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Gorilla des Monats

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Virtual Console Vol. 104
von Thomas Nickel

Nach langen Wochen der Dürre und der Enttäuschung bringt Nintendo den Virtual Console-Fans heute einen dicken Entschuldigungs-Blumenstrauss und dazu noch einen köstlichen Es-tut-mir-Leid-Schokoladenkuchen. Seit heute ist das Motto wieder Hanabi - feine Spiele, die nie zuvor im armen Europa erschienen sind. Also Leute, macht die Wii-Punkte klar, es kommen fette Wochen auf uns zu. Den Anfang macht das Mega Drive-Actionspiel Pulseman und der heilige Gral der SNES-Strategiespiele: Ogre Battle!

 

Ogre Battle: The March of the Black Queen

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System: SNES
Japan (1994), Planner, Director: Yasumi Matsuno, Character, Tarot Card Design: Akihiko Yoshida, Main Graphics Design, Image Effects: Hiroshi Minagawa, Character Animation: Satoshi Tetsuka, Music: Masaharu Iwata, Hitoshi Sakimoto, Hayato Matsuo

Entwickler: Quest
Preis: 900 Wii-Punkte (entspricht 9,-€)

Was soll ich hierzu schon sagen, außer "KAUFEN!!" Ganz im ernst. Wie Super Mario RPG oder auch Super Metroid ist Ogre Battle eines der definitiven SNES-Spiele - spielerisch, grafisch und akustisch eine Klasse für sich und im Gegensatz zu den beiden anderen genannten Titeln heute auch kaum noch zu bekommen. Als Ogre Battle in den 90er Jahren über Enix in den USA erschien hatte es eine Auflage von gerade einmal 10.000 Exemplaren, was die Preise für Sammler natürlich heute ziemlich in den Himmel treibt. Und das ist nur ein Grund, warum der Virtual Console-Release von Ogre Battle so willkommen ist. Der nächste Grund: Ogre Battle ist das erste taktische Spiel des magischen Trios Yasumi Matsuno, Hiroshi Minagawa und Akihiko Yoshida, die kurze Zeit später mit dem Nachfolger Tactics Ogre und später auch Final Fantasy Tactics das isometrische Strategiespiel quasi erfanden, mit Vagrant Story eines der besten PSone-Spiele überhaupt entwickelten und schließlich maßgeblich am famosen Final Fantasy XII beteiligt waren.

Vor allem aber ist Ogre Battle einfach ein verdammt gutes Spiel das durch die Möglichkeit, auf Virtual Console euer Spiel jederzeit während einer Schlacht zu unterbrechen sogar noch besser wird. Aber zugegeben: Eine gewisse Einspielzeit ist hier definitiv von Nöten, das Spiel unterscheidet sich stark von alledem, was man damals, und auch was man heute so landläufig unter einem Konsolen-Strategiespiel versteht. Ihr bewegt eure Einheiten über große Karten und nehmt Stadt um Stadt ein, dabei bekämpft ihr gegnerische Einheiten. Diese Kämpfe wirken auf den ersten Eindruck wie zufallsgesteuert und eher planlos, aber das täuscht. Die wahre strategische Arbeit liegt nämlich im Managment der Truppen: Eure Aufgabe ist es, jede Menge schlagkräftige, aufeinander gut abgestimmte Einheiten von bis zu fünf Mann zu erschaffen, beginnt erst einmal der Kampf, habt ihr nämlich nur noch eingeschränkte Kontrolle. Und das ist wider Erwarten kein Nachteil, denn dadurch gehen die Kämpfe schnell und unkompliziert von statten, mit der vollen Kontrolle wie in einem richtigen RPG würden die Schlachten schnell nervtötend und ermüdend wirken.

Tatsächlich etwas schwierig ist aber das Alignment-System: Jede eurer Taten wird vom Volk wahrgenommen und ändert euren Ruf. Schlagt ihr einen levelmäßig überlegenen Gegner, werdet ihr als Helden wahrgenommen, massakriert ihr dagegen unterlegene Truppen, sieht man euch als Unterdrücker. Auch das Töten eines Charakters mit positivem Alignment wie einen Heiler sieht das Volk nicht gern, und wenn ihr euch mit Ninjas und Zombie-Truppen umgebt ist das eurem Ruf genausowenig zuträglich. Gut, diese Faktoren könnt ihr kontrollieren. Bei den Tarot-Karten ist das dagegen nicht so: Die dürft ihr nach der Befreiung einer Stadt ziehen, damit sie euch mit magischen Spezialattacken versorgen. Zieht ihr nun eine Karte mit negativem Alignment, dann sinkt euer Ruf leider, und ihr könnt nichts dagegen tun. Also hofft ihr entweder auf euer Glück und nehmt gegebenenfalls ein schlechteres Ende in Kauf, oder ihr verzichtet ganz auf das Tarot-Element... im Nachfolger Ogre Battle 64 wurde dieser Faktor zum Glück entschärft.

Aber selbst mit diesem Glücksfaktor ist Ogre Battle einfach ein fantastisches Spiel mit verblüffender Spieltiefe und hervorragenden Ideen den ihr für 900 Wii-Punkte unbedingt herunterladen solltet.

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Pulseman

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System: Mega Drive
Japan (1994), Direction & Game Design: Ken Sugimori, Satoshi Tajiri, Program: Junichi Masuda, Takenori Ohta, Michiharu Nisihasi, Tomomichi Ohta, Graphics: Ken Sugimori, Motofumi Fujiwara, Atsuko Nishida, Music & Sound Effects: Junichi Masuda

Entwickler: Game Freak
Preis: 900 Wii-Punkte (entspricht 9,-€)

Pokémon kennt jeder - die kleinen, niedlichen Biester aus dem Hause Game Freak haben Nintendo immerhin in den 90er Jahren ziemlich den Arsch gerettet und der Firma über dunkle N64-Zeiten hinweggeholfen. Aber auch für Game Freak gab es eine Zeit vor Pokémon und vor Nintendo. Und da ging es weniger um das allseits beliebte Sammeln und Züchten, als um um wilde Jump´n´Run-Action mit Ballereinschlag. Mit Charakterdesign von Poké-Designer Ken Sugimori und Musik von Poké-Komponist Junichi Masuda werden passionierte Monsterzüchter bei Pulseman sogar das ein oder andere musikalische und designtechnische Déjà Vu erleben. Aber auch ohne die Pokémon-Connection ist Pulseman ein exzellentes Actionspiel.

Denn technisch muss sich Pulseman kaum vor den Referenztiteln von Kult-Entwickler Treasure verstecken: Mit seinen zahllosen Effekten und den schicken Szenarien ist Pulseman eines der schönsten Mega Drive-Spiele überhaupt. Und auch spielerisch überzeugt der Elektro-Held: Ein wenig fühlt sich das Spiel wie eine Mischung aus Sonic und Megaman an, durch die Spezialattacken bekommt das Spiel aber trotzdem sein ganz eigenes Spielgefühl.  Kurzum: Ein absolut lohnenswerter Kauf für Actionfans der nach vielen Jahren endlich wieder eine hässliche Lücke in der Mega Drive-Bibliothek westlicher Fans schließt.

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Text Copyright 2009 Thomas Nickel
Screenshots Copyright Quest / Square Enix, Gamefreak / Sega
 
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