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Zur Eröffnung der Leipziger Games Convention ist es inzwischen Tradition, am Mittwochabend in der Messewoche ein festliches Eröffnungskonzert im Leipziger Gewandhaus zu geben. In diesem Jahr gab es mehrfach Grund zum Feiern: Die GC 2006 versprach sämtliche Besucher- und Ausstellerrekorde zu brechen, die im Nachhinein sogar die der Buchmesse übertreffen sollten. Die Hotels waren ausgebucht, die Sonne lachte vom Himmel und man hatte sich in Schale geworfen, um dem Konzert beizuwohnen. Der Clou des Ganzen: Es war Musik aus Videospielen zu hören! Was in Japan inzwischen gang und gäbe ist, gilt hier noch als Unikat und zeichnet diese Konzerte immer wieder aus. Für einige wenige wurde vor Konzertbeginn noch ein kleiner Vorempfang mit Fingerfood und reichlich Getränk gegeben, so dass man fröhlich und gestärkt seinen rotbeplüschten Platz einnehmen und sich auf einen schönen Abend freuen konnte. Das Publikum war sehr gemischt, zwischen die Ehrengäste (Komponisten, Politiker, Gorillas und allerlei andere wichtige Menschen) mischten sich viele junge Leute aus der Spieleszene, die einige der bereits im Vorfeld sehr raren Karten ergattert hatten. Ein Blick in das etwas lieblos zusammengehauene Programmheft schürt die Vorfreude: Da als Highlight in diesem Jahr ein Chor das Orchester unterstützt hat, waren Werke wie Nobuo Uematsus Bombast-Stücke Dancing Mad (die Begleitmusik des letzten Kampfes in Final Fantasy VI) oder One-Winged-Angel (Sephiroths Musik in Final Fantasy VII) möglich. Hinzu kamen, ebenfalls aus Japan, Klassiker wie das Thema von The Legend of Zelda, die Suite aus Revenge of Shinobi von Yuzo Koshiro oder ein wunderbares Castlevania-Medley. Aus Amerika hörte man hingegen weniger, die Neuerscheinung Black war hier dominierend. Die deutschen Komponisten Kai Rosenkranz und Chris Hülsbeck wurden mit Gothic 3 und Turrican 3 gewürdigt. Die musikalische Ausführung übernahm unter der Leitung des amerikanischen Dirigenten Andy Brick das FILMharmonic Orchestra aus Prag, das bereits mehrere Musikaufnahmen zu Spielen eingespielt hatte und daher mit der Materie vertraut war. Technisch waren die Damen und Herren sehr gut, besonders hervor trat die Klavier/Orgel-Solistin Daniela Kosinova, die sich beeindruckend (wenn auch nicht ganz einwandfrei) durch das furiose Dancing Mad- Solo kämpfte und im nächsten Moment (nach einem kleinen Dauerlauf von der Orgel zurück ins Orchester) bei Turrican 3 wieder ganz leise Töne anschlug. Was mich automatisch auf die musikalische Vielfalt des Konzertes kommen lässt – mir persönlich waren natürlich nur die Knaller der japanischen Komponisten bekannt, aber trotzdem war es nicht eine Minute lang langweilig. Alle Stücke waren mit viel Liebe ausgewählt und durchweg wunderhübsch, harmonisch und sehr schön anzuhören! Einzig Dancing Mad, übrigens um ein dickes Stück gekürzt, war sicherlich durch seine diabolischen Orgelläufe und schrägen Töne etwas schwerer zu verdauen. Ein herzerwärmendes Highlight war der Auftritt der Castlevania-Komponistin Michiru Yamane, die ihre eigene Wood Carving Partitia auf dem Cembalo spielte, von einer Kammerorchesterbesetzung begleitet. Die kleine Japanerin trat auf, spielte ihr Stück und war nach einer kurzen Verbeugung sofort wieder von der Bühne verschwunden – da war sicherlich jemand sehr nervös, was aber sehr liebenswert wirkte. In Kürze könnt ihr hier auch ein Interview mit der Dame lesen. Moderiert wurde der Abend launig und halbwissend von TV-Moderator Steven Gätjen, der das Publikum, auch wenn er nicht viel zum Thema zu erzählen wusste, immer wieder mit Lachern auf seine Seite ziehen konnte – und wenn er dafür in die Tokio-Hotel-Witzkiste greifen musste. Man nahm es ihm nicht wirklich übel. Was man allerdings dem ganzen Publikum übelnehmen konnte, war seine Reaktion auf die Rede des Ministerialdirigenten Hans Ernst Hanten, der eine zugegebenermaßen recht lange Rede für die Eröffnungsfeier vorbereitet hatte und der auch nichts wirklich neues im Gepäck hatte. Dennoch, er machte sich stark für die Spielebranche, betrachtete sie wirklich ernsthaft und kanzelte die Diskussion um die sogenannten Killerspiele ab, die die Regierung ja so schwungvoll in Gang gesetzt hatte. Und trotzdem konnte sich das ach-so-erwachsene Publikum, das von GENAU SOLCHEN LEUTEN ernstgenommen werden will, einfach nicht zusammenreißen und einfach mal bis zum Ende zuhören. Auch ich habe irgendwann abgeschaltet, weil ich aus der Rede eigentlich nichts mitnehmen konnte. Aber wenn das Publikum bei der kleinsten Andeutung eines baldigen Endes der Rede in frenetischen Jubel ausbricht und den Herrn am Ende wegklatscht, dann weiß man einfach, warum diese Szene immer noch Probleme damit hat, ernstgenommen und respektvoll behandelt zu werden. Herzlichen Glückwunsch für ein brillantes Eigentor. Die anderen Reden, zum Beispiel des Oberbürgermeisters der Stadt Leipzig oder des Staatsministers für Wirtschaft und Arbeit in Sachsen fielen dank des flotten Talkrunden-Formats recht kurzweilig aus, wohingegen Will Wright, Vizepräsident und Chefdesigner bei Electronic Arts, Erfinder von Sim City und Herumtreiber auf öffentlichen Toiletten (der Kollege Jochen Ecke kann da mehr zu erzählen), quasi einmal Luft holte und innerhalb von 20 Minuten in einem einzigen englischen Redeschwall die Frage klärte, warum Videospiele für unsere Zukunft wichtig sind. Und wehe, einer fragt mich jetzt nach der Antwort. Insgesamt also ein mit drei Stunden Dauer durchaus langer, aber unterhaltsamer und bewegender Abend. Wenn mich schon Dancing Mad in Entzückung versetzte – spätestens als allen das Zelda-Thema um die Ohren pfoff, lag eine so andächtige und feierliche Stimmung im Saal, dass einem fast die Tränen hätten kommen können. Ich freu mich aufs nächste Jahr. Text Copyright: 2006Anna-Selina Sander
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