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von Moritz Scholz
Deutschland (2009), Regie: Sönke Wortmann, Romanvorlage: Donna Woolfolk Cross, Drehbuch: Heinrich Hadding, Sönke Wortmann, Darsteller: Johanna Wokalek, John Goodman, David Wenham, Lotte Flack Verleih: Constantin Film AG Sönke Wortmanns neuester Streifen Die Päpstin spielt im neunten Jahrhundert nach Christus und handelt von der auf dem Land aufgewachsenen Johanna, die sich, als Junge getarnt, durch die von Männern beherrschte Welt kämpft und es bis zur Ernennung zum Papst schafft. Das ist wahrscheinlich vielen auf Grund des Titels und der umfangreichen Berichterstattung im Vorfeld schon klar gewesen, leider war‘s das aber auch schon mit dem Inhalt des 149 Minuten langen Films. Die Päpstin ist leider bar jeder Vielschichtigkeit und besteht aus einer geradlinigen, relativ spannungsfreien Abfolge von Ereignissen im Leben Johannas, deren Aufdringlichkeit nach kurzer Zeit etwas ermüdend wirkt. Dies liegt zu nicht unerheblichem Teil an der Schwarz-Weiß-Malerei der Figuren. Die Angehörigen der Kirche sind entweder liebe, knuffige ältere Herren oder böse und gewalttätige Intriganten. Wird ein neuer Charakter eingeführt, ist direkt in der ersten Szene seines Erscheinens völlig klar, welcher der beiden Personengruppen er angehört. Die Guten lächeln milde, die Bösen haben Segelohren und blöde Frisuren. Die Bemühungen des Films, dem Zuschauer eindringlich zu zeigen, dass in der Kirche Gewalt, Verrat und Intrigen allgegenwärtig waren, wird spätestens im letzten Teil in Rom anstrengend.  Hier dauert es übrigens handgestoppte fünf Minuten, bis Johanna Wokalek von John Goodman an die Wand gespielt wird und dort auch für den Rest des Films verweilt. Überhaupt sind die übermäßigen Lobgesänge auf Wokalek nicht ganz zu verstehen. Sie spielt genau so angestrengt und bemüht wie im Baader Meinhof Komplex und wird nicht nur von John Goodman locker in die Tasche gesteckt. Denn die gerade 15 Jahre alte Lotte Flack fällt als junge Johanna doch positiv auf und spielt äußerst überzeugend ein Mädchen - zu dieser Zeit ist Johanna noch nicht als Junge unterwegs - welches die Qualen in der, eigentlich ausschließlich für Jungen vorgesehenen, Domschule und die Abneigung vieler Menschen um sie herum, Kraft ihrer Intelligenz, erträgt.
Auch wenn Johanna Wokalek mittelmäßig spielt und der Film als Ganzes eher platt daherkommt, ist er doch an manchen Stellen nett gemacht und recht unterhaltend. Die Kostüme beispielsweise sind wirklich sehr schön, wirken echt und sehen aus, als würden sie wirklich getragen und nicht nur für den Film von der Garderobenstange genommen. Zudem bestätigte mir der mich begleitende Geschichtsstudent, obwohl er nach eigener Aussage „kein Experte für das Frühmittelalter“ sei, eine insgesamt glaubhafte Kulisse und Kostümierung der Darsteller, welche auf mich als geschichtlich nur schulgebildeten Zuschauer ebenfalls einen guten Eindruck machte.
Wer also von Die Päpstin ein vielschichtiges Parabelstück erwartet, sollte lieber zu Hause bleiben. Wer allerdings einen technisch gut ausgeführten Historienfilm über das neunte Jahrhundert sehen und sich zweieinhalb Stunden gut unterhalten möchte, der wird sich nach dem Kinobesuch nicht ärgern; was ich übrigens trotz der harschen Kritik ebenfalls nicht tat. Text Copyright Moritz Bilder Copyright Constantin Film AG |