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So finster die Nacht

finstervon Alexander Lachwitz

Schweden (2008), Regie: Tomas Alfredson, Drehbuch: John Ajvide Lindqvist, Produktion: Carl Molinder, John Nordling, Kamera: Hoyte Van Hoytema, Musik: Johan Söderqvist, Darsteller: Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl, Karin Bergquist, Peter Carlberg, Ika Nord, Mikael Rahm

erschienen bei: Ascot Elite Home Entertainment
Preis: ca. 15€ So finster die Nacht bei Amazon.de

Im Grunde könnte ich an dieser Stelle einfach auf meinen Text zum Roman verweisen, denn eigentlich hält sich die Verfilmung, einiger Abweichungen zum Trotz, sehr nahe ans Original. Aber wer wären wir denn, euch so billig abzuspeisen?

Schweden, irgendwann in den 80er Jahren in Blackeberg, einem Vorort von Stockholm. Der kleine Oskar, weniger pummelig als im Buch aber trotzdem gut verkörpert, wird von seinen Mitschülern systematisch gehänselt und als Prügelknabe missbraucht. Wenn niemand hinsieht, gibt Oskar sich entsprechenden Rachephantasien hin und sammelt zudem akribisch Zeitungsberichte über die verschiedensten Mordfälle. Die geschiedene Mutter kriegt von all dem natürlich nichts mit, hat sie doch genug damit zu tun, den kargen Lebensstandard zu erhalten und sich der Illusion hinzugeben, dass die Familie eine zufriedenstellende Existenz führt.

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Dann wäre da Eli, ein scheinbares Kind mit ihrem scheinbaren alleinerziehendem Vater Håkan. Schnell erfährt man aber, dass die Rollenverteilung eher umgekehrt ist, schließlich ist Eli nichts weniger als einer der traurigsten Vampirfiguren seit langem. Zwar wird dem Zuschauer schnell klar, dass sie ein Vampir ist, doch vergeudet der Film keine Zeit damit auf besondere Fähigkeiten oder Eigenarten ihrer Vampirnatur näher einzugehen. Das nötigste erfährt man im Grunde nebenbei, wodurch der Mythos des Unheimlichen großteils gewahrt bleibt.
Früh lernt sie Oskar kennen und als Zuschauer bemerkt man sofort dass hier zwei Einzelgänger aufeinandertreffen die bei genauerer Betrachtung mehr gemein haben als es zuerst scheint.

Unterdessen geht Håkan einem eher ungewöhnlichen Tagewerk nach ... oder eher Nachtarbeit. Wenn es dunkel wird lauert er nämlich Kindern auf, um an ihr Blut zu kommen, damit seine blutsaugende Gefährtin nicht selbst jagen muss. Obgleich er ihr hörig ist, sorgt er sich auch um ihre Sicherheit und tut alles um jegliche Hinweise auf ihre Existenz zu vermeiden.

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Einerseits bereitet er alles in Ruhe vor, um Spuren zu vermeiden und Problemen aus dem Weg zu gehen, andererseits scheitert er in der Durchführung jedoch oft an kleinen Details. Und genau das stellt den Ursprung seiner Schwäche dar, die sein gesamtes Handeln wie ein blutroter Faden durchzieht. Dieses Muster trifft auf alle Protagonisten des Films zu; werden sie doch durch ihre scheinbaren Schwächen am stärksten definiert.

Was folgt ist die tragische Geschichte einer aufkeimenden Kinderfreundschaft. Denn obgleich Eli durch ihre Existenz als Vampir ein Monster ist, ist sie gleichzeitig auch noch immer ein Kind.
Nicht nur Oskars Faszination am Morbiden ist es zu verdanken, dass er trotz Elis Geheimnis, welches er bald entdeckt, weiter zu ihr hält. Schließlich werden sie beide in Einzelgängerrollen gedrängt. Die Eine durch die ihr auferzwungene Natur, der Andere durch eine Umwelt die ihn entweder nicht verstehen will oder nur als Prügelknaben begreift. Wer will es also verurteilen dass, sich diese beiden Kinder in der für sie so kalten Welt zusammentun?

Fans des Buchs können jedenfalls aufatmen, geht der Film doch, allen Kürzungen zum Trotz, extrem respektvoll mit der Vorlage um. Im Buch erfährt man zwar noch andeutungsweise etwas über Eli's Fähigkeit ihren Körper in eine Gargylenhafte Form zu verwandeln, doch würde dies im Film eher irritieren, folgt dieser doch der Maxime sich auf das wichtigste zu konzentrieren. Abgesehen davon gibt es Mensch-Monster-Verwandlungen doch schon seit Jahrzehnten in allen möglichen Filmen, also nichts das man wirklich vermissen würde.

