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Gorilla des Monats

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Nina Blazon: Totenbraut
totenbrautvon Anna-Selina Sander

Autor: Nina Blazon
Erschienen bei: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-35304-0
Preis: ca. 16,95Totenbraut bei Amazon.de 

Man kann über diese ganze All Age-Sache denken und sagen, was man will, doch schlussendlich kommen eine Menge toller Geschichten dabei heraus – und genau darum geht es doch beim Lesen. Nina Blazons Roman kann praktischerweise den derzeitigen Vampirhype als Werbung gut nutzen, und ich muss gestehen, dass mir ein „Nicht noch so'n Buch!“ entfahren ist, als ich das Vorabexemplar in der Hand hielt. Was mich dann aber erwartete, war eins der besten Jugendbücher in diesem Herbst, das Historie, stimmungsvollen Grusel und teilweise auch Elemente der Detektivgeschichte in sich vereint.

Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf in Serbien, im Jahre 1731. Das Setting ist recht klassisch: Eine kleine verschworene Dorfgemeinschaft, ein Haus voller Aussätziger, denen man finsterste Dinge nachsagt, auf einem Hügel am Rande des Ortsgebietes, und eine nichts ahnende junge Heldin, die Hals über Kopf in ein brandgefährliches und geheimnisvolles Abenteuer stolpert. Jasna, so ihr Name, ist noch nicht einmal 15 Jahre alt, als der Pferdezüchter Jovan Vucovic, der mit seinem Gefolge im väterlichen Haus Rast macht, sie ihrem Vater als Braut für seinen Sohn abkauft. Kaum ist sie auf dem heimischen Hof eingetroffen, wird die Hochzeit auch schon völlig überstürzt abgehalten, ohne dass Jasna Gelegenheit hat, ihren unfreiwilligen Bräutigam kennenzulernen. Da ist was oberfaul, denkt sie sich.

Dennoch versucht sie sich in ihr Schicksal zu fügen, doch sie merkt schnell, dass mit dieser Familie etwas absolut nicht stimmt. Danilo verweigert sich ihr, spricht nur das nötigste, und ihr ist klar, dass keiner von beiden mit dieser Ehe einverstanden ist. Noch bevor sie bei ihrem ersten Besuch im Dorf von feindseligen Bürgern empfangen wird und sogar der Priester ihr den Zutritt zur Kirche verweigert, hört sie hinter vorgehaltener Hand vom mysteriösen Tod ihrer Schwiegermutter Marja. Das Mahnmal, das an ihren Tod erinnert, ist ein schwarzer verkohlter Turm, in dem sie einst verbrannte. Doch ist sie wirklich verbrannt? Die Gerüchte im Dorf häufen sich, sogar von Vampiren ist die Rede – obwohl niemand so genau weiß, was ein Vampir eigentlich ist und wie man dagegen vorgeht. Und ist es wirklich Marja, um die es hier geht? Als ein weiterer Todesfall in Jasnas neuer Familie geschieht, wird die Sache noch konfuser und die Menschen um sie herum immer hysterischer. Ganz langsam kommt Jasna vielen düsteren Familiengeheimnissen auf die Spur, die sich immer wieder als falsche Fährte herausstellen, aber immer haarsträubender werden, bis sie schließlich ganz am Schluss die Wahrheit über die Familie Vukovic erfährt.

Mehr oder weniger unterstützt wird Jasna von dem Holzfäller Dusan, der ihr zuerst als sorgloser Tagedieb begegegnet, der aber doch mehr weiß, als sie anfangs glaubt. Zu ihm fühlt sie sich hingezogen, trotz ihrer Ehe mit Danilo ist es Dusan, in den sie sich verliebt. Doch auch sein Leben scheint eine einzige Lüge zu sein.

In dem Roman wird von Anfang an eine wunderbar dichte düstere Atmosphäre aufgebaut, die Blazon auch über jede Seite hinweg beeindruckend aufrechterhält. Die Figuren hat sie sehr gut entworfen, sogar die Nebencharaktere sind, jeder für sich, wichtig für die Geschichte und nie verschwendet, sondern immer sinnvoll eingesetzt. Die Autorin spielt mit der Angst vor dem Unbekannten, lässt die Figuren Konflikte um Religion und Aberglauben gegen das aufkeimende Interesse von Wissenschaftlern an den Vorgängen in der Welt bestreiten. In dieser kleinen Gemeinschaft, die, wie trickreich durch lange Reisen zu Pferd und blumige Beschreibungen der Welt jenseits der Dorfgrenzen beschrieben, ziemlich JWD liegt, kann kaum etwas von außen die Hysterie stoppen, in die sich die Menschen in ihrer Angst hineinsteigern, und die dadurch zu einer gefährlichen Waffe wird, gegen die Jasna allein keine Chance hat.

Wunderschön gemacht, schlüssig beendet, spannend und sprachlich sehr gut geschrieben. Das ist ein perfektes Herbstbuch, mit dem man sich im Sofa eingraben kann, während draußen der Regen an die Scheiben pladdert. Aber macht die Fenster zu, sonst geht’s euch wie mir und ihr kriegt fast einen Herzkasper, wenn der Wind sie zuknallt. Seid gewarnt.

Text Copyright Anna-Selina Sander 2009

Cover Copyright Ravensburger
 
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