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Gorilla des Monats

bernie 
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Wallace and Gromit’s Grand Adventures: Fright of the Bumblebees

wallacevon Stefan Kaufmann

System: Windows PC , Xbox 360

USA (2009), Produzent: Dan Connors, Kevin Brunner, Buch: Andy Hartzell, Director of Design: Dave Grossman, Brendan Q. Ferguson, Konzept: Nick Park, Musik: Jared Emerson-Johnson, Sprecher: Ben Whitehedad, Heather Coombs, Dean Williamson u.a. 

Preis: ca. 10€ (Download)

Manchmal scheint es, als gäbe es heutzutage nur noch zwei Arten von Animationsfilmen. Dominiert wird die Branche ganz klar durch jene Werke, die von zynischen Marketingkommittees als Basis für lukratives Merchandising konstruiert werden. Alle Jubeljahre taucht aber tatsächlich ein Film mit ganz anderen Prioritäten am Horizont auf. Gut konstruierte Geschichten, liebenswürdige Charaktere und eine nahezu perfekte Mischung aus verbalem und visuellem Humor machen solche Streifen zu einem unvergesslichen Erlebnis für jung und alt. In Amerika kommen derlei Filme bevorzugt aus dem Hause Pixar, in Japan aus dem ehrwürdigen Studio Ghibli. In Europa hat sich währenddessen die experimentierfreudige Knetgummiwerkstatt Aardman der Rettung des guten Geschmacks verschrieben. Keine Frage, auch Wallace und Gromit, die nimmermüden Maskottchen der Animationsschmiede, scheinen in Sachen Vermarktung wenig Scham zu kennen. Und gerade wenn man sich die bisherigen Videospielauftritte des dynamischen Duos ansieht, wird schnell klar, dass großartige Filme noch lange kein Garant für grandioses Gameplay sind.

Wenn sich aber ein Entwickler, der mit ebenso viel Herzblut wie Aardmans Animationsteams bei der Sache ist, einer solchen Lizenz annimmt, sieht das Ergebnis schon wieder ganz anders aus. Wallace and Gromit’s Grand Adventures Episode 1: Fright of the Bumblebees ist ein Oxymoron wie es im Buche steht: Ein gelungener Lizenztitel der ebenso ideenreich und clever wie seine oft gerühmte Vorlage ist und sich stilistisch nahtlos in eine Riege mit eben jener einreiht. Um mehr herauszufinden, haben wir der brandneuen Xbox-Live-Arcade-Version des Point-and-Click-Adventures behutsam auf den Knetgummizahn gefühlt.

wallace

Und so viel steht fest: Wer die Filme kennt, fühlt sich in Telltales virtueller Rekonstruktion der Aardmanschen Plastizinwelt sofort wie zuhause. Von der guten alten Titelmusik über die bekannten Handlungsschauplätze bis hin zur perfekten Rekonstruktion der Charakterdesigns (inklusiver virtueller Fingerabdrücke in den Texturen) sind wirklich alle offensichtlichen Elemente vorhanden, die eine gute Wallace-und-Gromit-Geschichte ausmachen. Aber das ist zum Glück nur der Anfang, denn besagte Werktreue setzt sich auch bei den subtileren Elementen der Zelluloidvorlage fort. Denn ob man’s glaubt oder nicht, irgendwie hat dieser kleine Spieleentwickler aus dem sonnigen Kalifornien es tatsächlich geschafft, alle narrativen Tricks und Kniffe eines nordenglischen Filmproduzenten scheinbar mühelos in ein anderes Medium zu übertragen. Es ist beeindruckend genug, das Autor Andy Hartzell bei der Charakterisierung des Protagonisten-Pärchens so zielsicher ins Schwarze getroffen hat, aber dass die komplette Plotstruktur, die unzähligen albernen Wortspiele und die herrlich absurde Prämisse des Abenteuers dermaßen gekonnt die Atmosphäre des Originals einfangen, ist die wahre Leistung dieser Produktion.

Genau wie in den Filmen ist auch im ersten der vier geplanten Download-Abenteuer eine Erfindung von Wallace die Grundlage allen Übels. Wie gewohnt hat der naive Bastler mal wieder eine seiner Erfindungen zur Grundlage eines halbseidenen Dienstleistungsunternehmens umfunktioniert. Nachdem es mit Ungeziefervernichtung und Bäckerei nicht wirklich geklappt hat, versucht sich unser Held inzwischen als Honiglieferant und Imker, der im heimischen Bastelkeller seine eigene Bienenkolonie beherbergt. Nachdem der allseits optimistische Tüftler zur Bewältigung eines Großauftrages ein selbstgebrautes Wachstumsmittel verwendet, um die Honigproduktion anzukurbeln, wächst ihm die Angelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf hinaus. Jetzt kann ihn nur noch sein treuester Freund retten ...

Und so navigiert der Spieler, je nach Handlungsabschnitt mal Wallace mal Gromit durch zunehmend haarsträubende Situationen. In bester Telltale-Manier sind die Rätsel dabei fordernd genug um gelegentlich für Kopfzerbrechen zu sorgen, aber selten so schwer, dass man mit dem Kopf vor Frustration auf den Schreibtisch schlagen möchte. Und sollte man tatsächlich mal ein paar Minuten festhängen, hilft die Bevölkerung der interaktiven Knetstoffwelt stets mit einem gut gemeinten Hinweis aus. Auf dem Silbertablett wird die Lösung dabei allerdings nie präsentiert, Mitdenken ist trotz Hilfesystem also unerlässlich. Und anders würden wir es auch nicht wollen.

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Auch die Steuerung wurde erfreulich gut an die Möglichkeiten des 360-Controllers angepasst. Ganz so komfortabel wie mit der Maus geht die direkte Kontrolle über die Analogsticks zwar nicht von der Hand, aber bereits nach wenigen Minuten funktioniert das Ganze so intuitiv als wäre man es schon seit Jahren gewohnt. Mit dem linken Stick steuern wir unsere Helden, mit dem Rechten springen wir zwischen den individuellen Hotspots hin und her und mit der X-Taste können wir eben jene sogar noch gesondert hervorheben um lästiges Pixelhuntig im Keim zu ersticken.

Negativ anzumerken bleibt eigentlich nur, dass Peter Sallis, der die Stimme des guten alten Wallace in den Filmen so perfekt definiert hat, für das Spiel leider nicht zur Verfügung stand. Seine Zweitbesetzung Ben Whitehead gibt sich zwar alle Mühe die bekannten Sprechmuster so gut wie möglich zu imitieren, schafft es aber leider nie, komplett authentisch zu klingen. Trotzdem sind Fans der englischen Originalfassung immer noch besser bedient als Bewunderer der deutschen Synchro, müssen sie in der lokalisierten doch mit Untertiteln vorlieb nehmen.

Das alles ändert aber nichts daran, dass die erste Episode von Wallace and Gromit’s Grand Adventures für 800 MS-Punkte drei bis vier Stunden erstklassige Adventure-Unterhaltung bietet. Und allein deswegen ist das neue Abenteuer von Hund und Herrchen nicht nur für Fans ein absoluter Pflicht-Download.

Text Copyright Stefan Kaufmann 2009
Bilder Copyright Telltale Games 

 
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