Autor: Peter SchwindtErschienen bei: Loewe Verlag Preis: € 16,90 ISBN: 3-7855-5875-9 Rosalie hat Geburtstag. Eigentlich ein Grund zum Feiern, aber in Rosalies Leben bedeutet ein Geburtstag auch immer etwas bedrückendes und trauriges. Es ist nämlich zugleich der Tag, an dem ihre Mutter ins Koma gefallen und seitdem nicht wieder erwacht ist – seit 16 Jahren. Allerdings hat Rosalie gelernt, damit umzugehen. Ihr Vater, ein berühmter Neurologe, konnte ihre Mutter in seinem Krankenhaus unterbringen und ihr die beste Behandlung zuteil werden lassen, so dass zumindest der Hauch einer Hoffnung besteht. Es verspricht also ein weiterer trister Tag voller trauriger Versuche, eine gute Stimmung zu erzeugen, zu werden – als Rosalie zum ersten Mal die Stimmen hört. Zuerst glaubt sie natürlich an Einbildung, Übermüdung, Stress, was auch immer. Schließlich ist sie in der Schule alles andere als begeistert und ihre Freunde wissen sie auch nicht so recht zu motivieren, im Gegenteil, sie nerven ohnehin nur. Und da sieht Rosalie auch zum ersten Mal den unheimlichen Mann im Hausmeisterkittel auf dem Schulhof. Und später wieder im Keller der Schule, als sie ihre Strafarbeit antreten soll. Ein unsympathisches Gesicht, die Augen anklagend weit aufgerissen – aber auf nichts reagierend. Und niemand anders kann ihn sehen außer ihr. Die Spur führt das Mädchen in die Katakomben von Paris. Dort, wo sich eigentlich nur wenige sogenannte „Kataphile“ treffen, die nachts verbotene Partys feiern und sich gegenseitig nur mit Nicknames anreden, sucht sie nach ihrer Vergangenheit. Verbündete gegenüber dem unbekannten Grauen findet sie in ihrem besten Freund, dem Afrikaner Ambrose, sowie ihrer Großmutter, die aus Rosalies paranormalen Begegnungen Parallelen zum Leben ihrer Mutter zieht – und ihr damit mehr als einen Schauer über den Rücken jagt. Und schließlich tritt ein reicher, stadtbekannter Katakombenforscher auf den Plan, dessen Aufmerksamkeit sie erregt und der versucht, sie auf seine Seite zu ziehen. Doch als Rosalie in einem unbeobachteten Moment beginnt, nach seinen Beweggründen zu suchen, wird die Geschichte immer unheimlicher. Sie wagt mehrere Ausflüge in die Pariser Unterwelt, um Licht in das verworrene Puzzle zu bringen, das alle Personen verbindet – doch jemand ist ihr auf den Fersen. Obwohl... jemand? Oder vielmehr... etwas? Jetzt mal ehrlich, ich hab selten einen so guten Roman gelesen. Ich habe nichts gegen Fantasy-Schmöker, wenn sie gut sind (siehe Kai Meyers „Seide und Schwert“-Artikel), aber sowas erobert mein Herz viel viel schneller. Peter Schwindt hat sich auf dem Jugendbuchsektor schon mit der „Justin Time“-Reihe und den ersten beiden Teilen seiner Artus-Saga „Gwyndion“ warmgeschrieben, aber meine Güte, „Flüsternde Schatten“ haut rein. Auch hier sind Nachfolgebände geplant und der erste Teil endet mit dem fiesesten Cliffhanger. Die ganze Reihe soll „Libri Mortis“ heißen, und im ersten Teil wird die Handlung ganz geschickt, man möchte fast sagen: genüsslich ausgelegt wie ein Köder in der Mausefalle. Wenig wird geklärt, im Gegenteil, es werden zum Ende hin nur noch mehr Rätsel aufgegeben. Dazu kommt das unheimliche Setting der düsteren Katakomben: Begegnungen mit Totenschädelhaufen unter Friedhöfen, halbverseiften Leichen und ganz und gar seltsamen Menschen und Ereignissen lassen den etwas nach Pubertätsroman klingenden Anfang ganz schnell vergessen machen und reißen den Leser hinein in einen der allerbesten Schauerromane. Leider ist auch hier Wartezeit angebracht. Teil 2 ist bis jetzt noch nicht angekündigt, aber zumindest gibt es auf der Homepage des Verlags ein paar Hintergrundinfos zu den Katakomben – wenn die Gruselgeschichten aus dem Buch denn nicht reichen. Auch hier wieder gar dreiste 16,90 Ocken, aber wie schon bei Kai Meyer lohnt sich jeder Euro. Ich will mehr davon, jetzt sofort. Text Copyright 2006 Anna-Selina Sander Coverartwork Copyright Loewe Verlag |