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David Schumann: The Tokyo Diaries
tokyovon Michael Steber

Autor: David Schumann
Erschienen bei: Rockbuch
ISBN: 3941376012
Preis: ab 16,90 € The Tokyo Diaries bei Amazon.de

Was wie ein unwirkliches Nerd-Märchen klingt, wurde für David Schumann Wirklichkeit: als der Japanologie-Student im Rahmen seines Studiums einige Zeit in Tokyo verbringt, wird er auf der Straße angesprochen, ob er nicht Lust hätte, sich einmal als Model zu versuchen. Trotz anfänglicher Zweifel an der Branche und nicht zuletzt auch an seiner eigenen Person nimmt David das Angebot an und schafft es letztendlich, sich in der Mode- und Werbebranche festzusetzen und mit diversen Jobs mehr als nur ein Taschengeld dazuzuverdienen.

Bereits hier ahnt man, dass David Schumann nicht einer von vielen ist. Versprüht der tätowierte Punkrock-Fan doch gerade im Land der aufgehenden Sonne einen verruchten Charme, was auch eine Ursache für seine Entdeckung sein dürfte. In seinen Tokyo Diaries bringt Schumann nun in ehrlichen Tagebucheinträgen und oft auch demonstrativ am guten Geschmack vorbeigehend zu Papier, was ihn während seiner Zeit in Tokyo bewegt und geprägt hat. Dabei spielen weder das Studium noch die Arbeit als Model die Hauptrollen im Leben des Chaoten, vielmehr sind es nach wie vor Musik, Partys und natürlich Frauen, mit denen er sein Fernweh lindert.

Zunächst selbst von seiner obskuren Gastfamilie isoliert, entwickelt sich David in der Megastadt Tokyo immer mehr zu einem Lebemann ohne Rücksicht auf Verluste, der einen exzessiven Lebensstil irgendwo zwischen Uni, Modelagentur, Punkband und Sauforgie bis an den Rand der Selbstzerstörung pflegt und trotz allem sein Leben irgendwie auf die Reihe kriegt. Sogar im Umgang mit dem japanischen weiblichen Geschlecht wird David zunehmend sicherer und überschreitet hier ebenfalls die Grenzen der Moral und des guten Geschmacks, so dass The Tokyo Diaries auch abseits seiner im Grunde unglaublichen Ausgangsgeschichte zu einem extremen Roman wird.

Mit jedem Tagebucheintrag ist dem Leser klar, dass hier jemand schreibt, der weiß, was er will und sich ein Leben gesucht hat, das genau zu ihm passt. So ist der gesamte Text vor allem von Referenzen auf Hardcore- und Punkbands durchzogen, ja sogar einen Soundtrack hat Schumann am Ende des Buches zusammengestellt. Aber auch seine neue japanische Heimat kommt natürlich nicht zu kurz, wenn der Autor seine Leser beispielsweise stolz in Tokyos Szeneviertel Shimokitazawa führt oder ihn immer wieder mit Namedropping diverser japanischer Kulturschaffender auf dem Laufenden hält.

Was bleibt, ist ein äußerst kurzweiliger Roman, der, wenn er auch an einigen Stellen inhaltlich und sprachlich vielleicht zu demonstrativ dem Punk-Klischee entspricht, sich äußerst flüssig liest und den Leser viele Male mit offenem Mund staunend über den Inselstaat und seinen Neubürger zurücklassen wird. Anders ausgedrückt: Schumann machte seine Zeit in Japan zu einem erfrischenden Zeugnis eines heute selten gewordenen Menschen, der lebt, wie er will und sich dabei nicht im Geringsten an irgendwelchen Konventionen orientiert.

Text Copyright Michael Steber 2009

Cover Copyright Rockbuch

 

 
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