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von Sebastian Sonntag
Plattenfirma: BMG-Cheeky/Reprise Tracks: 14 bzw. 25 Erscheinungsdatum: 22.5.2009 ASIN: B00006K0FV Preis: ca. 23€ Furious Angels Neuauflage bei Amazon.de ca. 8€ Furious Angels Erstauflage bei Amazon.de
Bereits 10 Jahre ist es her, dass Keanu Reeves in Matrix seine beeindruckende Begegnung mit der Frau im roten Kleid hatte. Eine Szene, die vor allem aufgrund der muskalischen Untermalung so eindrucksvoll ist. Auch wenn Matrix nicht als erster Film auf die Verwendung von Rob Dougan´s Clubbed To Death in der Kurayamino Variation setzte, ist er doch ausschlaggebend für den Erfolg des Musikers. Eine bessere Gelegenheit, das Stück derart bekannt zu machen, gibt es bis heute nicht. Dabei ist es kaum denkbar, dass es damals schon stolze 4 Jahre auf dem Buckel hatte und bis dato nur Insidern ein Begriff war. Bis zum Entstehen von Clubbed To Death dauerte es jedoch seine Zeit: Zunächst studierte der Australier an einer Schauspielschule in seiner Heimatstadt Sydney, wo er sich beim Jobben als Kellner mit Rollo Armstrong (u.a. heute bekannt durch Faithless) anfreundete. Nachdem sein Studium ein raues Ende fand, folgte er ihm in dessen Heimatstadt London. Nach anfänglichem Dasein als Verkäufer in einem Jeansladen zog allmählich der musikalische Erfolg in Dougan´s Leben ein und zusammen produzierte das Team in der ersten Hälfte der 90er zahlreiche erfolgreiche Dance-Tracks für diverse Interpreten. Nach und nach entwickelte er jedoch den Wunsch, etwas völlig eigenes zu schaffen, woraus schließlich 1995 der besagte Track resultierte und sich vor allem in der Untergrundszene wachsender Popularität erfreute. Das Besondere daran: Moderne Trip-Hop-Beats wurden in perfektem Einklang mit einem klassischen Orchester gemischt, was einen phänomenalen Gesamtklang erzeugt. 
Veröffentlicht wurde das gute Stück damals als Single (mit einer stolzen Gesamtlänge von 39:57) durch das britische Trip-Hop-Label Mo´Wax und enthielt zusätzlich zum Originaltrack 5 Remix-Versionen u.a. von Drum´n-Bass-Underground-Größe Peshay, den Franzosen La Funk Mob sowie Dougan selbst. Berühmt wurde hauptsächlich die eingangs erwähnte Kurayamino Variation, die bis heute auch stellvertretend für den Titel Clubbed To Death steht. Besitzer der Original-CD können sich glücklich schätzen, denn die 1995er-Single in simpler, aber hübscher Papphülle ist heute ein begehrtes Sammlerstück und nur schwer zu finden (meine jedenfalls steht gut verwahrt im CD-Regal) 
Nachdem nun also das erste Experiment geglückt war und auch auf Produzentenebene fleißig für Leute wie Kylie Minogue gewerkelt wurde, widmete man sich der Schaffung eines adäquaten Nachfolgers, der drei Jahre später in Form der Single Furious Angels erschien. Furious Angels führte gekonnt das Thema des Vorgängers fort, enthielt aber einen wesentlichen neuen Aspekt: Rob Dougan persönlich präsentierte sich fortan nicht nur als Komponist, sondern auch als Sänger seiner Werke. Begleitet wurde das Stück auf der CD erneut von verschiedenen Remixes, mit dabei z.B. auch eine Version ohne Beats sowie die Clubbed To Death Variation, die eine mehr oder weniger gelungene Fusion von Elementen beider Tracks anstrebte.
