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Lena Falkenhagen: Die Lichtermagd
lichtermagdvon Alexander Lachwitz

Autor: Lena Falkenhagen
Erschienen bei: Heyne
ISBN: 978-3453405684
Preis: ab 8,95Die Lichtermagd bei Amazon.de

Die Lichtermagd ist nach Das Mädchen und der schwarze Tod ihr zweiter historischer Roman, diesmal angesiedelt im Nürnberg des Jahres 1349. Geschichtlich bewanderte Personen ahnen vielleicht schon worum sich die Handlung dreht. Doch ehe es zur großen Politik kommt schildert die Autorin gekonnt zuerst das alltägliche Leben damals mit seinen Mühen und Hindernissen.

Die Hauptfigur Luzinde kann man zu Begin wirklich als recht naives Ding bezeichnen. Da sie sich mit jemandem Einließ der schon einer besseren Partie versprochen war, nahm man ihr kurzerhand das Kind aus dieser Affäre gleich nach der Geburt weg und verstieß sie. Mit letzter Kraft schafft sie es zu einem Beginnenkloster wo sie eine Anstellung als Magd findet. Wohlweislich verschweigt sie ihre Schande um nicht hinausgeworfen zu werden.

Natürlich kommt es wie es kommen musste. Luzinde wird, in Form der Frau ihrer früheren Affäre, von ihrer Vergangenheit eingeholt und aus dem Kloster geworfen. Sie begibt sich ins nahe Nürnberg und hofft dort Arbeit zu finden, doch überall stößt sie mit ihrer zögerlichen Art und dem Versuch ihre Schande zu verbergen auf Ablehnung. Ehe sie vollends in der Gasse verendet entschließt sie sich, aller Zweifel und Bedenken zum Trotz, das Angebot eines alten Juden anzunehmen um als Lichtermagd für ihn in seinem Haushalt zu arbeiten.

Ihre Zweifel und Ängste als Christin in einem Judenhaus zu arbeiten sind dabei mindestens so groß wie die Vorurteile die ihr von Teilen der jüdischen Familie entgegengebracht werden. Nur langsam findet sie sich in ihre Arbeit ein und lernt die seltsamen Sitten und Bräuche der Juden zu verstehen.
Unterdessen hat Karl IV der Stadt einen Besuch abgestattet und im Stadtrat werden Pläne geschmiedet um Nürnberg zum größten Marktflecken zwischen Paris und Venedig zu machen. Damit will man Nürnberg für den zukünftigen Kaiser Karl unverzichtbar machen. Allerdings müssen dazu die Juden aus der Stadt verschwinden um Platz für einen Marktplatz zu schaffen.
Mehr will ich von der Handlung nicht verraten, denn die Richtung ist ja nun schon absehbar und ein Blick in die Geschichsbücher verrät das Ende der Geschichte. Interessanter als das Ende ist aber der Weg dahin.

Luzinde gerät im Laufe der Handlung zwischen die Fronten und muss immer wieder notgedrungen Lügen um zu überleben, und jene zu schützen die ihr wichtig geworden sind. Immer stärker fürchtet sie um ihr Seelenheil, kann aber den Zwängen zu Lügen und sich zu verstellen nicht entkommen.
All dies ist sehr gut und glaubwürdig dargestellt. Auch die ungewohnte Situation, dass eine Christin sich in einer jüdischen Familie einfinden muss, hebt das ganze aus den altbekannten Mustern hervor. Man kann zwar drüber streiten ob so etwas damals wirklich möglich gewesen wäre, aber das wäre müssige Haarspalterei.

Während sie sich hier also auf recht selten bereisten Terrain bewegt, gibt es beim Thema historischer Judenfeindlichkeit an sich wenig neues zu berichten. Zweifellos gelingt der Autorin der Spagat die Anfeindungen und Übergriffe ohne falsche Scheu zu schildern, aber sie gleitet auf keiner der Seiten in Vereinfachungen oder Vereinheitlichungen ab.
Bei den Nebenfiguren schwankt die Darstellung von durchschaubaren Schema-F-Figuren, bis zu glaubwürdigen und durchweg interessanten Akteuren. Lena Falkenhagen gelingt es dabei die Präsenz der erstgenannten Gruppe nicht zu auffällig zu gestalten, so dass man sich an ihnen garnicht weiter stört und statt dessen ihre tragende Rolle stärker wahrnimmt.

Alles in allem kann man dem Buch trotz seiner tragischen Grundstruktur Lena Falkenhagens Ursprünge im heldenhaften Fantasy-Bereich noch anmerken. Der endgültige Sturz ins tragische, den man über lange Strecken nicht ausschließen mag, kommt am Ende doch nicht. Aber das tut dem Buch keinen Abbruch. Es weiß gut zu unterhalten, hat eine sehr interessante Handlung die durch geschickte Wendungen spannend bleibt und ist zudem um historische Korrektheit bemüht. Fazit: Eine gelungene Mischung aus Historienroman und kurzweiligem Abenteur. Bitte mehr davon Frau Falkenhagen.

Text Copyright Alexander Lachwitz 2009

Cover Copyright Heyne
 
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