Auch dass Håkans Schicksal deutlich kürzer gehalten als im Buch gehalten ist, lässt sich verschmerzen, wurde die Zeit, die ihm im Film gewährt wurde, doch hervorragend genutzt. Zugegeben, er wirkt etwas humaner als im Buch und weniger verloren, aber dies würde das Aufmerksamkeit wohl auch zu stark vom Wesentlichen Ablenken.
Bei den vielen Nebenfiguren wurde am Meisten gekürzt. Bis auf die Trinkerrunde mitsamt Anhang kriegt man vom Rest nur noch wenig mit. Ein wenig bedauerlich ist das schon, da die Gestaltung von Oskars Mitschülern im Buch über die Rolle schlichter Peiniger hinaus ging.

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Doch das Drehbuch(geschrieben vom Autoren der Romanvorlage, John Ajvide Lindqvist)
und Regisseur Thomas Alfredson gleicht die Kürzungen gut aus, indem es sich auf die verbliebenen Figuren konzentriert und jeden Auftritt der einzelnen Figuren gekonnt nutzt, ohne die einzelnen Szenen zu überfrachten. Das trübsinnige Gefühl, solchen Figuren in der Realität auch schon begegnet zu sein, springt hier genauso akurat über wie im Buch, und die Stimmung der Vorlage wird ausgezeichnet eingefangen. Viele der längeren Dialoge wurden gekürzt, aber die Essenz ist immer noch vorhanden und die Bildsprache übernimmt einen Großteil der Arbeit, die im Buch von den Dialogen verrichtet wurde.

Die Spannungskurve hingegen hat einen vollkommen anderen Verlauf als im Roman. Dort gab es beispielsweise mehrere Handlungsebenen, die sich immer wieder kreuzten und konstant aufs Finale zusteuerten.
Der Film indess nimmt sich mehr Zeit, die Figuren und ihre Motive zu beleuchten. Das Zögern und Zaubern ist hier ein stetiges Element, dass jeder Figur anhaftet. Sie alle versuchen ihre Grenzen zu überwinden, doch nur Wenigen gelingt es schließlich, ihr Ziel zu erreichen. Wo in den meisten Mainstreamfilmen der Gegenwart selbst die schwachen Nebenfiguren in Todesgefahr noch große Taten vollbringen, scheitern die meisten hier tragisch und zeigen dadurch nur umso stärker wie menschlich sie doch sind.

So ist man schließlich auch ein wenig erleichtert, wenn der Abspann beginnt und schließlich in die Realität heimkehren kann. Gerade weil sie so unbequem nahe an der Unsrigen ist, bleibt man ungern zu lang in dieser Filmwelt. Darin zeigt sich das bemerkenswerte Talent von Tomas Alfredson. Erst seine Kürzungen und dezenten Änderungen haben es ermöglicht, dass der Film eine derart getreue und stimmige Umsetzung geworden ist, wie sie dieses Buch ohne Zweifel verdient.

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Zudem hat er sich, klassischer Methoden der Bilddarstellung bedient, ähnlich wie das Buch alte Erzählmuster zelebrierte. Hier gibt es keine hektischen Kamerafahrten, keine schnellen Schwenks oder derart schnelle Schnitte, dass man dem Geschehen auf der Leinwand nicht mehr folgen kann. Die Kamera steht oft weit weg und beobachtet das Geschehen in Ruhe. Umso mehr greift dann der Schock, wenn plötzlich für einen kurzen Moment Gewalt ausbricht.

Neben der Kameraführung ist im übrigen auch die Bildkomposition sehr gelungen. Sie trägt einen guten Teil dazu bei, die Atmosphäre der Kälte und Einsamkeit einzufangen und regelrecht greifbar zu machen. Wie oben schon erwähnt, sind umständliche Erklärungen wegen der greifbare Bildsprache oft obsolet.

Thomas Alfredson will nach eigenem Bekunden keinen weiteren Horrorfilm drehen. Dennoch warten wir weitaus gebannter auf sein nächstes Werk als auf das kürzlich angekündigte US-Remake.

Text Copyright Alexander Lachwitz 2009

Bilder Copyright Ascot Elite Home Entertainment

 
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