von Konrad Feldschmid Indien/ GB/ USA (2006), Regie: Tarsem Singh, Drehbuch: Dan Gilroy, Nico Soultanakis, Tarsem Singh, Kamera: Colin Watkinson, Musik: Krishna Levy, Darsteller: Catinca Untaru, Lee Pace, Justine Waddell, Robin Smith, Leo Bill, Marcus Wesley erschienen bei: Alive Preis: ca. 15€ The Fall bei Amazon.de In The Fall gibt es zwei Erzählstränge – eine Geschichte und eine Geschichte in der Geschichte. Der eine spielt in einem Krankenhaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der andere an phantastischen Orten in der ganzen Welt; beide sind auf ihre ganz eigene Art packend und sehr gekonnt miteinander verwoben. Der Erzählstrang im Krankenhaus dreht sich um das kleine Mädchen Alexandria und den Stuntman Roy Walker. Alexandria hat sich den Arm gebrochen; bis der Bruch ganz verheilt ist, darf sie nicht nach Hause und so schleicht sie sich im Krankenhaus herum und vertreibt sich die Zeit. Dabei trifft sie zufällig auf Roy, der sich bei einem Stunt schwer verletzt hat und auch sonst nicht der Glücklichste ist. Roy verspricht Alexandria, ihr eine Geschichte zu erzählen von großen Helden, die in fernen Ländern Rache nehmen wollen an einem bösen Gouverneur. Allerdings stellt Roy Alexandria Bedingungen: Sie muss ab und an ein paar Aufträge für ihn erledigen.
Dieser Teil von The Fall ist nicht bloß eine einfache Rahmenhandlung für die Heldengeschichte. Bald schon spitzt sich das Geschehen im Krankenhaus zu, die traurigen und tragischen Schicksale von Roy und Alexandria werden aufgedeckt und es entwickelt sich eine ergreifende Beziehung zwischen den beiden. Dass die Krankenhausgeschichte so gut funktioniert, liegt vor allem an der Darstellung von Catinca Untaru, welche so authentisch ihre Rolle eines kleinen Mädchens spielt, dass man ganz verzaubert ist. Besonders beeindruckend ist Catinca Untaru, wenn Alexandria nicht richtig versteht, was in der Erwachsenenwelt vorgeht und trotzdem auf ihre kindliche Art darauf reagieren will und damit umzugehen versucht.
Das spielt auch im zweiten Erzählstrang eine wichtige Rolle. Die Heldengeschichte ist zwar über weite Strecken nicht besonders spannend, gewinnt aber durch ihre eigenartige Perspektive: Es handelt sich um eine Erzählung, die sich der nur mäßig talentierte Geschichtenerzähler Roy spontan ausdenkt, gesehen durch die Augen der nur teilweise begreifenden Alexandria. Entsprechend sehen alle Figuren, alle Kostüme und alle Orte genau so aus, wie ein kleines Kind sie sich vorstellen würde – teils überzogen und meist sehr bombastisch. Auch geht schon mal eine staubige, verlassene Gebirgslandschaft über in ein Tal voller saftig-grünem Gras und exotischer Menschen, Logiklücken treten auf, Roy vergisst ein Ereignis, das er zuvor angekündigt hat und an anderen Stellen überredet Alexandria Roy, die Handlung doch lieber anders verlaufen zu lassen. Heraus kommt eine kindlich-liebevolle Phantasie-Welt voller genüsslicher Brüche.
Wie kein Zweiter versteht Regisseur Tarsem Singh es, diese Welt in Bilder zu fassen. Dabei setzt er nicht auf Effekte aus dem Computer; stattdessen bereiste er die halbe Welt und fand malerische Landschaften, sowie prächtige und oft skurrile Bauten. Unendliche Wüsten, verwinkelte Labyrinthe und blaue Dörfer ziehen in so kräftigen Farben über den Bildschirm, lassen Tarsem Singhs Aufnahmen so opulent wirken, dass der Film auch ganz ohne Handlung sehenswert wäre. Mit Handlung ist er doppelt zu empfehlen. Text Copyright Konrad Feldschmid 2009 Bilder Copyright Alive |