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Adrian Tomine – Shortcomings
shortvon Michael Steber

Auto, Zeichner: Adrian Tomine

Erschienen bei: Drawn & Quarterly
ISBN: 1897299168
Preis: 14,30 € Shortcomings bei Amazon.de

Das Wort Shortcomings steht im Englischen für Unzulänglichkeiten und kleine Makel, die sich nicht nur im technischen Bereich, sondern gerade auch ganz alltäglich in den Persönlichkeiten der Menschen finden lassen. An eben solchen Shortcomings mangelt es auch den Protagonisten in Adrian Tomines gleichnamiger Graphic Novel nicht. Dabei ist dem kalifornischen Zeichner und Autor, der inzwischen in Brooklyn lebt und sich unter anderem mit Coverillustrationen für den New Yorker einen Namen gemacht hat, ein lebendiges Porträt der jüngeren asiatisch-amerikanischen Generation und deren Suche nach Identität gelungen.

Im Zentrum der Geschichte steht das Leben des dreißigjährigen Ben Tanaka, der sich als Betreiber eines Kinos mehr schlecht als Recht über Wasser hält und zudem immer öfter mit seiner ebenfalls japanisch-amerikanischen Freundin Miko in Streit gerät. Stein des Anstoßes ist dabei der begründete Vorwurf von Miko, Ben würde sich doch eigentlich vielmehr zu weißen und nicht zu asiatischen Mädchen hingezogen fühlen. Als sich die beiden immer weiter voneinander entfernen, sucht Ben Rat bei seiner lesbischen Bekannten Alice, die allerdings meist ihre ganz eigenen amourösen Interessen verfolgt und prekäre Gegenleistungen fordert, so zum Beispiel als Ben sich vor ihren Eltern als ihr Freund ausgeben muss, um ihre sexuelle Orientierung zu vertuschen. Die koreanische Abstammung der Familie von Alice lässt dabei den japanischstämmigen vermeintlichen Fiancé zum Problem werden.

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So beschreibt Shortcomings oberflächlich betrachtet zunächst einmal das Auseinanderdriften zweier Menschen. Wenn Miko für ein Praktikum nach New York geht, dann ahnt man bereits Schlimmes für ihre Beziehung zu Ben und wird insofern darin bestätigt, dass beide Parteien dies als eine willkommene Auszeit vom überdrüssigen Partner betrachten und sich die Gelegenheit zu neuen Erfahrungen nicht nehmen lassen. Doch die Gegensätzlichkeit spielt nicht nur in der Beziehung von Ben und Miko eine Rolle, sondern findet sich in zahlreichen weiteren Motiven. So ist ein wesentlicher Aspekt auch die Frage nach Identität dieser asiatisch-amerikanischen Generation, die sich entscheiden muss, ob sie ihre asiatischen Wurzeln auch heute noch hervorhebt oder ob sie stattdessen vollkommen in der amerikanischen Kultur aufgeht. Unmittelbar in der Biographie des shortAutors begründet ist hingegen wohl der Gegensatz zwischen der Bay Area an der Westküste und New York als kreativem Mekka an der Ostküste.

Tomine bleibt dabei in der Darstellung dieser Motive stets am Boden und erschafft mit seinem realistischen Stil und seiner authentischen Sprache Figuren, die in ihren Handlungen und Gefühlen weit über eindimensionale Charaktere hinausgehen. So ist es wohl die größte Leistung von Shortcomings, dass der Leser es hier mit echten Menschen zu tun hat. Zusammen mit der seiner originellen Thematik macht dies Tomines Werk zu einer uneingeschränkten Empfehlung. Das in den USA hochgelobte Graphic Novel ist bisher nicht auf Deutsch erschienen, was allerdings angesichts der gelungenen Dialoge zumindest für englischkundige Leser nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

Text Copyright Michael Steber
Bilder Copyright Adrian Tomine

EINE LESEPROBE IM PDF-FORMAT FINDET IHR HIER.

 
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