von Michael Steber Autor: Takeshi Kitano Erschienen bei: Angkor Verlag ISBN: 3936018391 Preis: ca.12 € Die Welt hasst mich bei Amazon.de Filmfreunden und Japankennern ist Takeshi Kitano als Regisseur von Klassikern wie Sonatine, Hana Bi oder Kikujiro No Natsu längst ein Begriff und auch dem gemeinen deutschen Fernsehzuschauer ist er als Spaßmacher Beat Takeshi und Schlossherr aus der Spielshow Takeshi’s Castle bekannt. Doch mit Film und Fernsehen ist noch nicht das ganze Schaffen von Takeshi Kitano abgedeckt. Gerade das japanische Publikum sieht sich zuweilen einer Omnipräsenz seines Vorzeigeregisseurs ausgeliefert, denn neben regelmäßigen Filmen und gehäuften Fernsehauftritten hat Kitano auch mit seiner Malerei und etlichen Büchern seine Rolle in der Kulturlandschaft bekräftigt. Viele dieser Bücher sind im Original bereits in den späten Neunzigern erschienen und nun liegen zwei von ihnen seit einiger Zeit auf Deutsch vor. Das interessantere der beiden Bücher trägt den plakativen Titel Die Welt Hasst Mich und zeigt auf dem Cover im Stil der Pop-Art einen grimmig dreinblickenden und von tiefen Furchen durchzogenen Takeshi Kitano. Angesichts dieses Titelbilds und des Inhalts könnte das Buch ebenso Ich Hasse Die Welt heißen, handelt es sich doch um einen immer kritischen und bisweilen auch verbitterten Rundumschlag vor allem in Richtung der japanischen Gesellschaft. Noch vor der Lektüre ist grundsätzlich Vorsicht angebracht, wenn man bedenkt, dass sich Kitano als Goldesel des Kulturmarktes inzwischen so gut wie alles erlauben kann. Handelt es sich hier also nur um niedergeschriebene und zu Geld gemachte Frustrationen einer gealterten Koryphäe oder hat uns Takeshi Kitano entgegen der Erwartungen doch etwas über sich als Person, seine Filme und die japanische Gesellschaft zu sagen? Zunächst wird die Erwartung bestätigt, dass ein Regisseur am liebsten über Filme schreibt. In der Einleitung von Die Welt Hasst Mich schreibt Kitano über die Welt des Films und vor gerade die seines Films, wenn er über seine großen Triumphe in Cannes und vor allem Venedig reflektiert und die Rezeption seines Werkes hinterfragt. Nachdem hier Namen wie Godard, Bertolucci oder Fellini gefallen sind, tritt der Film in den Hintergrund. In allen weiteren Kapiteln des Buches wird die japanische Gesellschaft ins Visier genommen, wobei sich deutlich zeigt, dass die Beziehung des Autors zu seinem Heimatland als Mensch und Künstler von Abneigung, ja sogar Abscheu geprägt ist. Hier nun bestätigt sich die Vorahnung, dass Takeshi Kitano in Japan Narrenfreiheit genießt. Er schreibt über aktuelle und kontroverse Themen wie Todesstrafe, Menschenrechte, Amokläufe und Jugendkriminalität in einer Art und Weise, wie es ein deutscher Prominenter niemals wagen würde. Wenn Kitano beispielsweise allgemeingültig posaunt, dass nur wenige Menschen es wirklich verdienen würden, am Leben zu bleiben, dann überschreitet diese Aussage eine Grenze, vor der man in Deutschland auf eine oft geradezu peinliche Weise reflexartig zurückschreckt. Kitano hingegen stört sich wenig an derartigen Grenzen. Verbittert, angriffslustig und äußerst zynisch präsentiert er den Zustand seines Landes als verweichlicht und verkommen und zeigt sich als konservativer Vertreter einer ältereren Generation, die über ihren schwindenden Einfluss sehr wohl bescheid weiß. Die Befürchtung, Takeshi Kitano könne sich alles erlauben und trotzdem finanziell davon profitieren, erweist sich also für Die Welt Hasst Mich zumindest teilweise als wahr. Nichtsdestotrotz bieten sich dem Leser hier interessante Einblicke, vorausgesetzt er interessiert sich für die japanische Gesellschaft und Takeshi Kitano als Person und stört sich nicht an den gerade aus deutscher Sicht arg zynischen und teilweise kaum nachvollziehbaren Positionen. Alle anderen Interessierten sollten sich ihren Zugang zum Meister zunächst über seine Filme suchen. Text Copyright Michael Steber 2009 Cover Copyright Angkor Verlag |