzt aber nicht überspringen, was besonders an der etwas eintönigen Atmosphäre liegt. Man hat regelrecht das Gefühl, Manson wolle zwanghaft in Depri-Rock-Gefilde abdriften. Vor allem die Bonus-CD der Limited Edition kann man sich angesichts des Aufpreises getrost schenken, zumal die Alternativversionen sich nicht gravierend von den Originalen unterscheiden und eher lästiges Beiwerk darstellen, das allem Anschein nach wohl aus Kommerzgründen zu existieren scheint. Für Freunde ruhigeren Rocks gewiss eine Investition wert, Fans sollten aber vor dem Kauf unbedingt erstmal reinhören. Text Copyright Sebastian Sonntag 2009 Bilder Copyright Interscope/Universal |