Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 

Syndikation

Template Wechsler

rhuk_solarflare_ii
Home
Krachgarten Tour 2009

furtvon Anna-Selina Sander

Farin Urlaub Racing Team
Krachgarten Tour 2009
Hamburg, Sporthalle, 26. Mai 2009 

Traditionell ohne Vorband und mit an Disziplin grenzender Pünktlichkeit (muss am Live-Mitschnitt gelegen haben) begann der Abend mit Unscharf, einem eher ungeeigneten Opener. Das Racing Team ist komplett versammelt, und die Sorgen dahin – eine mir das Herz zerschmetternde Mail mit dem Newsletter der Busters hatte wenige Monate zuvor den Ausstieg der Saxophonisten Quitte und Fischi aus der Band bekanntgegeben.Glücklicherweise betraf das offenbar (noch?) nicht das Racing Team, und so kam man noch einmal in den Genuss des vierköpfigen Bläsersatzes und schwelgte für einen Moment in Erinnerungen an die Offbeat Revenge-Tour der Busters. Also, ich tat das zumindest. Ein besonderes Erlebnis in diesem Zusammenhang war übrigens Fischis monströses Bass-Saxophon, das ihn beinahe größentechnisch überragte. Beinahe.

Technisch solide, mit ein paar kleinen Schnitzern und etwas zu laut ausgesteuerten Bläsern, wurden nahezu sämtliche Klassiker aller drei Alben abgefeiert, nebst der einen oder anderen B-Seite. Oft klang alles genauso wie auf Platte, was ja per se schonmal nicht schlecht ist. Allerdings ist man doch, gerade mit den ärzten im Hintergrund, geneigt, vom Urlaub ein bisschen Variation zu erwarten. Man muss natürlich beachten, dass da nicht drei, sondern zwölf Leute auf der Bühne stehen und spielen, da kann man nicht spontan Dinge abändern oder etwas komplett neu einüben. Hier und da jedoch wurden mit einfach Mitteln ganz phantastische Effekte hervorgebracht: Bei der zweiten Single Niemals, diesem unendlich verzweifelten Lied übers Zurückgewiesenwerden, wurde die Gitarrenmelodie im Intro von Hardy auf der Trompete gespielt und machte das ganze nochmal zwei Klassen eindrucksvoller und trauriger.

Interessant war übrigens der narrative Zusammenhang, in dem Niemals auf der Setlist stand. Gleich im Anschluss daran kam nämlich OK, das mit seinem Hass auf die Ex/Zurückweisende inhaltlich super an Niemals anschließt. Vollendet wurde diese Trennungstrilogie mit Die Leiche, in dem der Erzähler mit einer verflossenen Beziehung abschließt. Faszinierend, wenn man mich fragt! Die Leiche wurde durch einfachen hohen Backgroundgesang von Annette, Simone und Celina ergänzt, der das ganze Lied mit einem sehr passenden gruseligen Unterton versorgte. Unvergessen wird auch die absolut überkitschige Bühnendeko zu Phänomenal Egal bleiben, das als erste Zugabe gespielt wurde. Das kleine Duo aus Farin und Simone, das vor dem Vorhang zur Akustikgitarre singt, wird nach der Hälfte des Liedes (Vorhang geht hoch) von einem Meer aus Kerzen umrahmt, so unglaublich süßlich, dass es einem die Sprache verschlägt und die Zähne wehtun. Der Clou des ganzen ist allerdings der ironische Schluss, nach dem die Kerzen ausgeknipst und vor den Augen aller auf einem Wagen weggerollt werden. Hat sich was mit Romantik.

furt

 Die ewig lange Setlist, die satte zwei Stunden und 15 Minuten füllt, wird kaum durch Schnackerei unterbrochen, allerdings hat sich das im Vergleich zu früheren Shows schon merklich vermehrt. Noch immer ist Urlaub mit den ärzten ein anderer Mensch als mit dem Racing Team, was völlig klar ist, da grundsätzlich keine Bandkonstellation wie die andere ist. Dennoch fangen inzwischen auch die „lesbischen Gesangsnattern“ (Zitat Urlaub) an, zurückzufrotzeln, Schlagabtäusche mit den Bandmitgliedern werden häufiger, ebenso wie Quatsch-Intros und Textänderungen. Jedoch, wer die zweiten ärzte erwartet, wird vom einem Live des Racing Teams hinsichtlich der Blödelei vermutlich enttäuscht sein. Hier zählen einfach ganz andere Dinge, aber die sind dafür umso präsenter und größer.

Text Copyright Anna-Selina Sander 2009

 
< zurück   weiter >
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.