Dank des nachträglichen Erfolgs seiner Debutsingle durch die Verwendung in Matrix stand nun auch der Arbeit an seinem ersehnten Album nichts mehr im Weg – zumindest fast nichts, denn die Kosten, um ein ganzes Orchester zu organisieren, sind eine nicht zu unterschätzende Hürde, die auch von Plattenlabels nicht gern genommen wird. Letzten Endes bewältigte er auch diese, indem er zum Teil sein eigenes Vermögen in die Produktion steckte, und veröffentlichte 2002 zusammen mit einer Neuauflage von Clubbed To Death (leider deutlich abgespeckt und mit neuen Remixes versehen) das nach seinem Erfolgstrack betitelte Meisterwerk Furious Angels. Dazu sei gesagt: Eine vergleichbare Produktion lässt sich auch heute noch selten finden. Dougan beherrscht es wie kein zweiter, derart bombastische Songs zu erschaffen und darin eine solche Vielzahl von Emotionen zu verpacken. Vom bekannten Opener über das wütende Left Me For Dead bis zum eher melancholischen, tiefgängigen Nothing At All wird der Hörer durch sämtliche Hochs und Tiefs der Gefühle getragen. Natürlich ist auch das vielzitierte Clubbed To Death mit von der Partie, sticht jedoch leicht aus dem sonst stimmigen Konzept der Platte heraus. Hier merkt man doch deutlich den Entwicklungsfortschritt sowohl auf technischer als auch kompositorischer Ebene – jedoch tut dies dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Besonders markant ist vor allem auch Robs raue Singstimme, die unheimlich an Chris Rea erinnert (man denke vor allem an den Klassiker Driving Home For Christmas) und regelmäßig Gänsehaut hervorruft. Auch verzichtet er gerne mal auf die elektronische Unterstützung und lässt die Instrumente für sich sprechen, was ebenfalls für ein tolles Erlebnis sorgt. Im Drinking Song beispielsweise wird sein einsamer, lässiger Bar-Gesang zunächst allein von einem Klavier begleitet, woraufhin sich die Begleitung allmählich aufbaut und zu einem stimmungsgeladenen Orchesterstück avanciert – der Einfluss klassischer Frank-Sinatra-Nummern ist mehr als deutlich zu erkennen. Auf diese Art präsentiert sich das Album als geradezu monumentales Werk, das den Hörer so schnell nicht loslässt. Dem Einen oder Anderen werden bestimmte Auszüge aus einigen Songs unter Umständen gar sehr bekannt vorkommen, wurde doch bereits ein Großteil des Albums für Werbespots von Audi und in jüngster Zeit auch Motorola verwendet. Leider ist es seit dem Erscheinen der Platte mehr als ruhig um Dougan geworden. Es folgte noch ein Re-Release der Furious Angels Single mit ebenfalls neuem Remix-Material sowie die musikalische Untermalung der Chateau-Kampfszene in Matrix Reloaded, die beide auf dem dazugehörigen Soundtrack erhältlich sind (ersteres allerdings nur in Instrumentalform – anscheinend war den Produzenten der Gesang etwas zu gewagt). 2006 ließ er verlauten, dass er an zwei neuen Alben – einer Compilation seiner persönlichen Lieblingsstücke sowie einem neuen, von ihm geschriebenen Album – arbeitet, allerdings sind seitdem keine weiteren Infos darüber veröffentlicht worden; lediglich einige Ergebnisse seiner Arbeiten als Produzent u.a. für die Sugababes erblickten das Tageslicht. Nach sporadischen Informationen (mitsamt einem Foto, auf dem der eigentlich verhältnismäßig junge Künstler mehr als verlebt aussieht) scheint er inzwischen Besitzer eines Weinguts zu sein – was auch immer das nun für seine musikalische Zukunft heißen mag. Hoffentlich jedenfalls gutes, denn ein solches Talent untergehen zu lassen wäre mehr als Schade.
Interessierten Musikfans sei an dieser Stelle übrigens die ebenfalls neu veröffentlichte Version seines Albums empfohlen (der Mann lebt wahrlich von den ständigen Re-Releases seiner wenigen Werke). Neben den bereits in der Originalversion enthaltenen 14 Songs befindet sich nämlich zum Einen als 15. Track das schon früher produzierte Clubbed To Death 2, in dem sich einige Themen tummeln, die sich dann später zu ganzen Stücken entwickelten, mit auf der Scheibe. Zu Anderen liegt dem noch eine zweite Disc bei, auf der sich die Musikvideos beider Singles sowie 10 Instrumentalversionen der Albumtracks befinden, womit der wichtigste Teil seines Schaffens weitgehend abgedeckt und die definitiv beste Alternative zum Aufspüren der eher undurchsichtigen Diskographie gegeben ist. Im Gegensatz zur Releasezeit ist das gute Stück heute zudem sehr einfach und günstig zu bekommen und wird damit eigentlich zum Pflichtkauf. Was nun noch bleibt ist einfach: Die CD in den Auto-CD-Player einlegen, Play drücken und losfahren – die Fahrt wird so schnell nicht enden. Text Copyright Sebastian Sonntag Bilder Copyright BMG-Cheeky/Reprise |