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Gorilla des Monats

bernie 
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Jan Delay: Wir Kinder Vom Bahnhof Soul
soulvon Michael Steber

Plattenfirma: Vertigo Be (Universal)
Tracks: 12
Erscheinungsdatum:
14. August 2009
ASIN: B002GYS27Q
Preis: ca. 14,95€ Wir Kinder Vom Bahnhof Soul bei Amazon.de

Mit Wir Kinder vom Bahnhof Soul meldet sich Jan Delay auf der für ihn inzwischen deutlich größer gewordenen Bühne der deutschen Musik zurück. Der Albumtitel ist wie gewohnt ein augenzwinkerndes Wortspiel und stellt dabei klar, dass das dritte Album des Hamburgers diesmal keine neue Musikrichtung erschließt, sondern wie bereits Mercedes Dance wieder dem Soul und Funk Tribut zollt. Kann das funktionieren oder ist Jan Delay dem berüchtigten Flop des zweiten Albums in einer Musikerkarriere bisher nur geschickt durch einen Wechsel seines Stils von Reggae zu Funk entgangen?

Schon beim ersten Hören fällt auf, dass auf Wir Kinder vom Bahnhof Soul entgegen des Namens vor allem der Funk der späten Siebziger und frühen Achtziger dominiert. Auf Deutsch hat man so etwas bisher nur selten gehört, außer eben auf Jan Delays letztem Album, von dem der Künstler selbst behauptet, er habe eine Platte mit Soul und Funk machen wollen, aber noch nicht richtig gewusst wie. Das hat sich nun geändert, die Band ist dieselbe und ist wie auch der Sänger inzwischen tiefer im Genre, der elektronische Touch des Vorgängers ist größtenteils staubtrockenem Funk gewichen.

So macht Jan Delay auch diesmal nichts falsch und liefert vor allem tanzbare Musik, die nur eben noch ein wenig besser produziert ist und sich noch ein Stück weiter von seinen früheren Platten entfernt, gleichzeitig aber auch ein deutlicher Verweis auf die Vorfahren des Hip Hop und damit auch auf Jan Delays musikalische Herkunft ist. Natürlich ist Musik immer auch Geschmackssache, wer aber Funk mag und sich an der aalglatten Produktion nicht stört, wird diese Platte gerne in seine Sammlung aufnehmen. Neulingen hingegen wird sie vielleicht als Türöffner dienen und weiteres Interesse schüren.

Die Texte auf Wir Kinder vom Bahnhof Soul sind deutlich zahmer als etwa die Linksaußen-Lyrics eines Searching for the Jan Soul Rebels, was sicherlich auch daran liegt, dass hier die Musik vor allem zum Tanzen anregen soll. Natürlich kann man dem sonst so integren Jan Delay auch angesichts der ausgedehnten Vermarktung des Albums hier den Verrat seiner eigenen Ideale vorwerfen, an einen derartigen Sinneswandel mag man aber so ganz nicht glauben. Vielmehr scheint Jan Delay gelernt zu haben, mit den Medien zu spielen, sind doch die Texte noch immer voller Wortwitz, wenn auch größtenteils unschuldiger als zuvor.

Hier verbiegt sich also niemand, Jan Delay bleibt ein Unikat in Deutschland und interpretiert Funk mit Hang zum Perfektionismus und doch auf seine eigene Art. Dabei wird das Potential von Band und Sänger voll ausgeschöpft und gerade deswegen sollte Jan Delay beim nächsten Album wieder Experimente wagen, ist er doch ein zu innovativer Künstler, um sich endgültig auf einen Stil festzulegen. Vorher werden wir ihn wohl wieder in den Rap-Gefilden der Beginner hören, danach aber könnte schon bald den nächste große Knall als Jan Delay folgen, hat er doch verkündet, sich auch immer mehr für Punkrock zu interessieren.

Text Copyright Michael Steber

Bilder Copyright  Vertigo Be (Universal)

 
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