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Gorilla des Monats

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District 9
district9von Konrad Feldschmid

USA/ Neuseeland (2009)

Regie: Neill Blomkamp, Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell, Kamera: Trent Opaloch, Musik: Clinton Shorter, Darsteller: Sharlto Copley, Sarah Livingstone, Vanessa Haywood, David James, Louis Minnaar

Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Bevor District 9 auf dem Fantasy Film Fest gezeigt wurde, erzählten die Organisatoren, dass es ihnen sehr viel bedeuten würde, diesen Film hier zeigen zu dürfen. Unbedingt wollte man den Streifen haben, viel Zeit und Überzeugungskraft musste aufgebracht werden, bis schließlich – ganz kurz bevor das Programmheft in Druck ging – doch noch die Zusage kam. Umso glücklicher war man nun, District 9 präsentieren zu können. Im Übrigen hatte noch keiner der Organisatoren den Film gesehen.

Mir persönlich ging es ganz ähnlich. Seit ich die ersten Bilder zu District 9 zu Gesicht bekommen hatte, stand für mich fest: Das wird mein Science-Fiction-Highlight 2009 – eine Hoffnung, die nicht zuletzt davon genährt wurde, dass Peter Jackson als Produzent mit im Boot saß. Als dann auch noch euphorisch gemeldet wurde, District 9 sei an der Spitze der US-Kinocharts, habe am Startwochenende 37 Millionen Dollar eingespielt und das bei einem Budget von gerade einmal 30 Millionen Dollar – da war die Spannung kaum mehr auszuhalten. Wir vermerken also: Die Erwartungshaltungen an den Film dürfen enorm genannt werden.

Die Gründe dafür sind aber nicht nur Peter Jackson und der finanziellen Erfolg; es kommt noch ein dritter hinzu: das vielversprechende Thema. Neill Blomkamp arbeitet in District 9 seine Erfahrungen mit der Apartheid in Südafrika auf. Rassentrennung war (und ist) seit Jahrhunderten ein Übel in Südafrika; zwischen 1948 und 1994 sogar ein gesetzlich geregeltes Übel.

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Zum historischen Hintergrund: Als Ende der 50er Jahre die Nationalisten die Wahlen gewinnen, setzen sie unter anderem durch, dass es künftig Orte geben soll, zu denen nur Menschen einer bestimmten Hautfarbe Zutritt haben. In Toiletten, im öffentlichen Verkehr, in politischen Institutionen, in Krankenhäusern und an vielen anderen Stellen trennt man zwischen Weißen und Nicht-Weißen. Auch Ehen zwischen Weißen und Nicht-Weißen werden verboten. So werden zahlreiche Ethnien immer weiter ausgegrenzt, ihre Lebensumstände verschlechtern sich drastisch und es kommt zum Teil auch zu Umsiedlungen.

Zum Beispiel im District 6 in Kapstadt, wo die Zwangsumsiedlungen 1968 beginnen. Alle Menschen, die nicht als Weiße gelten, müssen ihre Wohnstätten verlassen, werden aus der Stadt verdrängt und außerhalb in sogenannte Townships gebracht. Ihre alten Häuser reißt man ab; als neue Unterkünfte dienen ihnen heruntergekommene Baracken – bestenfalls.

Aus dieser Problematik macht Neill Blomkamp einen Science-Fiction-Film. Anfang der 80er Jahre strandet ein Raumschiff auf der Erde. Reglos schwebt es in der Luft über Johannesburg. Als weiter nichts passiert, beschließt die Regierung, sich Zugang zu verschaffen zu dem unidentifizierten Flugobjekt. Im Innern stößt man auf heruntergekommene und verwahrloste Außerirdische. Diese werden in ein Auffanglager unter dem Schiff gebracht. Das Auffanglager trägt den Namen District 9.

Obwohl die Außerirdischen dort von den Menschen getrennt sind, herrscht Unmut unter den Bewohnern von Johannesburg. Die Aliens, welche auch Prawns genannt werden, sind unerwünscht in der Stadt; sie sollen umgesiedelt werden. Diese Aufgabe fällt Wikus Van De Merwe zu. Er ist der Schwiegersohn eines Führungsmitglieds von Multi-National United, der Organisation, die sich um Alien-Angelegenheiten kümmert und besonderes Interesse zeigt an den Waffen der Besucher aus dem All. Während der Umsiedlung kommt Wikus allerdings in Kontakt mit einer merkwürdigen Flüssigkeit der Außerirdischen; das setzt unvorhergesehene Prozesse in Gang.

