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Gorilla des Monats

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G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra
GiJoevon Thomas Nickel

USA (2009), Regie: Stephen Sommers, Drehbuch: Stuart Beattie, David Elliot, Paul Lovett, Michael Gordon, Stephen Sommers, Kamera: Mitchell Amundsen, Musik: Alan Silvestri, Darsteller: Adewale Akinnuoye-Agbaje, Christopher Eccleston, Joseph Gordon-Levitt, Byung-hun Lee, Sienna Miller, Rachel Nichols, Ray Park, Dennis Quaid, Channing Tatum, Arnold Vosloo, Marlon Wayans

erschienen bei: Paramount Pictures International Germany

Eigentlich könnte ich es mir komplett sparen, hier noch so etwas wie eine Kritik zu schreiben. Bei einem Film wir G.I. Joe ist es letzten Endes völlig egal, was man als Kritiker dazu sagt oder schreibt. Was soll ich besprechen? Die Handlung? Es ist doch klar, dass der Plot mehr Löcher hat als Schweizer Käse, dass die Figuren durchschaubar sind wie eine frisch geputzte Glasscheibe an einem klaren Frühlingsmorgen und dass die einzige Botschaft des Films unterm Strich lautet "Kauft die Actionfiguren, das Videospiel und freut euch auf die DVD und die BluRay, mit der könnt ihr eure teure Anlage endlich mal wieder ordentlich durchpusten!".

Soll man auf Kameraarbeit und Regie eingehen? Die sind beide ist durchweg zweckmäßig und effizient. Ein Typ schießt, etwas wird getroffen und explodiert. Ursache und Wirkung. Actionszenen entstehen zu 95% ohnehin am Rechner machen den gerne gezogenen Vergleich zu einem Videospiel redundant. Was Stephen Sommers und seine Handlanger da auf die Leinwand knallen, das ist so überdreht, so hektisch, so abgehoben und so chaotisch, dass kein Spieler der Welt hier auch nur ansatzweise den Durchblick hätte was passiert und was er jetzt tun sollte. 

Vielleicht der Faktor Nostalgie? Tut mir leid, damit kann ich nicht dienen, hatte ich in jungen Jahren doch niemals eines der G.I. Joe-Männlein und Weiblein besessen und kann mit Namen wie Storm Shadow, Snake Eyes oder Duke keinerlei frohe Erinnerungen an unbeschwertere Kindheitstage verbinden. 

GiJoe

Stellt sich also die Frage, was da bleibt. Und die lässt sich doch recht einfach runterbrechen. Habe ich mich in den knapp zwei Stunden, die G.I. Joe gedauert hat amüsiert? Ja, irgendwie schon. Ich habe gestaunt, wie sehr Marlon Wayans Charakter Ripchord jedes, aber auch wirklich jedes Klischee des lustigen, schwarzen Sidekicks (in manchen Kreisen angenehm politisch inkorrent als "Happy Neger" bezeichnet) durchzieht. Ich habe ungläubig dreingeschaut, als die "Joes" bei ihrem Paris-Einsatz die halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt und das amerikanische 9/11-Trauma mit einem umkippenden Eiffelturm aufs allersubtilste angedeutet und dabei - gewollt oder nicht gewollt - wie die Realfilmfassung von Matt Stones und Trey Parkes Team America gewirkt haben. Das ist schon eine nette Art von Amusent. Wohl nicht die, die von den fünf (FÜNF!) Autoren beabsichtigt war, aber immerhin.

Haben mich die Actionszenen beeindruckt? Kann ich eigentlich nicht sagen. Ebenso wie Michael Bays umstrittener (so mancher Kollege hier hält ihn für einen verkappten Kunstfilm) Transformers 2 zelebriert G.I. Joe derartig schamlos den reinen Exzess, dass sich der durchschnittliche Zuschauer nach einer gewissen Zeit einfach an das Dauerbombardement von Schnitten, Geballer und Explosionen gewöhnt hat und irgendwann doch beginnt, die für einen Film wie G.I. Joe so fatale Frage nach Sinn und Zweck des Ganzen zu stellen. Kann ein schwarzer Sidekick in einem Superflugzeug zwei simultan gestartete Raketen auf dem Weg nach Washington und Moskau wirklich nacheinander abfangen? Fliegt er schneller als eine Rakete um die ganze Welt? Warum hauen sich der schwarze und der weiße Ninja die ganzen Zeit (Antwort: Weil sie das schon immer so gemacht haben!) Ist das alles wichtig? Nein, natürlich nicht.

 

Man fragt sich doch, ob die ganzen Gestalten da auf der Leinwand wissen, was sie da eigentlich tun...  wie schaffen es Christopher Eccleston und Dennis Quaid, ihre völlig überzogenen Rollen mit soviel Overacting zu füllen, dass sie nicht schon während die Kamera läuft in Lachen ausbrechen müssen? Irgendwie eine respektable Leistung. Und wenn ich hier in diesem Artikel schon all diese Fragen stellen, dann muss man auch tatsächlich mal provokant fragen: Ist G.I. Joe eigentlich noch ein Film? Ist er nicht viel eher das zentrale Bindeglied einer Vermarktungskette von Actionfiguren, Videospielen, Frühstücksflocken und all dem anderen Firlefanz der heute soviel Kohle in die Konzernkassen spült?

Natürlich ist G.I. Joe das. Aber trotzdem ist er auch ein Film. Natürlich ist er nach klassischen Filmkritik-Maßstäben ein völliges Machwerk - inhaltsleer, vollgepackt mit Militär-Pornographie und garniert mit einem dümmlichen Plott den auch die permanenten Explosionen nicht überdröhnen können. Aber so hart es klingt, diese Maßstäbe sind für G.I. Joe auch mittlerweile irrelevant. Gemeinsam mit Transformers 2 stellt G.I. Joe den momentanen Zenit (oder Nadir - je nach Sichtweise) des Phänomens Sommer-Blockbuster dar, das Ergebnis einer langsamen Entwicklung die man zynisch als die Bruckheimerisierung des Actionfilms bezeichnen mag. Aber ist das überhaupt noch interessant?

GiJoe

Natürlich kann man dann lange lamentieren, sich lustig machen und wettern, dass ein Film wie G.I. Joe Millionen von Leuten ins Kino lockt während ein (unterhaltsames!) Kunstwerk wie The Fall von der breiten Masse ignoriert wird. Aber sind wir ehrlich - all das haben wir tausend mal gelesen, als intelligente Medienkonsumenten (als die man sich als Gorilla-Besucher automatisch ansehen kann) sicherlich unserem sozialen Umfeld auch schon tausend mal gepredigt... also sparen wirs uns. Und wenn ihr noch so etwas wie ein abschließendes Fazit wollt: Letzten Endes hat G.I. Joe immerhin mehr Charme als Michael Bays transformierende Robo-Chaoten und stellt zumindest die namensgebenden Protagonisten in den Vordergrund, anstatt sie neben einer Schar attraktiver JungschauspielerInnen zum scheppernden Beiwerk zu degradieren. Das ist doch zumindest etwas. 

Und wie gesagt - unterhalten wurde schon. Vielleicht nicht immer so, wie von Ex-Mumiendompteur Stephen Summers beabsichtigt, aber immerhin.

Und da wir hier schon diese Kommentarfunktion haben wüßte ich dann doch einmal gerne von EUCH, ob ihr G.I. Joe sehen werdet, ihn meidet wie die Pest und wenn ihr ihn dann gesehen haben solltet, was eure Meinung dazu ist. 

Text Copyright Thomas Nickel 2009

Bilder Copyright Paramount Pictures International Germany

 
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