von Konrad Feldschmid Spanien/USA/Japan 2009 Regie: Jim Jarmusch, Drehbuch: Jim Jarmusch, Kamera: Christopher Doyle, Musik: Boris, Sun O))), Darsteller: Isaach De Bankolé, Tilda Swinton, John Hurt, Bill Murray, Jean-François Stévenin, Óscar Jaenada Erschienen bei: Tobis
Limits of Control ist langatmig. Das mag wenig überraschen, ging es doch in Jim-Jarmusch-Filmen noch nie besonders hektisch zu; diesmal allerdings schaltet der Independent-Regisseur noch ein paar Gänge zurück, nimmt so viel Tempo heraus, dass man befürchtet, der Streifen könnte jeden Moment stocken und nicht mehr weiterlaufen. Manche Kinobesucher macht das mit Zeit unruhig, sie beginnen, auf ihren Sitzen herumzurutschen oder genervt aufzustöhnen; verständlich – und trotzdem bin ich der Meinung: Limits of Control ist einfach großartig. Jim Jarmuschs neustes Werk ist ein spannender Film ohne Spannung, ein Action-Thriller ohne Action und Thrill; das macht ihn aber nicht langweilig, sondern vielmehr beruhigend. Man nimmt an einer Meditation teil, einer sanften Reflexion über Wahrnehmung und Kunst.
Dabei passiert in der Tat nicht viel: Die Kamera folgt einem gut gekleideten Namenlosen, der durch die Gegend reist, in einem Zug hockt, ins Museum geht oder stundenlang vor einem Café wartet und dabei stets nach zwei Tassen Espresso verlangt. Ab und an gesellt sich eine ominöse Gestalt zu ihm – mal ein Mann mit einem Geigenkoffer, mal eine weißhaarige, abgespacet aussehende Frau – und ein Gespräch beginnt, zu dem der Namenlose allerdings nichts beiträgt außer ein paar einsilbigen Kommentaren – so wie es sich für einen echten Actionhelden gehört. Am Ende des Gesprächs werden Streichholzschachteln ausgetauscht; die Streichholzschachtel für den Namenlosen enthält einen Zettel mit irgendwelchen Notizen; der Namenlose liest den Zettel und verschlingt ihn anschließend. Und das wiederholt sich auf ähnliche Weise viele Male bis zum Showdown am Ende des Films. Dazwischen gibt es noch eine Liebesgeschichte ohne Liebe oder Sex.
Interessant an diesen Szenen ist, was untergründig mitschwingt. Es ist, als wäre der ganze Film nur ein Abdruck, ein Negativ von dem aus sich auf das Positiv schließen lässt, auf das, was eigentlich passiert, vor der Kamera aber nicht zu sehen ist. Wie dieses Positiv genau aussieht, hängt ganz vom Zuschauer ab, er muss es sich selbst ausmalen, wozu der Film ihm auch genügend Zeit lässt – gelingt ihm das aber nicht, wird er wohl keinen Zugang zum Film finden und keinen Spaß daran haben. So ist Limits of Control ein Film in einer unbekannten Sprache, ohne Übersetzung, der sagt: Du verstehst schon. Oder so: Limits of Control ist ein hermetisch abgeriegelter Raum, an dem ein Schild hängt mit der Aufschrift: Bitte eintreten. Die Tür muss man selber mitbringen. Text Copyright Konrad Feldschmid 2009 Bilder Copyright Tobis |