Inszeniert ist District 9 größtenteils wie eine Dokumentation über die Vorfälle im Auffanglager; und das ist ganz klar eine der Stärken des Films: Blomkamp schafft es, das Szenario wahnsinnig authentisch wirken zu lassen, was nicht zuletzt an den vielen Details und Anspielungen auf reale Begebenheiten liegt. Da zieht Wikus beispielsweise mit einem Kamerateam und schwer bewaffneten Militärs von Haus zu Haus und hält den Außerirdischen Zettel unter die Nase, welche sie unterschreiben sollen. Mit der Unterschrift willigen sie in die Umsiedlung ein. Dass viele der Außerirdischen gar nicht verstehen, was Wikus von ihnen will, ist diesem egal. Und als der Alien Christopher Ärger macht, droht Wikus damit, ihm sein Kind wegzunehmen. Einem Freund von Christopher ist davor schon ganz anderes zugestoßen.

Aber auch die Actionszenen – von denen es übrigens reichlich gibt – sind großartig inszeniert. Die Kämpfe sind spektakulär und leiden keinesfalls unter dem geringen Budget, punkten im Vergleich zu anderen Genre-Vertretern sogar durch die raue und dreckige Atmosphäre. Die Schießereien gehen einen viel direkter an als in so manchen Hochglanz-Produktionen.

Dazu bietet der Film noch viel bösen Humor. Zuständig dafür ist vor allem der Charakter Wikus. Wikus ist ein Weichei, ein Versager-Typ, herrlich überzogen dargestellt von Sharlto Copley. Den Auftrag, die Außerirdischen umzusiedeln, bekommt er nur, weil er der Schwiegersohn eines Führungsmitglieds von MNU ist. Aber er genießt es sichtlich, der Held der Stunde zu sein und mit einem Mal im Rampenlicht zu stehen. So produziert Wikus sich vor der Kamera, spielt sich vor ihr auf; sobald allerdings etwas schief läuft – er sich beispielsweise aus Versehen eine ominöse Flüssigkeit ins Gesicht spritzt –, redet er den Leuten vom Fernsehen schnell zu, sie möchten das doch bitte später rausschneiden.

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Mit Wikus kommen wir langsam aber auch zu den Schwächen des Films. Zwar gibt es an der schauspielerischen Leistung überhaupt nichts auszusetzen; dass Wikus aber eine überzeichnete und rassistische Witzfigur ist, macht es schwer, sich mit ihm zu identifizieren. Problematisch wird das ab dem Zeitpunkt, als das Blatt sich wendet für Wikus, er nicht mehr oben auf ist, sondern selbst zum Opfer wird. Jetzt müsste man ihn eigentlich ernsthaft bedauern, nur will einen das Schicksal dieses Menschen nicht wirklich berühren und so verliert der Film an Kraft und flaut ein wenig ab.

Dazu kommen einige sehr plumpe und vorhersehbare Wendungen, die das Niveau unangenehm drücken. Da wird die eigentlich so gelungene Parabel über Toleranz plötzlich mit dem Holzhammer behandelt und das engagierte Plädoyer verkommt zu einer grobschlächtigen Predigt. Wenig angetan war ich auch von der ganzen Geschichte um die spirituellen Waffenhändler, welche Körperteile der Außerirdischen essen in der Hoffnung, dadurch deren Kräfte zu absorbieren.

Das alles hebt die positiven Aspekte des Films nicht auf, hinterlässt aber doch einen bitteren Beigeschmack. Auf michjedenfalls wirkt District 9 wie ein Werk, das großartig, vielleicht sogar bedeutend hätte werden können – was immer das Wort bedeutend besagen will –, letztlich aber doch nur ziemlich gut geworden ist. Ziemlich gut ist aber immer noch weit entfernt von schlecht und darum hat der Film sicher eine Chance verdient.

Text Copyright Konrad Feldschmid 2009

Bilder Copyright  Sony Pictures Releasing GmbH
 
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