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Tales of Monkey Island: Launch of the Screaming Narwhal
talesvon Thomas Nickel

System: PC, Nintendo Wii
USA (2009), Director, Writer: Mike Stemmle, Art Director: David Bogan, Derek Sakai, Lead Programmer:
Randy Tudor, Lead Environment Artist: Kim Lyons, Director of Design: David Grossman, Visiting Professor of Monkeyology: Ron Gilbert

Entwickler: Telltale Games
Erschienen bei: Telltale Games, Lucasarts
Preis: 10€ (Wii) 

Die Behauptung: Der einfachste und kostengünstige Weg, ein Spiel aufzuwerten ist ein gutes Skript. Der Beweis: Die erste Episode der Tales of Monkey Island, Telltales episodische Fortsetzung der zurecht kultisch verehrten Adventurereihe aus dem Hause Lucasarts. Klar, Telltale Games ist mittlerweile eine feste Größe in der Adventurewelt: der kleine, engagierte Hersteller episodischer Abenteuerkost hat sich mit zwei Staffeln Sam & Max, den Strong Bad-Spielen für Wii und vor kurzem erst der exzellenten ersten Wallace & Gromit-Episode mehr als bewiesen. Trotzdem stellt die Monkey Island-Fortsetzung in gewisser Weise schon die Königsklasse dar. Die Abenteuer von Guybrush Threepwood gehören zu den essentiellsten, beliebtesten und tatsächlich wohl auch "wichtigsten" Spielen aller Zeiten und der Name Monkey Island alleine weckt bei der Spielerschaft eine Erwartungshaltung die so manchem Studio schlaflose Nächte bereiten würde.

Aber wie gesagt - bei Telltale war Guybrush schon in guten Händen, ein Schicksal wie es Adventure-Kollege Larry wiederfahren ist konnte man ein von vorne herein ausschließen. Und trotzdem war es eine echte Erleichterung als sich nach den ersten Spielminuten endgültig herausstellte: Tales of Monkey Island ist ein würdiger Nachfolger. Skript, Rätsel, Figuren - all die entscheidenden Elemente sind wunderbar durchdacht, ergänzen sich gegenseitig und halten den Spieler stets bei der Stange, und wenn sich Telltale wie man es gewohnt ist innerhalb einer Reihe von Teil zu Teil steigert, dann lässt die erste Episode mit ihren vier bis fünf Stunden Spielzeit absolut großes für die weiteren Teile erwarten.

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Nach einem anfänglichen Showdown mit seinem alten Erzrivalen LeChuck findet sich Guybrush nach einer unglücklichen Verkettung von Ereignissen (an der er selbst nicht ganz unschuldig ist) auf der runtergekommenen Insel Flotsam Island wieder. Und dort sitzt er fest, denn seit Monaten schon bläst kein Wind von der Insel weg, die Piraten sind gestrandet und verbringen ihre Zeit mit der Suche nach seltenen Porzellan-Actionfiguren oder dem Glasbläserei. Das ist natürlich nichts für Guybrush - der muss schnellstens Weg um endgültig mit LeChuck abzurechnen und seine Elaine wieder in die Arme zu schließen. Aber bis er das Geheimnis der Winde herausfindet ist viel zu tun.

Die erste Monkey Island Episode spielt fast komplett auf Flotsam Island - recht praktisch für ein episodisches Spiel. Eine Handvoll Locations in denen Guybrush auf sieben aberwitzige Charaktere trifft, durchgehend logische, oft angenehm clevere Rätsel und natürlich extrem witzige (englische) Dialoge unterhalten über die gesamte Spielzeit prächtig und das ganze Spiel ist am Ende dann auch soweit in sich abgeschlossen, dass Guybrush in der Fortsetzung gleich neue Orte erkunden darf. Ein Schauplatz-Recycling wie bei den früheren Sam & Max-Episoden soll es bei Monkey Island nicht geben - das macht den Preis von 7-10 Euro pro Episode dann auch tatsächlich zu einem sehr fairen Angebot.

Für einigen Unmut bei den PC-Veteranen sorgt zunächst die Steuerung. Die bietet eine Mischung aus klassischem Point&Click und direkter Kontrolle: Mit der Tastatur wird Guybrush über Flotsam Island dirigiert, Interaktionen werden klassischer per Maus ausgelöst - Puristen stößt das sauer auf, auch wenn es eine reine Maus-Alternative gibt. Auf Wii ist das gleich weit weniger dramatisch, die Nunchuk-Wiimote-Steuerung geht locker-flockig von der Hand und fühlt sich wunderbar natürlich ein. Dafür hat die Wii-Fassung aber andere... Probleme.

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Denn Telltale hatte offenbar seine liebe Not mit Nintendos Speichervorgaben. Denn bei etwa 40MB machen die Japaner bei WiiWare-Spielen den Sack zu - eigentlich viel zu wenig für ein Spiel wie Monkey Island. Und da Telltale inhaltlich keine Kompromisse eingehen wollte, musste dann eben komprimiert werden. Stark komprimiert. Das Ergebnis der Aktion: Sehr schwache, niedrig aufgelöste Texturen, oft etwas zu kratzige Sprachausgabe und ein starker Schluckauf-Effekt bei Scrolling und Kamerafahrten. Keine Frage, auf PC sieht das Spiel dramatisch schöner aus und wer den entsprechenden Rechner hat, der sollte auch zu dieser Version greifen.

Und trotzdem ist das erste Tales of Monkey Island auch auf Wii ein exzellentes Spiel. Denn wie eingangs schon gesagt: Der einfachste und kostengünstige Weg, ein Spiel aufzuwerten ist ein gutes Skript. Und eben aus diesem Grund kann man über Ruckeleien und N64-Texturen auch hinwegsehen und sich stattdessen über die Gespräche amüsieren und das klassische Hochgefühl erleben wenn man eines der cleveren, logischen Rätsel geknackt hat. Und deswegen spielt man ja letzten Endes auch Adventures, wen interessiert dann noch die Grafik?

Text Copyright Thomas Nickel 2009

Bilder Copyright Telltale Games

 
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