von Thomas Nickel Autor: Brett Matthews, Zeichner: Sergio Cariello, Cover: John Cassaday, Übersetzung: Marc-Oliver Frisch Erschienen bei: Crosscult ISBN: 3941248340 Preis: 19,80 € The Lone Ranger bei Amazon.de Western sind heutzutage ein schwieriges, schwieriges Thema. Die Zeit der großen Amerikanischen Western ist ebenso vorbei, wie die der kleinen (oder auch mal größeren), schmutzigen Italo-Western. Das Genre ist tot, Wiederbelebungsmaßnahmen im Kino oder auf der Spielkonsole waren bisher eher von mäßigem von Erfolg gekrönt. Und in diese westernfeindliche Umgebung schickt Crosscult jetzt auf einmal den Lone Ranger, einen Ur-Amerikanischen Helden der 30 Jahre der damals im Radio und später auch im TV für Furore sorgte, mit silbernen Kugeln schoss und mit seinem indianischen Begleiter Tonto stets die Bösewichte zur Strecke brachte. Kurzum, der Lone Ranger ist ein echter Saubermann und ein Held für jung und alt. Und damit in unserer zynischen Gegenwart mit ihren Bad Boys und Antihelden nicht mehr so wirklich gefragt. Was tut man also? Na klar, ein extensives Make-Over ist dann von Nöten. Das geschah 2006 beim amerikanischen Dynamite-Verlag. Brett Matthews, Sergio Cariello und John Cassaday interpretierten den in die Jahre gekommen Helden für ein zeitgenössisches Publikum neu. Der neue Lone Ranger ist etwas getriebener, etwas weniger strahlend und etwas blutiger als sein Radio-Vorgänger - ein Umstand, der alten Fans durchaus auch etwas sauer aufstößt.  
Aber hey... Nostalgie ist etwas schönes, aber Übertreiben wollens wirs damit nicht, zumal wir in Deutschland ja eine ganz andere (und weitaus weniger intensive) Beziehung mit dem Lone Ranger haben. Und machen wirs kurz und schmerzlos: Brett Matthews und seine Mitstreiter haben einfach einen verdammt unterhaltsamen Westerncomic geschaffen der alles bietet, was das Herz begehrt. Einen anfänglichen Helden wieder Willen, einen fiesen, aber gleichzeitig interessanten Antagonisten, so manches moralische Dilemma, ein ordentliches Maß an Melodrama, weite, beeindruckende Landschaften und natürlich ein paar knackige Shootouts. In Szene gesetzt wird all das von Sergio Cariellos verzüglichen Zeichnungen. Mit erdigen Farben und einem wunderbaren Sinn für Bildkomposition, Panoramen und Panelling wird der Leser eher er sich versieht in den rauen Westen entführt und verfolgt im ersten Band gespannt die Geschichte des Rangers. Wie er zu seiner Maske kam, was es mit seinem Pferd Silver auf sich hat, sein erstes Treffen mit Tonto und den Grund, warum er ausgerechnet mit silbernen Kugeln schießt. Ein sinnvolle Ergänzung ist der redaktionelle Teil am Ende des hübsch aufgemachten Bandes - dort erfährt der interessierte Leser, was es tatsächlich mit dem Lone Ranger-Mythos auf sich hat und kann direkt nachvollziehen, wie sich die Figur seit der Zeit der Radiohörspiele verändert hat. Und jetzt bitte keine Einwände Marke "Western sind doch doof und altmodisch" - denn erstens stimmt das nicht, und selbst wenn es so wäre, was solls? Wenn Filme wie Transformers 2 die moderne Gegenwart darstellen sollen, dann ist man da gerne mal etwas altmodisch und freut sich, wenn der Ranger zum ersten Mal laut "Hi Yo, Silver!" ruft. Text Copyright Thomas Nickel 2009 Bilder Copyright Crosscult |