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Inglourious Basterds

basterdsvon Michael Steber

Frankreich (2009), Regie: Quentin Tarantino, Drehbuch: Quentin Tarantino, Kamera: Robert RichardsonDarsteller: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Daniel Brühl, Til Schweiger, Volker Michalowski

erschienen bei: Universal Pictures

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Quentin Tarantino richtet seinen Blick auf die Geschichte des zweiten Weltkriegs in Europa und macht dabei das, was sich hierzulande auch heute noch kaum ein Regisseur traut. Mit Inglourious Basterds gelingt dem Schöpfer von Pulp Fiction ungeachtet jeder historischen Richtigkeit das Kunststück, ein von Nazis besetztes Europa auf dem schmalen Grat zwischen Trash und Ernsthaftigkeit zu beschreiben. Doch dort, wo der Trailer des Films mit dem demonstrativen Rechtschreibfehler im Titel einen unterhaltsamen Nazi-Slasher verspricht, verbirgt sich nichts weniger als eine Hommage an das Kino selbst und seine Wirkungskraft.

Die namensgebenden Basterds betreten erst verhältnismäßig spät die Bühne des besetzten Frankreichs. Zunächst wird die Geschichte des jüdischen Mädchens Shosanna erzählt, deren Familie von SS-Offizier Hans Landa ermordet wird. Shosanna gelingt die Flucht nach Paris, wo sie unter einem Decknamen ein Kino betreibt. Nun erst werden die Basterds mit den Szenen des Trailers als jüdisch-amerikanische Elitetruppe auf der Jagd nach Naziskalps vorgestellt. In der Zwischenzeit hat der deutsche Kriegsheld und Propagandafilmstar Frederick Zoller ein Auge auf Shosanna geworfen und über seine Kontakte zu Joseph Goebbels dafür gesorgt, dass der neueste Kassenschlager seine Premiere unter Anwesendheit von Hitler, Goebbels und einer Reihe weiterer Nazigrößen in ihrem Pariser Kino feiern wird.

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Hier nun wittert Shosanna ihre ultimative Chance auf Rache und beabsichtigt, die Anwesenden und damit auch Landa, den Mörder ihrer Familie umzubringen. Unabhängig davon planen auch die Alliierten einen Anschlag am Abend der Premiere und entsenden zu diesem Zweck zwei deutsche Mitglieder der Basterds zusammen mit der deutschen Schauspielerin und Überläuferin Bridget von Hammersmark. Als die drei jedoch enttarnt werden, entkommt nur Bridget, die nun mit dem Anführer der Basterds, Aldo Raine, ihrem Vollstrecker Donowitz und einem weiteren Mitglied der Premiere beiwohnen und den Anschlag doch noch durchführen soll.

Inglourious Basterds wird nicht nur von seiner außergewöhnlichen Handlung, sondern vor allem auch von den beinahe durchweg überragenden Leistungen der Schauspieler getragen, die jeweils Figuren ihrer Nationalität spielen. Abgesehen von der recht hölzernen Vorstellung Diane Krugers als Bridget von Hammersmark präsentiert sich gerade die Schauspielerriege des deutschsprachigen Kinos hervorragend, allen voran Christoph Waltz als Oberst Landa. Aber auch August Diehl, Daniel Brühl und sogar Til Schweiger wirken überzeugend. Obwohl auf Seiten der Alliierten keine Figur enttäuscht, sticht dort vor allem Brad Pitt hervor, dem es mit seiner Interpretation des Basterds-Anführers und Südstaaten-Raubeins Aldo Raine wieder einmal gelingt, eine bleibende Figur zu erschaffen.

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Natürlich ist der gesamte Film wie für Tarantino üblich ein Netzwerk von Zitaten, das vollständig wohl nur vom Regisseur selbst erschlossen werden kann, andererseits aber für das Verständnis nicht zwingend notwendig ist. Von Georg Wilhelm Pabst über Leni Riefenstahl bis hin zum Spaghettiwestern und der Nouvelle Vague wird immer wieder auf die Welt des Films angespielt, sei es implizit anhand bestimmter Szenen oder explizit durch die Nennung von Namen. So ist es letztendlich auch das Kino selbst, das im Mittelpunkt der Geschichte von Inglourious Basterds steht. Innerhalb einer fiktiven Welt wirkt hier die Fiktion des Kinos real auf die Geschichte ein und bleibt so nicht bloßer Überbau, sondern wird zur Notwendigkeit in einer schwer zu ertragenden Realität.

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Inglorious Basterds stellt für Quentin Tarantino also die endgültige Abkehr von dem ihm viel zu lange angedichteten Genrefilm ab. Hier wird der Film als Medium fokussiert, das allein dem Regisseur die Macht verleiht, innerhalb historischer Gegebenheiten eine ungewöhnliche, aber trotz allem schlüssige Welt mit glaubwürdigen Protagonisten zu erschaffen. Letztendlich ist Inglorious Basterds ein Novum nicht nur im Werk Tarantinos und übertrifft somit die hohen Erwartungen sogar noch. Da die Szenen übrigens komplett in der jeweiligen Originalsprache der Darsteller und Figuren gedreht wurden und entsprechend untertitelt werden, sollte man sich den Film im Original ansehen, weil sonst gerade der Wortwitz der wichtigen englischsprachigen Dialoge verloren gehen würde.

Text Copyright Michael Steber 2009

Bilder Copyright Universal Pictures

 
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