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The Upper Room: Other People's Problems (UK, 2006) Erscheinungsdatum: 29. Mai 2006 ASIN: B000FL7BHO Tracks: 12
Ein Album einer Band zu kaufen, von der man nur einen Song kennt und mag, birgt ja immer ein gewisses Risiko – häufig erweist sich alles um diesen Song herum als schnell aufgenommenes Füllmaterial, das nicht mal annähernd an die überragende Single heranreicht. In dem Fall von The Upper Room hieß die Single 'Black and White' und schaffte es, mich nachhaltig zu beeindrucken. Nicht nur der Song, der auf eine unschuldige Art und Weise mit einer fröhlich- poppigen Melodie von den Schmerzen des unglücklichen Verliebtseins erzählt, ist irgendwie rührend, auch das Video, das im Zeitraffer die Geschichte vom Verblassen einer anfangs so perfekt scheinenden Liebe und dem schließlichen Scheitern der Beziehung wiedergibt, ist in seiner Tragik herzergreifend. Doch zum Glück hat Other People's Problems tatsächlich mehr zu bieten als nur eine entzückende Single. Das Album beginnt energisch mit dem melodiösen 'All Over This Town', bei dem bereits die im Hintergrund gesungenen Harmonien auffallen, die in vielen der Songs auftauchen und für eine angenehme Vielschichtigkeit sorgen. Vor allem die ersten sechs Tracks des Albums leben von diesen beschwingten Klängen, auch wenn die Texte oftmals gar nicht so locker und leicht sind, wie zum Beispiel 'Your Body' mit seinem "I have lost the only one that mattered to me".'Never Come Back' errinert mit seinem hübschen, fast kitschigen Geigenchorus ein wenig an den Britpop der 90er Jahre und Bands wie The Verve, und auch hier ist man über den Kontrast von Text und Melodie ein wenig erstaunt, da man Zeilen wie "I do despise you" in dieser balladesken Atmosphäre nicht vermutet hätte. 'Portrait' erinnert in seinem Sound etwas mehr an 80er-Jahre-New Wave, und überhaupt scheint die zweite Hälfte des Albums musikalisch ein wenig mehr elektronisch angehaucht zu sein und in Richtung der Achtziger zu tendieren. Dies fällt einem aber nicht so sehr auf, dass es stören würde, im Gegenteil, es macht Other People's Problems angenehm abwechslungsreich und gliedert sich sehr schön in den Gesamtsound ein.
The Upper Room sind mit ihren klaren, poppigen Harmonien eine hübsche Abwechslung zu dem momentan in Großbritannien so allgegenwärtigen Schrammelrock (der an sich natürlich auch nicht zu verachten ist) und lassen an britische Popklassiker wie die Simple Minds oder The Lightning Seeds erinnern. Überhaupt sind sie irgendwie typisch englisch – angefang bei dem wunderbaren Akzent des Sängers Alex Miller bis hin zu der Eigenschaft, nicht alles so furchtbar ernst zu nehmen. Dies führt, kombiniert mit einer scharfsinnigen Beobachtungsgabe zu herrlich amüsanten Songs wie 'Leave Me Alone', in dem Miller mit unschuldiger Stimme die -vermutlich schon von vielen Frauen ähnlich geäußerten- Zeilen "Please stop calling me at home/Thought I think you're lovely baby/Won't you please, leave me alone?" flötet. Einzig der letzte Track, 'It Began On Radio' ist eher schwach und hätte auch ruhig weggelassen werden – das vorangehende, hervorragende 'Combination', einer der stärksten Songs des Albums, wäre sicher ein besserer Abschluss gewesen. Denn gerade 'Combination' stellt noch einmal abschließend die große Stärke von The Upper Room heraus – wirklich clevere Texte (in diesem Fall die Wiederholung der Zeile "It was a combination of many things" in komplett verschiedenen, aber insgesamt doch wieder zusammenpassenden Zusammenhängen) mit wunderbaren Melodien zu verbinden. Während viele Bands es nur schaffen, sich auf eins von beiden zu konzentrieren, kann man bei The Upper Room wirklich nicht sagen, ob die Texte oder die Melodien besser sind. Other People's Problems ist ein tolles Album mit wunderbar perfekter Popmusik – bleibt nur zu hoffen, dass The Upper Room im momentanen drogennehmende-gestylte-Jungs-mit-krachenden-Gitarren-Gehype nicht untergehen und auch irgendwann den Erfolg haben werden, den sie verdienen.
Text Copyright 2006 Cordelia von Teichman Cover, Promoshot Copyright The Upper Room |