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von Alexander Lachwitz
USA 2007, Regie: Katja von Garnier, Drehbuch: Ehren Kruger, Christopher B. Landon, Kamera: Brendan Galvin, Musik: Reinhold Heil, Johnny Klimek, Darsteller: Agnes Bruckner, Hugh Dancy, Olivier Martinez, Katja Riemann Erschienen bei: Kinowelt Preis: 9,95€ Blood & Chocolate bei Amazon.de Vampir- und Werwolffilmen hängt heutzutage generell ein sehr trashiger Beigeschmack an, schon wenn man nur an das Genre denkt. Nicht zuletzt die Blade-Reihe als auch Underworld tragen daran eine nicht geringe Mitschuld, auch wenn man gestehen muss dass beide Reihen durchaus zu unterhalten wissen. Und dann erblickt mein suchendes Auge bei den Schnäppchenangeboten die Schlagwörter „Underworld“ und „Katja von Garnier“ auf dem zugegeben recht billigem Cover einer DVD. Nanu? Geht es Frau von Garnier schon so schlecht dass sie sich für derartiges hergeben musste? Und Katja Rieman auch noch? Ein klarer Fall für Inspektor Gorilla. Die gute Nachricht vorweg: Blood & Chocolate ist eindeutig nicht im Stil von Underworld oder Van Helsing gehalten, wie es der Rückentext verspricht. Auch sind von den Zwölf Produzenten des Films gerade mal drei beim ersten Underwold beteiligt gewesen. Ähnlichkeiten muss man also mit der Lupe suchen. Oh, halt. Es gibt Werwölfe, und die stehen wohl irgendwie auf Blut. Das wars aber auch schon.
Die schlechte Nachricht: Der Film verspricht am Anfang viel, verliert sich dann aber im Laufe der Handlung an ärgerlichen Kleinigkeiten. Abgesehen davon gehört die deutsche Marketing-Abteilung von MGM komplett geteert, gefedert und gefeurt. Vielleicht kriegen sie bei FOX ja neue Jobs. Für alle die mehr wissen wollen, auf der Homepage der Regisseurin kann man den chaotischen Produktions- und Marketingverlauf nachlesen .
Erzählt wird die Geschichte der jungen Vivian, eine Nachfahrin aus einem alten Werwolfgeschlecht. Nachdem sie durch (Wer?)Wolfsjäger in den USA ihre Eltern verloren hat, kehrt sie zum Rest der Werwolfsippe nach Bukarest zurück. Dort ist sie schon bald dem Anführer des Rudels versprochen und laut einer alten Legende könnte sie das Schicksal ihres Volkes entscheidend verändern. Als dann Aiden, ein amerikanischer Graphic-Novel-Autor und Zeichner auf der Bühne erscheint, ahnt man schon worum sich seine Werke drehen. Zugegeben, der Plot ist simpel und schon in unendlich vielen Fassungen durchexerziert worden. Es gibt wenig unvorhergesehenes und das Ende entspricht dem typischen Hollywood-Prozedere. Es sei angemerkt dass es sich um eine Romanverfilmung handelt bei der angeblich sehr viel an der Story geändert wurde, das Buch soll ein exakt gegenteiliges Ende haben.
Aber zurück zum Film. Obgleich nichts besonders neues erzählt wird, geschieht die Erzählung selbst auf angenehm ruhige und nicht zu hektische Weise. Der Beziehung von Vivian und Aiden wird viel Raum gegeben und man bemerkt auch wie das Vivians Umfeld auf den Fremden reagiert. Denn trotz ihrer Mühen Aiden zu schützen, kann sie natürlich nicht verhindern dass er die Wahrheit auf unangenehme Weise erfährt. Bis es soweit ist gibt es einige nette Schauwerte. Sowohl die Beziehung der beiden Hauptfiguren, als auch das Leben des Werwolfsrudels entschädigen für die schlichte Geschichte. Die Riege der Schauspieler ist gut, wenn auch nicht herausragend. Dafür gibt es dennoch einige angenehme Überraschungen. Während Katja Rieman einfach zu wenig Raum und Zeit gegönnt wird um mal mehr als gute Durchschnittsarbeit zu zeigen, enttäuscht Oliver Martinez als Rudelführer leider vollständig. Bryan Dick, als dessen Sohn hingegen weiß da schon deutlich eher zu überzeugen. Zwar bietet seine Rolle nun auch keine herausragenden Möglichkeiten, aber das was ihm zugestanden wird, spielt er charmant und mit einem Schalk dem man gerne zusieht. Auch Hugh Dancy, der den Aiden gibt, sieht man gern bei der Arbeit zu.
Über jeden Zweifel erhaben ist die Kameraarbeit und die Bildkomposition. Anheimelnde und lebendige Stadtbilder und ein verliebtes Paar beim rumturteln, das sind Elemente die in diesem Genre viel zu selten eingesetzt werden. Einigen mag dieser Stil zu bunt und hippig erscheinen, doch zumindest in dieser Hinsicht war Katja von Garnier als Regie eine sehr gute Wahl. Wenn schon Katja Rieman und Katja von Garnier, dann darf Jasmin Tabatabai mit einer Gastrolle als Sängerin natürlich nicht fehlen. Ein Film mit Werwölfen oder Vampiren braucht keine Farbfilter oder überladene Spezialeffekte, dies hat Mr. Griesgram himself, Jack Nicholson schon vor Jahren in Wolf bewiesen. Blood & Chocolate bedient sich bei dem Einsatz von Mimik und Spezialeffekten merklich bei Wolf und ähnlichen Filmen, versucht aber in der Dynamik und Charakterkonstellation dem Aufbau heutiger Mainstreamfilme zu folgen. Während ersteres noch gut gelingt, scheitert der Film bei zweiterem leider, so dass hier leider wenig überraschendes zu erwarten ist.
Es wäre schon viel gewonnen wenn das Drehbuch aus dem ursprünglich interesanten Konzept nicht so viel rausgestrichen hätte. Viele Element und Figuren wurden fast auf Schema F zusammengestaucht. Wäre da nicht die gute Kameraarbeit, eine gute Regie und das streckenweise doch unterhaltsame Spiel der Schauspieler, der Film hätte sein mieses Marketing fast schon verdient. Wer sich für klassischen Werwolfhorror interessiert, der sollte besser gleich weitergehen. Wer hingegen an Romanzen interessiert ist und sich auch mit eher seichten Themen anfreunden kann, der wird hier für einen Abend ganz gut unterhalten. Besser als die übliche Romanzen-Massenware ist der Film allemal, und Bukarest bei Tag sieht man auch selten in so schönen Bildern. Also, nicht zu viel nachdenken, sondern einfach genießen. Und für Meyer-Fans die den Start von New Moon nicht abwarten können, bietet der Film eine gute Überbrückungshilfe.
Es wäre interessant zu sehen was Katja von Garnier abgeliefert hätte wenn es hinter den Kulissen besser gelaufen wäre. So bleibt ein netter Versuch, mit einigen unschönen Mängeln. Geschmeckt hat mir Blood & Chocolate dennoch, schon allein weil der Film ganz weit weg vom billigen Effekthorror geht und zumindest den Versuch unternimmt gutes Schauspielhandwerk abzuliefern. Text Copyright Alexander Lachwitz 2009 Bilder Copyright Kinowelt |