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Vengeance

vengeancevon Michael Steber

Hong Kong / Frankreich (2009)

Regie: Johnny To, Drehbuch: Ka-Fai Wai, Kamera: Siu-keung Cheng, Hung Mo To, Musik: Tayu Lo, Darsteller: Johnny Hallyday, Sylvie Testud, Anthony Wong Chau-Sang, Ka Tung Lam

Originaltitel: Fu chou

Verleih: ARP Sélection

In Frankreich kennt jeder Johnny Hallyday. Und irgendwie finden ihn auch alle toll. Woher diese ungebrochene Sympathie für den urfranzösischen und alternden Rockstar allerdings kommt, das will man als Ausländer nicht so ganz verstehen. Das könnte sich jetzt zumindest im Ansatz ändern, denn Johnny Hallyday spielt die Hauptrolle in Johnny Tos neuestem Film Vengeance, der auf dem Asia Filmfest in München als Abschlussfilm gezeigt wurde. Doch ist hier mehr als nur die ungewöhnliche Besetzung der Hauptrolle bemerkenswert?

Die grundlegende Handlung von Vengeance ist schnell erzählt. Der Film handelt von dem Franzosen Francis Costello, gespielt von Hallyday, dessen Tochter mit ihrem chinesischen Mann und ihren zwei Kindern in Hong Kong lebt. Nachdem Mitglieder der Triaden es auf den Ehemann abgesehen hatten und dabei sowohl ihn als auch die zwei Kinder in ihrem eigenen Haus ermordet haben, reist Costello schockiert an, um seine Tochter zu sehen, die den Vorfall schwer verletzt überlebt hat. Als er zufällig Zeuge eines Mordes einer Triaden-Gruppe in einem Hotel in Macao wird, beschließt er, nicht etwa gegen die Täter auszusagen, sondern sie stattdessen zu bezahlen, damit sie ihrerseits die Mörder der Familie von Costellos Tochter aufspüren und gezielt töten. Vengeance macht seinem Namen also alle Ehre, die treibende Kraft des Films bleibt über die gesamte Länge die Rache.

vengeance

Im Laufe des Filmes lernt der Zuschauer Costello besser kennen und erfährt mehr über dessen Vergangenheit. Die zunächst von ihm nur zum Zweck der Blutrache angeheuerten Mörder wachsen ihm zunehmend ans Herz und Costello muss feststellen, dass er ihnen doch ähnlicher ist als zunächst vermutet. Aus kultureller Sicht bleibt Costello dabei stets der fremde Europäer, der immer wieder kontrastiv zur chinesischen Gesellschaft dargestellt wird, so zum Beispiel wenn er Asiaten nicht voneinander unterscheiden kann oder sich zum christlichen Gebet zurückzieht. Dabei bleibt die Handlung insgesamt ebenso wie die kantonesischen, englischen und französischen Dialoge im Grunde immer vorhersehbar.


Darüber kann man aber getrost hinwegsehen, denn hier steht eindeutig die Optik im Vordergrund. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die genretypischen Schießereien, die in stimmigen Settings und aufwendigen Choreographien immer wieder begeistern. Doch nicht nur die Actionszenen, auch die Schauplätze des Films im Allgemeinen bieten eine beeindruckende Kulisse. Auf der einen Seite Hong Kong, das wie gewohnt mit seinem Chaos aus exotisch wirkenden Leuchtreklamen Assoziationen an Blade Runner hervorruft. Auf der anderen Seite Macao, das vielen Zuschauern wohl unbekannt ist, sich in Vengeance aber als ruhiger Gegenpol zu Hong Kong und letztendlich überraschend europäisch präsentiert.

vengeance

Als Fazit bleibt wenig überraschend, dass die große Stärke von Vengeance die Optik ist und dass es hier natürlich wieder einmal darum geht, Gewalt zu stilisieren. Wenn sich damit allerdings anfreundet, dann wird dieser Anspruch wird mehr als erfüllt und auch in anderen Bereichen erweist sich Johnny Tos Werk als solider Vertreter des Genres Heroic Bloodshed. Nicht zuletzt macht natürlich auch die ungewöhnliche Besetzung der Hauptrolle Vengeance zu einem besonderen Film. Johnny Hallyday spielt den desillusionierten Rächer durchweg überzeugend und am Ende versteht man die Begeisterung der Grande Nation für ihr Urgestein etwas besser. Obwohl wir natürlich schon immer geahnt haben, dass Johnny Hallyday irgendwie doch cool ist. Jetzt wissen wir es.

Text Copyright Michael Steber 2009

Bilder Copyright  ARP Sélection
 
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